108 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. s^gg
^Erfolgreicher waren die übrigens schon mit Rau, Friedländer, Rossi, Macleodeinsetzenden Erörterungen, daß das Kostengesctz die Wertlehre entfernt nicht erschöpfe,daß der Gebrauchswert eine bisher vernachlässigte Bedeutung habe. Man fand immermehr praktische Fälle, in welchen der Marktwert nicht den Kosten entsprach. Und inden letzten 50 Jahren suchten nun Gossen, Jevons, Walras, Menger , Wieser, Böhm-Bawerk eine ganz neue Wertlehre aufzustellen, welche den Gebrauchswert, seine wesentlichsubjektiven psychologischen Ursachen und Schwankungen, seinen Zusammenhang mit denMengenverhältnissen und der Seltenheit in den Mittelpunkt der Theorie stellt, vondiesem Standpunkt aus auch das Kostengesetz besser sormulieren will. Indem die öster-reichischen Werttheoretiker dieses thaten, haben sie zwar keineswegs, wie Dietzel nach-wies, etwas ganz Neues gelehrt, ebenso wenig der Wertlehre erst einen wissenschaftlichenCharakter gegeben; die Adepten der Schule haben mit gespreiztem Selbstbewußtsein sichselbst und untereinander zu oft das Zeugnis großer Geister ausgestellt. Aber sie habendoch vieles richtiger und schärfer gesehen; wir kommen auf ihre Verdienste unten zurück.Ob zu denselben auch ihre neue Einteilung der Werterscheinungen in subjektive undobjektive zu rechnen sei, ist mir zweifelhaft; doch stehen sie mit dieser Tendenz, die alteEinteilung in Gebrauchs- und Tauschwert so zu ersetzen, nicht allein. Auch I. Neumannunterscheidet so, giebt diesen Begriffen aber eine andere Bedeutung. Er versteht untersubjektivem Wert jede Beziehung desselben auf gewisse Personen und ihre Interessen,unter objektivem die im allgemeinen geschätzte Tauglichkeit eines Gutes zur Erreichungeines Zweckes, wobei die Beziehung auf Personen zurücktrete. Den objektiven Wertteilt er in Vermögenswert, Tauschwert und Ertragswert. Der erste entsteht durch dieBeziehung der innegehabten Güter und Rechte auf die allgemeinen Vermögensinteressendes Verfügenden; der zweite entsteht durch die jeweilige Marktlage; der dritte durchdie Beziehung des Ertrags eines Gutes auf den Inhaber; der Ertragswert eines Land-gutes von 1000 Mark Rente ist bei 5 Prozent durchschnittlicher Zinsen 20 000 Mark,der Tauschwert kann zur selben Zeit 18 000 oder 25 000 stehen, je nachdem Käuferfehlen oder in Hoffnung auf steigende Erträge zahlreich erscheinen und sich überbieten.Der Vermögenswert dieses Landgutes kann sür einen bestimmten Inhaber aus einerReihe persönlicher Gründe ebenso gut über oder unter 20 000 stehen.
Natürlich ist eine Einteilung der Werturteile nach den Personen, auf welchewirtschaftliche Zwecke und Mittel bezogen werden, möglich. Es fragt sich nur, obdamit die Erscheinungen klarer geordnet werden, zumal wenn man wie die Österreicherunter den neuen Namen doch die alten Erscheinungen, das subjektive Begehreu einer-seits, die Markterscheinungen andererseits erörtert. Schon der anderweite Gebrauch, denI. Neumann von diesem Begriffspaare macht, zeigt, daß es keineswegs die allein klareseste Scheidelinie giebt. Man könnte versucht sein, es noch anders zu benutzen. Icherinnere daran, wie ich vorhin zeigte, daß meist in jedem individuellen Werturteil ausder Natur und der Gesellschaft stammende, also objektive Elemente stecken, ja teilweiseden Ausschlag geben. Daran anschließend könnte nian subjektiven Wert den nennen,in welchem die individuellen Gefühle, objektiven den, in welchem die gesellschaftlichenUrteile überwiegen. Man könnte auch daran denken, unter subjektivem Wert den zuverstehen, dessen Elemente individuell egoistische Überlegungen sind, unter objektivemden, der sich auf die Gesamtinteressen gesellschaftlicher Gruppen bezieht, wie er sich z. B.in den mittelalterlichen Bußen der Rechtsbücher, in öffentlichen Taxen und Tarifen, inamtlichen Schätzungen von Steuerbehörden ausspricht.
Doch verfolgen wir diese Dinge nicht weiter. Wir wollten nur kurz anführen,wie verschieden die Begriffe subjektiver und objektiver Wert heute gebraucht werden.Wir fassen nun zuerst den Tausch- und Marktwert im allgemeinen ins Auge. Er istnicht nur der praktisch wichtigste, der in der Wissenschaft bisher überwiegend behandelte,sondern er ist zugleich der seste und greifbare, der, welcher allen wirtschaftlichen Wertengleichsam Sprache verliehen hat. Die wissenschaftliche Untersuchung thut stets gutdaran, vom Sicheren, Greifbaren auszugehen.