10g Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufs u. der Einkommensverteilung. ^564
Bcschaffbarkeit für die wirtschaftlichen Zwecke des Menschen hat.Das Werturteil wird sich stets ausdrücken in einer Gleichsetzung des einen mit eineinanderen als in seinem Wert bekannt vorausgesetzten Gute oder in einer Unter- oderÜbcrordnung: a — d, s, >- d oder < d. Nur bekannte Größen mit bekannten Quali-täten können so verglichen werden. Erst ein leidlich geordnetes Maß- und Gcwichts-system konnte ein ganz deutliches Wertbewußtsein entstehen lassen. Die Wertmaß-bestimmung des einen Gutes durch den Wert eines anderen als bekannt vorausgesetztenschließt eben, sofern dieses als bekannt angenommen wird, die Vergleichung mit zahl-reichen anderen Werturteilen in sich. Das Werturteil I Pfund Fleisch — 1 Markschließt das Mitdenken aller Werte, die einer Mark gleichstehen, in sich. Wir sahenoben schon, daß erst die Entstehung allgemein beliebter und kurrenter Tauschmittcl undzuletzt des Geldes ein ganz deutliches Wertbewußtsein bilden konnte. Jedes einzelneWerturteil erhält erst durch die geahnte oder klar bewußte Einfügung in eine Wert-ordnung, in der alle erheblichen Werturteile enthalten sind, seine feste Stellung. Inder Epoche der Geldwirtschaft ist es der auf dem Markt zur Erscheinung kommende,meist durch Bezahlung in Geld ausgedrückte Wert, der Preis, der als der präcisesteWertausdruck erscheint. Der Preis ist der konkret im einzelnen Fall zur That gewordeneWert; der Wert ist die psychologische Voraussetzung des Preises, der ideale Maßstab,an dem der einzelne praktische Fall gemessen wird. — Die teilweise in den Lehrbücherngemachte Unterscheidung einer besonderen Wert- und einer besonderen Preislehre haltenwir nicht für nötig.
Je nach den wirtschaftlichen Zwecken und je nach den Personen oder Personen-gruppen, auf welche die Güter bezogen werden, ergeben sich die verschiedenen Artendes wirtschaftlichen Wertes, die man zu unterscheiden Pflegt.
Die wirtschaftlichen Güter und Leistungen werden vom primitiven Menschenwesentlich nur auf seinen Gebrauch, seinen Genuß bezogen; sobald er aber zweckmäßigzu wirtschaften beginnt, sieht er daneben in gewissen wirtschaftlichen Gütern und inder Arbeit Mittel zur weiteren Produktion und schätzt nach ihrer Fähigkeit hierzu ihrenWert; und wo der Tausch- und Marktverkehr begonnen hat, kommt zu diesen beidenersten Überlegungen die drittel das einzelne Gut kann andere eintauschen, wird sogewissermaßen zu einem Stellvertreter anderer Güter. Daher schied man seit Quesnay und A. Smith Gebrauchs- und Tauschwert, seit Rau Gebrauchs -(Genuß-)wert,Erzeugungs-(Produktions-, Ertraas-)wert und Tausch- oder Marktwert. DerGebrauchswert ist der innerste Kern in dem psychischen Prozeß der Wertbildung, und erbleibt es immer; er entspringt den lebendigsten Interessen an der eigenen und gesellschaftlichenWohlfahrt; auch die auf die anderen Zwecke bezogenen Werturteile sind gleichsam anihm verankert, aus ihm entsprossen. Aller Produktionswert oder Ertragswert wirdeinem Grundstück, einer Maschine, einem Kapital, einer Arbeitsleistung nur beigelegt,sofern sie etwas zum Gebrauch oder Genuß Taugliches schaffen, zu dessen Erzeugungetwas beitragen können; und unter den Produktionsmitteln werden die, welche diebesten und meisten Gebrauchsgüter liefern, und unter ihnen wieder die seltensten, amschwierigsten zu beschaffenden am höchsten gewertet, weil ihr Mangel die Menge undArt der Gebrauchsgüter viel mehr bedroht, als es der der leicht erschlichen, in größererMenge vorhandenen Produktionsmittel thut. Der Tausch-, Markt- oder Verkehrswertendlich, der für den oberflächlichen Beobachter, aber nur für ihn, die Beziehung aufden Gebrauch und Genuß abstreift, hat seinen letzten Grund doch in den Lust- undUnlustgefühlen der Konsumenten, denen der ganze Mechanismus der Produktion unddes Verkehrs dient. Nur liegen hier bedeutsame Zwischenglieder der Wertung zwischenAnfang und Ende dieses Wertbildungsprozesses.
Die Entstehung des Gebrauchs- und Genußwertes liegt in der Welt der mensch-lichen Gefühle; das Heer der Lust- und Unlustempfindungcn in ihrem tausendfachenWechselspiel, in ihrer oft schwierigen Vergleichbarkeit beherrscht ihn. Man hat ihndurch abstrakte Versuche der Messung der Gefühle in seiner Wurzel zu fassen, zu ver-deutlichen gesucht. Ohue viel Erfolg. Die dunkeln oft halb instinktiven Gefühle der