Die Erhaltung der heimischen Münze. Die Währung.
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wir einen der wichtigsten Punkte noch nicht ins Auge gefaßt, die Währungsfrage undWährungspolitik.
167. Die Gold-, Silber- und Doppelwährung. Das Problemund das ältere Nebeneinandercirkulieren von Gold- und Silber-münzen. Wir haben oben schon bemerkt, daß die Erklärung eines Geldes zum ge-setzlichen Zahlungsniittel das Wesen der Währung ausmache. Man pflegt daherheute die drei eben genannten Währungen zu unterscheiden und kurz und populär zusagen: Bei der Doppelwährung ist Gold- und Silber-, bei der Gold- nur Gold-, beider Silberwährung nur Silbermünze gesetzliches Zahlungsmittel. Das ist nun, ganzroh betrachtet, für die Gegenwart richtig. Aber das Wesentliche ist die feinere Unter-scheidung. In gewissem Sinne haben ja auch die Silberländer in der Regel Gold-münze, alle Goldländer haben regelmäßig Silbermünze; beides aber in anderer Artund mit anderem Recht als in den Ländern der Doppelwährung.
Suchen wir uns also die technisch-wirtschaftlichen Voraussetzungen und die historischeGestaltung des Nebeneinanderbestehens von mehreren Münzarten aus verschiedenemMetall, hauptsächlich von Gold- und Silbermünzen klar zu machen.
Wir sahen, daß ursprünglich eine Anzahl von verschiedenen Gütern als Zahl-mittel nebeneinander fungierten; sie konnten das, so lange das Wertbewußtsein so rohund so stabil war, daß jeder für gewöhnlich die gleiche Quantität dieser Güter zugleichem Werte nahm. Mit der höheren Ausbildung des Wertbewußtseins und desVerkehrs schieden nach und nach die übrigen Güter aus der Reihe der Tausch- undZahlmittel aus, weil sie dazu weniger taugten als Edelmetall und Münze, hauptsächlichweil sie weniger wertbeständig waren. Es blieben aber meist mehrere Metalle, alsBarren oder in Münzform, Eisen, Kupfer und Bronze neben Silber, Kupfer und Silberneben Gold als regelmäßige und rechtlich anerkannte Zahlmittel übrig. Und sie konntenes in dem Maße leichter, als der Wert aller dieser Metalle und Münzen nicht leichtund rasch große Schwankungen zeigte, als bei wenig ausgebildetem Handelsgeist nochrohe Gleichsetzungen lange und in weiter Verbreitung sich erhielten. Der Verkehrbemerkte früher kleine Wertschwankungen von Kupfer zu Silber oder von Silber zuGold nicht so leicht; und man war nicht geneigt und nicht fähig, teilweise schon derTransportkosten wegen, kleine Werterhöhungen des einen Metalls dadurch zu nützen,daß man es aus dem Verkehr zog und an andere Länder, wo es höher galt, zu ver-kaufen trachtete.
Es ergaben sich also, je unentwickelter der Verkehr war, desto weniger Schwierig-keiten aus der gleichzeitigen Anwendung mehrerer Metalle zu Münzen. Sie erschienüberdies von praktischem Gesichtspunkt aus überall bequem, ja unentbehrlich. DieEisen- und Kupfermünzen dienten dem kleinen Verkehr, das Silber dem größeren. WoGold ursprünglich fehlte, wurde es mit der Ausbildung erheblicher interlokaler Zahlungenwegen feiner leichten Verwendbarkeit herbeigezogen. In gewissem Umfang entschied stetsdas Vorkommen und die Leichtigkeit oder Schwierigkeit des handelsmäßigen Bezugsdarüber, welche Metalle zuerst, welche später an jedem Orte als Zahlmittel gewähltwurden. Überall aber trat mit höherer wirtschaftlicher Kultur Eisen, Kupfer und Bronzezurück, das Gold dagegen in den Vordergrund. So gewöhnte man sich fast überalldaran, zwei oder mehr Metalle zugleich als Münze zu verwenden; Sitte und technischesMünz - und Verkehrsbedürfnis forderten gebieterisch die Kombination.
Aber ebenso allgemein hat man verlangt, daß die nebeneinander zugelassenenMetalle in ihren Münzen ein einheitliches System darstellen, daß 1 Gramm gemünztenSilbers zu so viel Gramm gemünzten Kupfers oder Goldes in einem ganz bestimmten,Von Sitte oder Recht fixierten Wertverhältnis stehe. Wo das Verkehrsbedürfnis zueiner neuen Silber- neben der Kupfer-, zu einer neuen Gold- neben der Silbermünzeführte, da suchte man diesem Bedürfnis zu genügen. Der neue Goldgulden des 13.Jahrhunderts wurde zuerst so geprägt, daß er einem Pfund oder 240 Pfennigen, derSilberthaler des 16. Jahrhunderts, daß er einem Goldgulden entspräche, die Pistoleoder der Friedrichsdor des 18. Jahrhunderts so, daß er fünf Silberthaler darstelle.