Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Nachfrage nach Fleisch, Salz, Gewürzen u> s. w.

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und wo der durchschnittliche Getreide- und Brotvcrbrauch wegen sitzender Lebensweise,geringerer Thätigkeit der Gedärme abgenommen hat. Daß der ländliche erwachseneArbeiter jährlich 60100 Kilogramm mehr Brot als der städtische esse, wird allgemeinangenommen und als zuträglich erachtet.

Wir sehen, daß so die Kulturvölker trotz erheblicher Schwankungen und Ver-schiebungen zwischen den paar Hauptnährmittcln im ganzen seit 6000 Jahren eineähnliche Getreide-, Fleisch-, Milch- und Gemüsekost haben. Was sich im wesentlichengeändert hat, ist die Zubereitung, die Heranziehung seinerer Nahrungs- und Gcnuß-mittel und die Ausbildung und Verbreitung der Gerränke. Es kommt eben nicht bloßauf die Quantität Eiweiß und Kohlehydrate, sondern ebenso aus Schmackhaftigkeitund Wechsel der Nahrung an; der Kulturmensch kann nur mit Appetit essen, wenndas hinzukommt; alle Reiz- und Genußmittel werden so nach und nach zu notwendigenNahrungsmitteln.

Nur die rohesten Stämme lebten und leben ohne Salz, ohne das in unbegrenzterMenge aus der Erde vorkommende, aber sehr ungleich verteilte, schwer zugängliche oderschwer in genießbarer Form herzustellende Chlornatriumkrystall, dessen Genuß Ver-dauung, Eßlust und Speichel- und Zellenbildung befördert, ohne das nach Plinius kein menschliches Leben möglich ist. Es ist noch heute teilweise in Afrika so selten,daß man vom Reichen sagt, er nehme Salz zu seinem Essen, daß man Wohl für eineHandvoll Salz ein oder zwei Sklaven giebt. Und doch war die Salzlieferung schonbei den Römern so wichtig, daß bei der Vertreibung der Könige die zu teures Salzliefernden Privatfalinen verstaatlicht wurden, um dem Volk billigeres Salz zu geben,und daß von der Salzliefernng für Beamte und Soldaten aller Lohn den Namen desSalzgeldes ss-larium erhielt. In den eigentlichen Kulturstaaten ist heute und seit langeder Begehr nach Speisesalz ein in gewissen festen Grenzen von 815 Pfund pro Kopfsich bewegender, wo nicht enorme Steuern ihn verteuern; in England nahm er 1325nach Aufhebung der Salzsteucr erheblich zu. In Deutschland ist er heute 78 Kilo-gramm, und schon im 13. Jahrhundert wurden bei dem preußischen Salzregal alleüber 9 Jahre alten Personen gezwungen, 14 Pfund oder 7 Kilogramm Salz (ohnedas Viehsalz) im Gesamtpreis von 510 damaligen Groschen zu kausen. Bourdeaubehauptet, der Verbrauch sei heute in Frankreich 8, in England 22 Kilogramm undsührt Stimmen an, die daraus die Verschiedenheit in der Muskelstärke zurückführenWollen. Ich zweifle, ob die englische Zahl richtig sei, ob sie nicht den technischen Salz-verbrauch einschließe.

Die indischen Gewürze, Pfeffer, Nelken, Muskatnüsse, Ingwer lernte das Abendlanderst seit den Kriegszügen Alexanders kennen. Nach Plinius wog man Pfeffer noch mitGold auf; erst seit dem 16. Jahrhundert sanken die Preise nach und nach so, daß dieseGewürze, die uns jetzt sür jede Ernährung nötig erscheinen, immer weiteren Kreisenzugänglich wurden. Und ähnlich ging es mit dem Zucker; er ist im Altertum undMittelalter sast nur in der Form des Honigs bekannt; den Arabern dankte man denAnbau des Zuckerrohrs in Südeuropa und Westindien ; erst die Herstellung aus denZuckerrüben im 19. Jahrhundert hat ihn billig gemacht, so daß jetzt im englischenArmenhaus Zucker gereicht wird, während im Mittelalter ein Töpfchen Honig oder einigePfund Zucker ein Geschenk der Könige unter einander war, und man bis 1600 denZucker lotweise als teures Medikament beim Apotheker kaufte. Noch heute ist der Jahres-konsum ein sehr verschiedener pro Kopf: in Italien 3, in Rußland 34, in Österreich-Ungarn 6, in Deutschland 912, in Frankreich 1112, in der Schweiz 16, in denVereinigten Staaten 2529, in Großbritannien 3533, in Australien 50 Kilogramm;er war in Deutschland 1840 2,4, 1860/64 4,7 Kilogramm gewesen. Die, welche unsererZuckerindustrie größern Absatz wünschen, bemerken mit Vorliebe, daß, wenn alle WeltZucker äße wie die Westeuropäer, statt 5 6 mindestens 5060 Milliarden Kilo Zuckernötig wären. Die Ausdehnung wäre sehr erwünscht, da er ein sehr gutes Nährmittelist, in konzentriertester Form die nötigen Kohlehydrate giebt, für alle die doppeltangezeigt ist, deren Magen und Darm große Brot- und Kartoffelmeugen nicht recht aus-