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Methoden, die Nachfrage zu untersuchen.
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fumtionslehre als Grundlage dcr Nachfrage aufzustellen. Er hat eine Anzahl That-fachen der Kulturgeschichte, der Psychologie, dcr gewöhnlichen Lebenserfahrung unter einSchema von Gesetzen gebracht (das Gesetz der Notdurft, der Mannigfaltigkeit, der Über-einstimmung u. s. w.) und glaubt so die Bedürfnisse und die Nachfrage einheitlich erklärtzu haben.
Ich will nicht sagen, daß dieser und ähnliche Versuche unberechtigt, noch weniger,daß sie ganz wertlos seien; aber sie genügen doch nicht, das große Problem einerwissenschaftlichen Analyse und Kausalerklärung der Nachfrage zu lösen. Es ist vielleichtüberhaupt heute noch nicht lösbar. Man müßte dazu die Art der wirtschaftlichenKonsumtion bei allen Völkern und Klassen und zu allen Zeiten einheitlich überblicken,man müßte alle physiologischen und psychischen Ursachen kennen, die ganze Geschichteder menschlichen Gefühlsentwickelung, der Sitten, der Kultur und des Luxus beherrschen.Man müßte klar legen können, wie die Bedürfnisse und die Nachfrage sich entwickelthaben, warum bestimmte Bedürfnisse teilweise stabil bleiben, andere sich ändern undzunehmen. Die Vorarbeiten hierfür fehlen noch vielfach. Ich vermesse mich auch nicht,alle vorhandenen hier zusammenfassen zu können. Ich muß mich nach meinen Studienund dem hier verfügbaren Raum darauf beschränken, 1. ein Bild der historischen,nationalen, konkreten Nachfrage in ihren großen Zügen und Veränderungen, 2. eineAnalyse der Nachfrage auf Grund der Einkommensstatistik und Haushaltungsbudgetsder neueren Zeit und 3. einen Überblick über die kleineren Schwankungen der Nachfragezu geben. Zunächst schicke ich noch zwei kurze Vorbemerkungen über den Größenbegriffder Nachfrage und die nachfragenden Personen voraus. —
Das, was ein Volk an einer bestimmten Ware, z. B. Getreide, braucht undbegehrt, stellt sich uns als eine doppelte Größe dar, 1. als Gesamtheit des verlangtenund verzehrten Getreides und 2. als die auf den Markt kommende Größe; die letztereist um so viel kleiner, als noch Eigenwirtschaften vorhanden sind, die Getreide produ-zieren und dasselbe oder einen Teil davon konsumieren, ohne daß es auf den Marktkommt. Noch heute, so wird vor nicht langer Zeit versichert, verzehre in Frankreich die Hälfte der Bevölkerung selbstgebackenes Brot; im Durchschnitt von ganz Europa wird Wohl heute noch ein Drittel bis zur Hälfte, im Nordwcsten Europas wohl zehnbis zwanzig Prozent aller landwirtschaftlichen Produkte in der eigenen Wirtschaft derFamilie produziert und konsumiert. Es ist das für den Marktwert von erheblicherBedeutung, fofern im ganzen bei einem solchen Zustande der Volkswirtschaft nur dieÜberschüsse der Produzenten über ihren Hausbedarf auf den Markt kommen, nur einTeil der Konsumenten auf ihm als Nachfragende erscheinen, die Wertfchwingungen sichpraktisch nur in einem engeren Kreis vollziehen. Immer darf man aber nicht ver-gessen, daß bei ausgebildeter Geldwirtschaft auch die in der Eigenwirtschaft geschaffenenund verzehrten Güter in gewissem Sinne der Marktwertbetrachtung unterworfen werden,daß je nach dem Marktwert davon doch auch ein Teil verkauft wird, daß so dieseGüter einen Reservefonds für alle darstellen. Jedenfalls aber sind wir für viele Be-trachtungen und Schätzungen darauf angewiesen, auf den Gesamtbegehr zurückzugreifen,statt auf die bloße Marktnachfrage, weil wir ersteren eher fassen können.
Dann haben wir an das oben (Z 157) über den Zwischenhandel Gesagte zuerinnern. Die Nachfrage erster Hand ist heute nur noch teilweise eine direkte, d. h. einesolche der Konsumenten bei den Produzenten. Für ihren größeren Teil ist sie einemehrfach gegliederte, in die Zwischenhände von Unternehmern und Händlern gelegte.Wir sahen schon, daß das bei richtiger Organisation dieser Zwischenglieder ein Fort-schritt ist, sofern diese als arbeitsteilige Specialisten die künftige Nachfrage besser über-sehen als die Konsumenten selbst. Wir sahen aber auch, daß bei ungesunder Organi-sation der Zwischenglieder Mißbräuche, Monopole, Ausbeutungen entstehen können,daß der Gewinnstandpunkt dieser Zwischenhände nicht immer die beste Versorgung dcrKonsumenten herbeiführt. Wir können hinzufügen, daß die Nachfrage der Händlernatürlich stets neben der Hauptursache, nämlich der Schätzung der Nachfrage der Kon-sumenten, von einer Menge kleiner Nebenursachen beeinflußt ist, so von den augen-
Schmoller, Grundriß der Voltswirtschastslehre, II- 1^6- Aufl. 9