78 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlauses u. der Einkommensverteilung. ^536
1753 (20 Guldensuß), dem bis 1771 ein großer Teil der Reichsstände beitrat, schoneinige Besserung und Vereinheitlichung geschafft, die Resultate des 19. Jahrhundertswaren ganz andere. In Deutschland schufen die Münzverträge von 1837 und 1838,sowie von 1857 wenigstens die volle Beseitigung der übermäßigen Scheidemünzprägungder Kleinstaaten und die Einheit des Silbcrthalers, die Münzgesetze von 1871 und 1873endlich die volle Münzeinheit. Das französische Münzsystem von 1803 dehnte sich nachund nach über els europäische und zehn amerikanische Staaten aus; die wichtigstenderselben traten 1865 zum lateinischen Münzbund zusammen; viele lassen in der fran-zösischcn Münze in Paris prägen. Das englische Münzsystem erstreckte sich aus alleenglischen Kolonien mit Ausnahme Indiens und Canadas. Die skandinavischen Reichehaben sich 1873 zu einer vertragsmäßigen Münzunion zusammengefunden. Die meistenKulturstaateu traten seit 1867 zu wiederholten internationalen, bis jetzt freilich ver-geblichen Münzkonferenzen zusammen. Es ist überall dieselbe Tendenz aus Herstellunggrößerer einheitlicher Münzgebiete. Und wenn wir zugeben müssen, daß dabei auchdie internationalen Verträge eine dankenswerte Rolle gespielt haben, die wichtigstenBesserungen und Fortschritte treffen wir doch da, wo die Bildung centraler und mächtigerStaatsgewalten gelang, und diese die Reform in die Hand nahmen. Die Vcrkoppelungdes Münzwesens mehrerer Staaten kann große Gefahren bringen, wenn die Verträgenicht aufrichtig gehalten werden, wenn der eine Staat zur Papiergeldwirtschaft über-geht oder geringere Münze prägt. Deshalb stehen auch die nüchternen Politiker demschönen Ideal eines künftigen, einheitlichen Weltgeldes noch recht zweifelnd gegenüber.Das Problem des Tages, das der Weltverkehr und die Weltwirtschaft geschaffen hat,ist der heute immer klaffender werdende Gegensatz des Geldwesens der verschiedenenStaaten: Papiergeld- und Hartgeldländer, Gold- und Silberländer stehen sich so schroffgegenüber wie je früher die Gebiete verschiedenen Geldes. Aber man darf nicht hoffen,dieses schwierigsten modernen volkswirtschaftlichen Problems Herr zu werden, wennman die Fortschritte preisgiebt, auf denen die Ordnung der Gegenwart beruht: dieselbständige staatliche Gesetzgebung des nationalen Münzwesens. Sie haben wir zunächstins Auge zu fassen.
Sie beruht auf der ausgebildeten und anerkannten staatlichen Münzhoheit,d. h. dem Recht des Staates, die gesetzlichen Bestimmungen über das Münzwesen zu erlassenund das Münzwesen zu ordnen, die Münzen allein zu prägen (Münzregal) oder unterfeiner Autorität und Kontrolle prägen zu lasfen, fremde Münze zu verbieten, jede un-berechtigte Herstellung von Münzen zu strasen. Die wichtigsten einzelnen Volkswirtschaft^lichen Punkte in der Ordnung des Münzwesens sind die Bestimmungen des Gewichts undder Feinheit der Münzen auf der Basis eines Münzgrundgewichts, dann die des Münz-fußes und des Münzsystems, des Verhältnisses von Courant- und Scheidemünze, fernerdie Festsetzungen über Tragung der Münzkosten, über die Art und Pflicht, für genügendeGeldmengen zu sorgen, endlich die Wahl der Währung und die Normierung desVerhältnisses von Hartgeld zu Banknoten und Papiergeld. Wir sprechen zunächstvon den eigentlichen Münzfragen, um dann erst im Zusammenhang die Währungsfragezu erörtern.
a) Münzgrundgewicht, Gewicht und Legierung der Münzen. JedeMünze wird charakterisiert durch ihr Gewicht, und sofern sie legiert ist, durch ihrenFeingehalt. Ihr Gewicht normiert sich nach dem vom Münzgesctz bestimmtenMünzgrund gewicht. Als solches fungierte früher allgemein und neuerdings wiederdas landesübliche Hauptgewicht; dazwischen hatten sich von dem Landesgewicht da unddort besondere Münzgewichte abgesondert. Das römische Pfund von 327,47 Gramm,das karolingische von 367 Gramm, später die Mark (das Zweidrittelpfund) von 158bis 280 Gramm, in Deutschland vor allem die kölnische Mark von 233,85 Gramm,neuerdings das Kilogramm von 1000 und das Pfund von 500 Gramm sind die wichtigstenMünzgrundgewichte. Das Kilogramm von 1000 Gramm liegt der heutigen französischen,das Psund von 500 Gramm der deutschen Münze von 1857—1900, das Troy-Pfund von373,24 Gramm resp, das Vi2 Pfund, die Unze, der englischen zu Grunde. Die kölnische