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Gewicht, Gehalt, Fuß der Münzen.
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Mark, aus welcher die deutschen Münzen bis 1857 hervorgingen, wurde als Silbermark in16 Lot, das Lot in 18 Grän, als Goldmark in 24 Karat K 12 Grän eingeteilt; wennman von 16-, 15-, 12 lötigem Silber, von 24., 20karätigem Gold sprach, so meinte manso viel Feingehalt sei in der betreffenden Legierung vorhanden. Heute wird der Feingehaltder Münzen fast überall in Tausendstel des Edelmetalls angegeben; unsere guten deutschen und die meisten anderen Münzen haben jetzt 900 Teile Edelmetall auf 100 Legiernugs-metall. Ganz sichere Münzgrundgewichte hat erst die Präcisionstechnik unseres Jahr-Hunderts geschaffen, wie unsere Technik auch erst die Möglichkeit bot, ohne zu großeKosten und Schwierigkeit sicher reines Edelmetall wie jede beliebige Mischung her-zustellen. Die antiken und älteren mittelalterlichen Münzen waren vielfach in dcnireinen Edelmetall geprägt, wie man es eben damals herstellen konnte. Später hatman besonders den Silbermünzen erheblichere Zusätze von Legierungsmetall bis zu einViertel, ja zur Hälfte und darüber beigefügt, in erster Linie aus Sparsamkeit oder umeinen Münzgewinn zu machen; teilweise glaubte man auch die Münze dadurch härterund dauerhafter zu machen. Vom Übermaß dieses schlechten Gemisches ist man zurück-gekehrt, aber ganz hat man die Übung, legiertes Geld zu Prägen, nicht aufgegeben;ob es richtig sei, darüber streiten Techniker und Münzpolitikcr noch.
Alle älteren und einige neuere Münzgesetze oder Instruktionen für Münzmeisterkennen nur das legierte Metall; sie sagen, aus der Mark so und so legierten Silbersmache man 60 Groschen oder 8 Thaler, aus dem Kilogramm 200 Silberfrancs und3100 Goldfrancs; das einzelne Münzstück kann dann, entsprechend dem Einteilungs-princip, in ein einfaches Zahlenverhältnis zum Münzgrundgewicht kommen. Der deutscheReichsthaler von 1566 wog V« Mark oder 2 Lot; der französische Franc hat einGewicht von ^°°/suo ^ 5 Gramm. Die neueren deutschen Münzgesctze gehen davon aus,daß nur das Edelmetall Wert verleihe, sie besagen also: eine Mark sein Silber, einPfund fein Gold soll in 14 Thaler, in 139,5 Zehnmarkstücke geteilt werden; und danun zu dem Feingewicht ein Zusatz von Legierungsgewicht kommt, so wiegt das einzelneMünzstück stets etwas schwerer als ihr durch das Münzgesetz direkt bestimmtes Gewichtan Feinmetall besagt; unser Thaler von 1857 hatte 16,66 Gramm sein Silber, war18,518 Gramm schwer, unser Zehnmarkstück hat 3,584 Gramm fein Gold, ist 3,982Gramm schwer.
d) Münzfuß. Die ältesten Münzen waren dem Gewicht und dem Namen nacheinfache Teile des Grundgewichts; wie der Römer nach Pfunden (Assen) und Zwölftel-pfunden (Unzen) ursprünglich rechnete, so hat man im ganzen älteren Mittelalter nachPsunden und -ihren Teilen (240 Psennige ^ ein Psund Pfennige) gezählt, und dasenglische Pfund Sterling, der französische Franc, welcher nur ein neuer Name für dasLivre ist, der italienische Lire zeigen noch diesen Znsammcnhang. In der langenhistorischen Entwickelung des Münzwescns, wobei immer der Anschluß an die älterenNamen und Rcchuungsgewohnheiten, an die bisher üblichen Münzen, die längst durchUmlaus oder Lcichterprägung einen anderen Wert erhalten hatten, den Ausschlaggab, kamen nun aber alle möglichen komplizierten Einteilungen des Münzgrundgewichtsaus. Eine einfache Einteilung desselben war nicht Bedürfnis, weil man ja nicht Loteoder Gramme Silber mit Loten oder Grammen Kaffee uud Zucker verglich, sondern denWert von einigen Gramm Silber mit dem Wert eines Kilogramms oder Centners Ware.
Unter dem Münzfuß verstehen wir das Stückzahlverhältnis, nach welchem dasMünzgrundgewicht, das legierte oder das feine, eingeteilt ist, um die Hauptmünze desLandes zu erhalten. Wir hatten in Deutschland vom 16. Jahrhundert an einen Acht-thalersuß, der sich successiv in einen Vierzehnthalcrsuß verwandelte, d. h. ursprünglichwurden 8 Thaler aus der rohen, zuletzt 1750-1871 14 aus der feinen Mark, 1857bis 1871 30 Thaler aus dem Psund fein (was fast identisch mit dem älteren Thaler war) hergestellt. Das Münzgesetz vom 4. Dezember 1871 ordnet an, daß 1395 Gold-mark- oder Drittelthalcr aus dem Zollpfund sein Gold geprägt werden.
Die Hauptmünze erklärt aber allein für sich noch nicht das Münzsystem; sieist nur der Mittelpunkt, der zu einer erheblichen Zahl von Teilmünzen und mehrfachen