Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Beurteilung der neueren Handelsorganisation.

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Die kleinen Detailhändler klagen heute allgemein und nicht mit Unrecht überihre schlechte Lage. Regierung und große Parteien suchen sie durch eine wohlwollendeMittelstandspolitik zu heben und zu stützen. Aber nicht minder wird über sie selbst geklagt;sie lieferten teure, teilweise schlechte und gefälschte Ware; die Ausschläge durch sie seienzu hoch, gingen bis 3l), 50, 80 Prozent. Richtig ist, wie wir sahen, daß der Detail-handel sich übermäßig vermehrt hat, daß viele Elemente in ihm einen Rettungsankererblicken, die weder geschäfts- noch warenkundig sind; das Publikum findet es bequem,in jedem vierten Hause einen Laden zu treffen; die Überzahl dieser!halbbeschäftigten,technisch und kaufmännisch nicht sehr hoch stehenden Geschäfte kann nicht gedeihen, trotzVerabredungen und hoher Aufschläge. Die ihnen erwachsende Konkurrenz der Hausierer,der Musterreisenden, der Versandgeschästc, der Konsumvereine, der Warenhäuser magda und dort auf zu geringer Besteuerung, aus Schleuderware und Reklame beruhen;im ganzen ist sie ein natürlicher Versuch, die Fehler und Mißbräuche des alten, etwasschläfrigen, des Kapitals und der Intelligenz oftmals entbehrenden Kleinhandels zukorrigieren. Der Konsumverein spart an teurer Miete und Reklame, er hat seine festenKunden; er liefert gute, unverfälschte, preiswerte Waren gegen Barzahlung, lockt dieTeilnehmer durch die Verteilung des Gewinns als Dividende nach dem Maß der Ein-käufe. Die Großbazare und Warenhäuser, die so viele kleine Läden jetzt tot machen,haben gewiß manche häßliche Züge: aufdringliche, geschmacklose Reklame, teilweise Schund-und Schwindelware; sie behandeln ihr Personal nicht immer so sehr viel besser als diekleinen Geschäfte; aber die meisten werden durch die Öffentlichkeit kontrolliertauch bald genötigt, gute billige Waren zu liefern, ihr Personal gut zu bezahlen und zubehandeln; sie müssen coulant Verfahren; sie strengen sich bis zum äußersten an, alletechnischen Fortschritte anzuwenden, durch großen Umsatz den Nutzen, den sie an jedemStück haben, herabzusetzen, die große Verteuerung, die aller Zwischenhandel an sichenthält, herabzumindern.

Das schließt nicht aus, daß ein großer Teil des alten Kleinhandels sich erhält;er wird es um so eher, je rascher die geringeren Elemente aus ihm verschwinden, diebleibenden die Vorzüge der Warenhäuser und Konsumvereine, ihre vorangeschrittenenGeschäftsgepflogenheiten, soweit es den kleinen Geschäften möglich ist, nachahmen. Diesebehalten immer die großen Vorzüge örtlicher Nähe und einheitlicher Leitung durch denEigentümer. Man mag durch allerlei Mittel eingreifen, ihnen durch Kredit, durchVerbände und richtige Besteuerung helfen. Das beste müssen sie doch selbst thun.

Konsumvereine und Warenhäuser stellen Großbetriebe dar, sind Vertreter desNeuen, des Fortschrittlichen. Es wäre salsch, sie durch Steuern oder sonstwie erdrückenzu wollen. Man hat gesagt, es widerstreite der Arbeitsteilung, daß der Konsumentim Konsumverein den Kaufmann spiele. Das thut er nicht: der kaufmännische Beamtedes Konsumvereins besorgt das Geschäft des Detailhändlers, und daß er dabei untereinem genossenschaftlichen Vorstand steht, daß die Mitglieder in der Generalversammlungetwas von den Preisen, den Bezugsquellen, den Geheimnissen des Detailhandels ersahren,ist kein Unglück. Beim Warenhaus steigert sich allerdings die centralisierte Macht desHandelsvcrmittlers so, daß die Übermacht zu Mißbräuchen führen kann. Man bekämpfesie, suche ihm die Rcchtsform zu geben, die dem Gesamtinteresse entspricht. Man hatschon übertreibend gefagt, die Frage der Zukunft sei nicht, ob der alte kleine Detail-laden sich erhalte, sondern ob er durch die genossenschaftliche oder durch die groß-kapitalistische Organisation ersetzt werde. Auch die großkapitalistische kann sich inAktien- oder Gcnossenschastsform auflösen, kann mehr als bisher von der Öffentlichkeitkontrolliert, wo sie wirklich zum Monopol wird, entsprechend hoch besteuert werden.

Jedenfalls aber kann es nie eine richtige Politik sein, alte absterbende, einervergangeneu Technik, einem alten Verkehr entsprechende Lebensformen um jeden Preisund in alter Ausdehnung künstlich erhalten zu wollen. Es kann in einer Zeit, inwelcher die Handelsvermittler auf die dreifache Zahl gestiegen sind, in der diese Ver-mittelung einen steigenden Teil der Preise ausmacht und ausmachen muß, nicht an-gezeigt sein, jedes bestehende Glied in der Kette, jedes Geschäft, ob es notwendig ist