Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Der Einfluß der Ungleichheit von Macht und Bildung auf den Wert.

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Beteiligten mehr zu als für die andere. Das Resultat wird dann immer sein, daß dievoll Unterrichteten mit mehr Kraft und Geschicklichkeit auftreten und einen größerenVorteil vom Geschäft haben, den Preis zu ihren Gunsten treiben oder senken können.

Indem man dies verschweigt, nähert man sich der aller älteren Wertlehre, wieder älteren abstrakten Volkswirtschaftslehre überhaupt zu Grunde liegenden Fiktioneiner Gleichheit der Menschen im Geschäftsleben, die nicht vorhanden ist. Die Zurück-führung der Marktvorgänge auf eine Summe von subjektiven Wertschätzungen läßt imDunkel, welcher Art sie seien, wie sie die Kauf- und Verkaufslust beeinflussen. Ichmöchte sagen, das Wesentliche sei die Geschäftsdringlichkeit (wie ich es bei der Lehrevon der Konkurrenz nannte) und die wirtschaftlichen Machtverhältnisse der Käufer- undVerkäufergruppen bez. der einzelnen in ihnen. Je nach Marktkenntnis und Markt-geschicklichkeit, je nach Einkommen und Vermögen, je nach Einfluß und Macht über-haupt ist, wie in allem wirtschaftlichen Leben, so vor allem auch auf dem Markte,häufig, ja vielleicht meist, die eine Seite die starke, die andere die schwache, die eineist aktiv, hat die Führung und Initiative, die andere ist Passiv, läßt sich viel, wennnicht alles gefallen. Hiervon ist ein großer Teil aller Wert- und Preisbildung be-einflußt, wie wir schon in anderem Zusammenhange sahen. Das Ideal des Markteswäre, daß stets gleiche Kräste in gleicher Zahl mit gleicher Anständigkeit, Ehrlichkeit,Marktkenntnis und Macht einander gegenüberständen; dann wären die Wertveräuderungenso, wie sie die ältere Theorie in der Regel darstellte: alle Preisbildung wäre billigund gerecht, alle Wertänderung hätte heilsame Folgen. Die Machtungleichheit wiedie Ungleichheit an Erwerbstrieb, Schlauheit und Ehrlichkeit verändert einen sehr er-heblichen Teil dieses Idealbildes; sie bewirken, daß häufig Wert- und Preisbildungenersolgen, mit denen die eine Seite unzufrieden sein muß. Die Machtunglcichheit, ihrthatsächlicher und möglicher Einfluß auf die Wertbildung erzeugt immer wieder dieVerbindungen der Käuser und Verkäufer; sie nötigt Gesellschaft und Staat zu Markt-ordnungen und Konkurrenzregulierungen und zu anderen Eingriffen. Wir werden sagenkönnen, daß die richtige Erkenntnis dieser gesamten Einflüsse der sogenannten klassischenVolkswirtschaftslehre schlte, und daß das Verständnis für sie uns heute nicht bloß inder Wertlehre und in allen socialen, sondern noch in sehr vielen anderen wirtschaft-lichen Fragen zu veränderten Ergebnissen gegen früher bringe. In den handelspolitischenBeziehungen z, B. handelt es sich auch vielfach um wirtschaftliche Machtungleichheitenund ihre Folgen.

3. Unser Ergebnis können wir kurz so zusammenfassen. Nicht Angebot undNachfrage als Waren- und Geld- oder Kreditgrößcn, sondern als Summierungen vonpsychischen Kräften beeinflussen den Wert. Sie wirken stets nur als Druck und Gegen-druck auf den überlieferten Wert, der zunächst die Neigung hat, sich zu behaupten.Bei der Summierung dieser Kräfte sind manche scheinbar zugehörige Elemente ohnejede Wirkung. Von einem einfachen berechenbaren Ergebnis, auch der zur Wirkungkommenden Größen kann nicht die Rede sein. Die realen Änderungen der Waren-mengen (Angebot) und der Geldmengen (Nachsrage) werden allerdings die Werte, wenndie dahinter stehenden psychischen und Machtverhältnisse dieselben oder ganz ähnlichebleiben, in der Regel entsprechend heben oder Herabdrücken. Aber es bleibt stets fraglich,ob diese Voraussetzung zutrifft. Thut sie es nicht, ändern sich die Psychischen Voraus-setzungen, die gesellschaftlichen Einrichtungen,, und die Machtverhältnisse, so kann diegleiche Mengenveränderung sehr verschiedene Änderung der Werte zur Folge haben.

Kleine Änderungen von Angebot und Nachsrage haben oftmals gar keine Wirkungauf den Wert, obwohl sie je nach den Menschen und Verhältnissen nicht ausgeschlossenist. Mittlere Änderungen werden sich bei Wiederholung häufig in gleicher Weisegeltend machen. Doch trifft dieses nicht immer zu, und noch weniger wird aus derGröße der Mengen- aus die entgegengesetzte Größe der Wertänderung zn schließen sein.Ein Deficit des Angebots von 5 Prozent kann den Wert um 2, um 5, um 10 oder2V Prozent heben. Häufig geben die Größenverhältnisse von Angebot und Nachfragenur gewisse Maximalgrenzen des Steigens und Fallens; ob die Schwankung des Wertes

Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre. II. I.k. Aufl. 8