Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Entstehung der wirtschaftlichen Werturteile.

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im Überfluß vorhandene Güter und Arbeitsleistungen, die bis zur Verwendung fürganz gleichgültige Zwecke reichen, weniger als solche, welche nur sür die wichtigstengenügen. Da die meisten Güter, welche wirtschaftliche Bedürfnisse befriedigen, und dieProduktionsmittel, hauptsächlich die Arbeitskräfte, welche sie herzustellen gestatten, beietwas gestiegener wirtschaftlicher Kultur in beschränkter Menge vorhanden sind, sopflegt manwirtschaftlichen" Wert überhaupt den Gütern nicht mehr beizumessen, diein verhältnismäßig unbegrenzter Menge vorhanden sind. Sie erscheinen als wirtschaftlichwertlos, man braucht sich um sie nicht zu bemühen, sür sie nicht zu arbeiten; manpflegt sie als freie Güter den wirtschaftlichen entgegenzusetzen. Alle übrigen Güterschätzt man um so höher, je seltener sie sind, je schwieriger, mit je mehr Opfer undAnstrengung sie herzustellen sind, sofern sie gleich wichtigen Zwecken dienen; dienen sieverschieden wichtigen, so drückt sich in ihrem Wert neben der Schwierigkeit der Erlangungdie Rangstufe des Zweckes aus.

Jede Überlegung, die zu einer wirtschaftlichen Wertbildung führt, erfolgt konkretzu bestimmter Zeit, auf bestimmtem Gebiet, in bestimmtem Klima, innerhalb einesGesellschaftszustandes mit einer bestimmten Besitzverteilung und Klassenordnung, d. h.unter konkreten Voraussetzungen, welche allen und dem einzelnen den wirtschaftlichenErwerb leicht oder schwer machen. Und so werden alle wirtschaftlichen Werturteiledurch Vorstellungen über die vorhandene Menge der erreichbaren oder verfügbarenGüter und Arbeitskräste, über die vorliegende leichte oder schwierige Beschaffenheit der-selben beherrscht. Auch wer von seiner augenblicklichen Lage etwa abstrahiert, hat einenangenommenen Durchschnittszustand der Natur und der Gesellschaft, der Triebe undBedürfnifse, der wirtschaftlichen Zwecke und Mittel im Auge, von dem aus er nunseine Wertgefühle und -urteile gestaltet.

Der psychologische Vorgang bei der Bildung des wirtschaftlichen Wertes in derSeele des einzelnen und der Gesellschaft ist dabei derselbe wie bei jeder Wertbildung.Ein Individuum oder eine Grnppe von solchen, deren Zwecke, und zwar abgestuft nachihrer Bedeutung in einer hierarchischen Ordnung, die aus natürlich-technischen wiegesellschaftlich-sittlichen Elementen sich ergiebt, das ist die Grundlage: auf die Personenund Zwecke werden die vorhandenen und erwarteten Mittel (bez. die Möglichkeiten ihrerNeubeschaffung) bezogen; Lust und Unlust, Nutzen und Schaden, Lebenssörderung undLebenshemmung, welche sich mit einem Gute und seinem Eigentum, seinem Genuß undseiner Entbehrung verknüpfen, werden gegeneinander abgewogen; man sragt sich stetszugleich, was nützt dich diese Mahlzeit, was entbehrst du, wenn du sie nicht hast,welche anderen Güter entgehen dir, wenn du dieses erwirbst, welche Mühe und Arbeit,die auch anderes schaffen könnte, mußt du aufwenden, um in den Besitz dieses Guteszu kommen. So steht auf den zwei Wagebalken der inneren Überlegung stets hier derNutzen, die Brauchbarkeit, dort die Frage der Entbehrung, der Opfer und Kosten, derBeschaffbarkeit. Diese letztere schließt die Frage der Seltenheit wie der Kosten, deraufzuwendenden Arbeit in sich.

Aller Wert ist so ein Relationsbegriff, und zwar ein sehr komplizierter; es handeltsich um die Relation, in welchen Personen und Zwecke, Zwecke und Mittel stehen, umdie Beziehungen, Gefühle und Urteile, welche hieraus entstehen, um die gegeneinanderabgewogene Ordnung der Zwecke und der Mittel, um die Bedeutung der ersteren, umdie Nutzbarkeit, die Größenverhältnisse, die Beschaffbarkeit der letzteren. Je nach demdabei angenommenen Standpunkt kann aus denselben Verhältnissen ein verschiedenesWerturteil folgen. Der Wert liegt nie in den Dingen selbst, sondern im Urteil derMenschen oder Menschengruppen, in den Beziehungen und Kulturverhältnissen, in demsie stehen, aber er erscheint den Menschen stets so, als ob er in den Dingen liege, weildie objektive Ordnung der Natur und der Gesellschaft das Urteil im wesentlichen bestimmt.

Man wird so den wirtschaftlichen Wert bezeichnen können als das durchVergleichung und Schätzung entstandene Bewußtsein über das Maßvon Bedeutung, welches das einzelne Gut oder die einzelneArbeitsleistung gegenüber anderen durch ihre Brauchbarkeit und