Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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96 Drittes Buch, Der gesellschaftliche Prozeß des Gntcrnmlaufes u. der Einkommensverteilung, s^Z4

Staaten an dem Ziele scheiterten als es erreichten; wo die Mißstände und Mißbräucheübergroß wurden, da lahmten sie alles wirtschaftliche Leben, führten zu Epochen reinerNaturalwirtschaft auch auf dem Markte zurück, wie z. B. noch in der großen fran-zösischen Revolution für längere Zeit. Wir können sagen, nur in wenigen Staatenund auf den Höhepunkten ihrer Entwickelung, hauptfächlich wenn große, weitblickendereRegierungen entstanden waren, wurde man über die Schwierigkeiten Herr, und entstandenmit den großen Münz - und Geldreformen glückliche wirtschaftliche Aufschwungsperioden,im Anschluß an das endlich gut geordnete Geld. Wir lernen aus der Schulbank schon,daß Solon das musterhafte attische Münzwesen schus; und in allen Abhandlungen undLehrbüchern wird Mommsens Wort nachgeschrieben, daß die Decemvirn Rom sein erstesgutes Kupfergeld gaben, daß die Einführung des Silbercourants mit der EroberungItaliens , die des Goldcourants mit der Umwandlung des italienischen Staates in diecäsarische Mittelmeermonarchie zusammenfalle und zusammenhänge. Die frühe Stabilitätdes englischen Geldwesens dankt das Land der frühen englischen centralisiertenMonarchie, die Goldwährung den wirtschaftlichen und politischen Siegen von 16501815.Deutschland und Italien hatten von 11001600 in denjenigen Stadtgebieten undTerritorien ein brauchbares Münz- und Geldwesen, die eine gute bischöfliche, fürstlicheoder aristokratische Leitung hatten; nachher litten sie so unsäglich unter den Münz-wirren, weil die Zeit für ein nationales Münzwesen gekommen, dieses aber durchdie politische Zersplitterung unmöglich war. Große Teile ihrer Volks- und Finanz-wirtschast wurden dadurch für Jahrhunderte in naturalwirtschaftlicher Form festgehalten.Preußen erhielt durch den Finanzminister Knyphausen und dann durch Friedrich d. Gr.zum ersten mal ein leidliches, ganz Deutschland durch Kaiser Wilhelm und Bismarckerst ein ganz gutes, einheitliches Geldwesen, wie Frankreich durch Napoleon I. , dieSchweiz 1850 durch ihre Zusammenfassung zum Bundesstaat.

Aber auch wo man ein relativ oder absolut gutes Geld hatte, waren natürlichdie Folgen für die ganze Volks- und Finanzwirtschaft, für den Verkehr, für das wirt-schaftliche Handeln der Menschen je nach den übrigen mitwirkenden Elementen der Rasse,der wirtschaftlichen Technik, der moralischen Atmosphäre und der übrigen Institutionensehr verschieden. Der Geldverkehr in den deutschen Städten des 12.15. Jahrhundertsschuf die ehrbaren Kaufmannsgilden, die bedächtigen Zünfte, den soliden Marktverkehr,wie den hartherzigen vielfach wucherischen Leihverkehr der Juden und Lombarden. Nochheute nehmen die zahlreichsten Menschen an dem Geldverkehr teil, die von ihm entferntnicht so in ihrem innersten wirtschaftlichen Leben und Streben berührt werden wieetwa die Bankiers, die Kausleute, die Krämer. Ich habe in anderm Zusammenhangdarauf hingewiesen, wie verschieden der rechnende, spekulierende Erwerbstrieb, an denwir als Hauptfolge der ausgebildeten Geldwirtschast denken, sich auch heute noch gestalte(I § 17-19).

Trotz aller dieser Vorbehalte können wir 1. im großen die Epochen der Geld-wirtschaft einzeichnen in unser allgemeines Bild der volkswirtschaftlichen historischenEntwickelung und 2. gewisse allgemeinere Wahrheiten über die Folgen der Geldwirtschaftaussprechen.

In ersterer Beziehung werden wir sagen: die Epoche der Stammes-und Gentil-,der Dors- und grundherrschaftlichen Wirtschaft, der Eigenwirtschaft der Familie ent-behrte der Geldwirtschast sast noch ganz. Die Stadtwirtschast fchuf die Anfänge derGeldwirtschaft auf dem städtischen Markte; daneben behielt das Platte Land die Natural-wirtschaft. Die Kanton- und Territorialwirtschaft gedieh da am besten, wo einecentralisierte Gemeinde- oder sürstliche Finanz der Geldwirtschaft sich zuwandte. Durchsrühere Geldsteuern, Geldschatz, Geldbezahlung kamen einzelne kleine Staaten ihrenNachbarn um Generationen voraus. Aber erst mit der neueren Volkswirtschaft breitetesich die Geldwirtschaft siegreich immer weiter aus, teils im Zusammenhang mit demHandel, der Kreditwirtschast, dem Erwerbstrieb, der Spekulation, teils im Anschluß andie erstarkten Geldfinanzen, deren Mittel und Zwecke (wie Steuern, Schulden-wesen, Beamtentum, stehende Heere, Förderung des nationalen Wohlstandes, der