Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Neueres Marktwesen. Wochenmarkt und Markthalle.

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und direkt zu sehen, was angeboten und begehrt wird. Sehen wir, wie diese Tendenzenaus die einzelnen Arten der Märkte wirkten.

a) Der Wochenmarkt und die Markthalle. Die Sclbstproduktion anLebensmitteln ist in der Stadt sast ganz, aus dem Lande wenigstens teilweise ver-schwunden. Die Hauswirtschaft hält viel weniger als srüher Vorräte, sie kauft mehrim einzelnen ein. Sie thut es vielfach im Detailladen, beim Gemüsekrämer, beimHöker; aber der Bedars ist so enorm gestiegen, daß fast nirgends die stehenden Lädenihn befriedigen können. Ein großer Teil der Waren muß täglich frisch vom Landekommen; der alte Wochenmarkt ist immer noch die einfachste Form der Vermittelungund Versorgung der Stadt. Er hat freilich dies und jenes abgestoßen. Der Getreide-handel ist auf die Schranne oder besondere Getreidemärkte verwiesen, der Vieh-und Fleischhandel hat sich teilweise besondere Organe geschaffen; der Wein- und Salz-,der Holz- und Kohlenhandel ist aus stehende Geschäfte übergegangen. Aber doch hatder alte Wochenmarkt meist in den sich vergrößernden Städten seit Jahrzehnten dasBild unzureichender Versorgung geboten; auch wo er aus eine Reihe von Plätzen ver-teilt wurde, wo neben die ländlichen Produzenten eine steigende Zahl von Zwischen-händlern, Vorstadt- und Landfleischern und -Bäckern hinzukam, reichte er meist nicht aus;ein Beweis, daß die stehenden Läden ihn nicht ersetzen konnten. Und seine Schattenseitenliegen doch heute zu Tage: zwei- bis dreimal in der Woche wird der provisorischeMarkt mit seinen Buden ausgebaut, die Ordnung der Zufuhr, die Aufstellung vonDutzenden und Hunderten von Wagen ist eine teure, beschwerliche, meist für halbe Tageganze Straßen sperrende Maßregel. Sonne und Regen, Hitze und Kälte, Staub undSchmutz verderben viele Waren. Man hat es ost ausgesprochen: nur wer durch physischeKraft, Wetterbeständigkeit und Derbheit der Form sich auszeichne, könne aus demWochenmarkt verlausen. Der Bauer wie die Hausfrau klagen über die Brutalität unddie Verabredungen der Zwischenhändler, feit sie den Selbstproduzenten auf demMarkt ganz gleichgestellt sind. Also gewiß keine vollendete Einrichtung, aber doch eineunentbehrliche. Nirgends fast hat eine praktische Stadtpolitik oder kaufmännischeSpekulation das Unzureichende der alten Wochcnmärkte, die zu große Enge derselben,die maßlosen Klagen über die Herrschaft kleiner Zwischenhändler- und Kommissionärcliquenaus den Märkten, über die unnatürliche Verteuerung in den Städten durch volle Be-seitigung der zu kleinen Märkte zu Heileu gesucht; nein, man hat an ihre Stelle ver-größerte Markthallen gebaut, die gleichsam das Princip des mittelalterlichen Wochen-marktes in moderner Form wiederherstellen: Centralisierung von Angebot und Nach-frage, Ncbeneinanderstellung der Verkäuser der gleichen Ware, der Händler und derSelbstproduzenten, Unterwerfung des centralisierten Lebensmittelmarktes unter dieÖffentlichkeit, unter eine strengere Maß- und Gesundheitspolizei, Belebung der Zusuhrdurch geschickte Darreichung der Verkaufsgelegenheit.

Die Markthallen entstanden teilweise schon zu Anfang unseres Jahrhunderts,meist erst im letzten Menschenalter. Es sind überdeckte, gegen die Witterung geschützte,täglich vormittags, nachmittags, ja abends gehaltene Märkte, wo kleine Verkaussständeteils täglich, teils für längere Zeit an Lebensmittelhändler und Produzenten möglichstzu den Selbstkosten vermietet werden. Jede Art der Ware hat ihren Platz, eine großeZahl Verkäufer derselben Ware stehen nebeneinander; der Großhandel ist teils zeitlich,teils örtlich vom Detailhandel in der Halle getrennt; neben den gewöhnlichen Ver-käufern stehen amtlich bestellte Kommissionäre, an die jeder Waren zum Verkauf sendenkann; diese senden dem Auftraggeber den Erlös sofort nach dem Verkauf unter Abzugeiner festen Provision; neben dem freihändigen Verkauf finden Auktionen statt, haupt-sächlich die amtlichen Kommifstonäre veranstalten sie. Die ersten 8 Berliner Hallenhaben 89 Mill. Mark, die Pariser Hallen etwa 100 Mill. Francs gekostet. Aberhier wie anderwärts machen sie sich bezahlt, ja zeigen sich als die Voraussetzung derguten Versorgung einer Großstadt. Ein komplizierter Apparat von Beamten, Aufsehern,Polizeiorganen, amtlichen Trägern ist nötig; eine Summe von Marktordnungen regeltden Dienst und zugleich die Art der Konkurrenz im einzelnen. Von der richtigen Ver-