Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Das Wesen und die Stufen der Geldwirtschaft.

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und Korporationen, die alte Feudalverfassung, es macht große starke Staatsgewalten mitgeldbesoldeten Beamten und Soldaten möglich; es differenziert die Gesellschaft, erzeugtReibung und Kampf, Konkurrenz und Fortschritt.

Wir kommen unten (S. 9799) auf diese allgemeinen Folgen der Geldwirtschaftzurück. Hier kam es nur darauf an, die beiden Typen nebeneinander zu stellen, die Geld-wirtfchaft als die Wirtschaftsweise zu charakterisieren, welche die Naturalwirtschaft nach undnach ersetzt. Sie schiebt sich langsam zwischen die alten Formen der Naturalwirtschaft,zersprengt deren alte Zusammenhänge, verändert die Motive und die wirtschaftlichen In-stitutionen, aber doch nie so, daß der Geldverkehr, der an einem Punkte Platz gegriffen,sofort auf alle anderen Gebiete übergriffe. Besonders der Marktverkehr der Waren, dieBezahlung der Arbeit in Haus, Unternehmung, Gemeinde und Staat, die ganze Ordnungder öffentlichen Wirtschaften, das sind relativ selbständige Gebiete, die in verschiedener Zeitvon der Geldwirtschaft erfaßt werden, wie auch das wirtschaftliche Getriebe des plattenLandes gegenüber dem städtischen. Gerade in der Thatsache , daß die fortschreitendegeldwirtschaftliche Entwickelung so in einer Reihe verschiedener mit einer gewissen Selb-ständigkeit nebeneinander hergehender Glieder erfolgt, daß jedes dieser Glieder sich selb-ständige und eigentümliche geldwirtschastliche Institutionen schaffen muß, liegt dieSchwierigkeit, das Problem einheitlich zu fassen.

Natürlich fehlt ein Zusammenhang und eine gewisse gleichmäßige Stufenfolgein der geldwirtschaftlichen Entwickelung dieser Teile der Volkswirtschaft nicht ganz.Das agrarische Landleben bleibt überall sehr viel länger in den Formen der Natural-wirtschaft als Handel, Gewerbe und Stadtleben. Die Gemeinde- und StaatscinrichtungenPflegen allerorts viel später als der Warenmarkt von der Geldwirtschaft erfaßtzu werden. Aber diefe Folgen und Zusammenhänge gestalten sich doch überall wiederverschieden. Wir sehen heute noch in jeder Volkswirtschaft, jedem Landcsteile, jedemStaate verschiedene Stücke von Naturalwirtschaft, die sich erhalten haben. Ist dieWirtschaft der Familie, der Kaserne, des Arbeitshauses überall bis heute stückweisenaturalwirtschaftlich, so doch in recht verschiedenem Grade. Ob Arbeiter und Lehrlingenoch unter dem Dache des Unternehmers Hausen oder nicht, ob die Dienstboten ihrEssen oder das Geld dasür erhalten, hängt nicht bloß vom Grad der allgemeinengeldwirtschaftlichen Entwickelung, sondern von vielen anderen Ursachen mit ab. Dereine Staat hat bei gleicher Geldwirtschaft heute noch die allgemeine Wehrpflicht,ein Einquartierungs- und Pferdegestellungswesen als Stücke halber Naturalwirtschaft,der andere nicht.

Immer aber wird man versucht sein, alle diese Einzelheiten zu Gesamtvorstellungenund Gesamteindrücken zusammenzufassen, und so möchte ich die folgende Schätzung wagen,ohne sie sreilich im einzelnen beweisen zu können; ich möchte sagen: im Altertum habeder Geldverkehr auch für die entwickeltsten Epochen Griechenlands und Roms sicher nieüber 1525, nur an einzelnen ganz wenigen Punkten, z. B. in Handelsstädten, bisetwa 50 Prozent der Volkswirtschaft erfaßt; im älteren Mittelalter werden es nichtüber einige Prozent, auch 14001800 meist nicht über 1540 Prozent gewesen sein;im 19. Jahrhundert erst wird er 50, 60 bis 80 Prozent der gesamten wirtschaftlichenVorgänge in den entwickelteren Kulturländern in sein Bereich gezogen haben.^ Jededieser Ausdehnungen wurde natürlich als ein Sieg der Geldwirtschaft empfunden,mußte einen Teil der Folgen herbeiführen, die man an ihr preist oder beklagt. ^

Freilich konnte nie die Quantität der Ausdehnung allein entscheidend sein, sondernauch die Qualität; die größere oder geringere technische Vollkommenheit des Geld- undMünzwesens, als Institution, mußte die größten Unterschiede erzeugen. Wir habenoben die Phasen dieser Ausbildung in ihren Grundzügen kennen gelernt. Wir sahen,daß relativ hoch entwickelte Handelsstaaten sogar ohne gemünztes Geld schon einenerheblichen Verkehr hatten, daß später viele Völker und Stämme lange ein so kümmer-liches Münzwesen hatten, daß ihre Zustände kauni als geldwirtschaftliche zu bezeichnenseien. Wir erfuhren, daß die Ausbildung eines gur geordneten Geld- und Münzwesensso große technische, finanzielle und organisatorische Schwierigkeiten bietet, daß viel mehr