Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Objektiver und subjektiver Wert. Marktwert.

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-172. Der Marktwert auf Grund von Angebot und Nachfrage.Wir sahen, daß die individuellen und subjektiven Werturteile meist objektive Elementein sich haben, in und durch die Gesellschaft leicht zu übereinstimmenden Bekenntnissenkleinerer oder größerer Kreise werden; wir haben bei der Entstehung des Geldes gesehen,Wie in primitiver Zeit gewisse gewohnheitsmäßige Gleichsetzungen mehrerer Güter ent-standen und durch lange Zeit hindurch sich erhielten. Schon die rohesten Zeiten undGesellschastszustände können wir uns so nicht ohne eine Summe typischer Wertgleichungendenken. Sie werden auch aus den ältesten Märkten den Ausgangspunkt aller Tausch-und Verkaufsgeschäfte gebildet haben. Aber indem der Markt die Tauschenden, dieVerkäufer und Käufer, örtlich und zeitlich vereinigte, indem auf ihm Gruppen vonVerkäusern mit dem Angebot bestimmter Warenmengen und -arten den Käusern, dersogenannten Nachfrage, entgegentraten, entstand das Marktfeilfchen, der Druck vonAngebot und Nachfrage auf den überlieferten, herkömmlichen Wert und je nach diefemDruck die eventuelle Hebung oder Senkung des Wertes. Und da für die entstehendewissenschaftliche Betrachtung diese Wirkung von Angebot und Nachfrage das zunächstSichtbarste war, entstand die bis heute gültige Lehre, daß der Tauschwert von Angebotund Nachfrage bestimmt werde. Wir werden sehen, daß und in welcher Formulierungund Begrenzung dieser Satz heute noch Anspruch aus volle Gültigkeit hat. Auch dieösterreichische Wertschule leugnet ihn nicht. Sie verlangt nur, was ganz richtig ist,daß man Angebot und Nachsrage nicht als letzte Ursachen ansehe, sondern diese Er-scheinungen weiter zerlege und auf ihre Quellen zurückgehe.

Der Marktwert ist ein objektiver Wert, über den bestimmte Gruppen von Ver-käufern und Käufern, trotzdem sie vorher vielleicht von ganz verschiedenen subjektivenWertschätzungen ausgingen, auf Grund von mancherlei Feilschen, von gewissen Kon-kurrenzvorgängen sich verständigen; zu dem an einem bestimmten Punkte so fixiertenMarktwert werden dann alle oder die meisten Geschäfte des Marktes abgemacht. Ja,jeder Marktwert erhält über den Bereich der Teilnehmer hinaus eine gewisse Autorität;er behauptet sich schon nach dem Gesetz der Trägheit meist bis zum nächsten Markte,oft viel länger. Alle Geschäftswelt, alles präcife wirtschaftliche Kalkulieren bedarf derfesten objektiven Wertgrößen und hält sich, wo ein lebendiger Verkehr entstanden ist,an die Marktwerte, an die bisher gezahlten Preise.

1. Um die Wirkung von Angebot und Nachfrage richtig zu würdigen, müssenwir uns verständigen, was wir darunter verstehen. Es handelt sich zunächst jedenfallsum Größenvorstellungen. Das Angebot ist die von den Interessenten gewußte odergeschätzte, bestimmte Menge einer Gattung von Waren, die auf einem bestimmtenMarkte, in einer bestimmten Zeit Käufer sucht, zum Verkauf bereit liegt oder zu denüblichen Lieferungsterminen erwartet wird. Die Nachfrage ist der durch den Besitz vonGeld oder Kredit unterstützte Wunsch der Käufer desselben Marktes und derselben Zeit der Händler, der Produzenten oder der Konsumenten, diese Waren zu erwerben.Die bekannte immer wiederholte Schlußfolgerung ist, daß eine Zunahme des Angebotsund ein Sinken der Nachfrage die Tendenz habe, den Wert herabzudrücken, eine Ab-nahme des Angebots und eine Verstärkung der Nachfrage, ihn zu heben. Es ist einSatz, der gleichsam selbstverständlich ist, mathematische Evidenz hat. Er ist richtiggefaßt so wahr, daß wir seine Bestätigung täglich im Leben beobachten können. Seinepraktische Anwendung setzt freilich voraus, daß wir Angebot und Nachfrage als zähl-und meßbare Größen fafsen können. Es wird deshalb alle praktische Preisuntersuchungzuerst sragen, wo und wie kann ich diese Quantitäten bestimmen. Und so weit wirsie bestimmen können, werden wir sehr oft dadurch die wichtigste Aufklärung über dieUrsachen der Werthöhe und des Wertwechsels erhalten.

Um zu diesem Ziele zu gelangen, muß man die Größe des Marktes und seinerBeziehungen, die Art seiner Versorgung (ob sie aus einmal jährlich oder ununterbrochengeschieht) kennen; man muß wissen, wo und zu welcher Zeit die Hauptmenge desAngebots sich konzentriert z. B. in gewissen Lagern, auf gewissen Auktionen;man muß den Zusammenhang verschiedener Märkte untereinander kennen; man muß