Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Der Wandel in der Ernährung. Nachfrage nach anderen Gütern.

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mit der verbesserten Technik, mit dem ausgebildeten Welthandel eine erhebliche Steigerungder Nachfrage nicht bloß nach den Gennßmitteln und den feineren, sondern auch nachden Hauptnahrungsmitteln eintreten. Nachdem man heute die großen Gefahren einerUnterernährung breiter Volksschichten auch von, physiologischen Standpunkt aus ein-gesehen hat, muß alles Streben auf diefe Besserung gerichtet sein. Sie verlangt1. richtigere Einsicht, rationellere Behandlung der Nährstoffe, sittliche Selbstbeherrschungin den Gcnußmitteln, hauptsächlich im Branntwein, 2. die Fortschritte der Produktionund des Handels, die das Notwendige liefern, und I. hauptsächlich die Einkommens-gestaltung, die den unteren Klassen ermöglicht, die bessere Ernährung zu bezahlen.

Wir kommen damit auf den Zusammenhang des Einkommens und der Ein-kommensgestaltung mit der Nachfrage überhaupt, fügen uur vorher ein paar summarischeWorte über die Nachfrage nach andern Gütern hinzu.

Sie ist aus primitiver Kulturstufe eine fehr beschränkte: einige Gewandstücke undTierfelle, eine rohe Höhle, einige Werkzeuge und Waffen genügen den Menschen. Jehöher die Kultur steigt, desto umfangreicher wird diefe Nachfrage: feste geschützteWohnungen, eine Mehrheit von Räumen, ausgestattet mit einem mannigfaltigenMobiliar, zuletzt mit Komfort und Luxus aller Art, werden begehrt. Die Bekleidungwird immer mannigfaltiger. Der Verbrauch von Baumwolle ist in Deutschland proKopf 18361898 von 0,34 auf 6,30 Kilogramm gestiegen; in England war er 1860wie 1896 fast 20 Kilogramm; der deutsche Wollverbrauch nahm 187195 von 1,8aus 3,3 Kilogramm zu, der englische von 4,3 auf 6,7 Kilogramm; der deutsche Seiden-verbrauch von 186195 von 0,03 auf 0,07 Kilogramm (-i- 133 Prozent). Wie diegeistigen Bedürfnisse steigen, läßt sich aus dem zunehmenden Papierverbrauch ermessen;er stieg in Deutschland 1840 1895 um 1650 Prozent, ist jetzt 5 Kilogramm jährlichpro Kopf, in England 6, in den Vereinigten Staaten 8. Wir dürfen, wenn wir diesteigende Nachfrage auf diesen Gebieten immer wieder mit so stolzer Fortschrittsfreudebetonen, nicht vergessen, daß sie zwar sicher höhere Kultur und größcrn Wohlstandbedeuten, aber wie wir gleich sehen werden, nur mäßige Prozente des Einkommensumfassen, also sür die Gesamtwirtschaft nicht so sehr viel bedeuten.

Und wenn wir vollends uns rühmen, daß wir in Deutschland 1834 5, 1897134 Kilogramm Eisen pro Kopf der Bevölkerung verbrauchten, so beweist das gewiß,daß wir enorme technische Fortschritte gemacht, daß wir unendlich bessere und mehrMaschinen und Eisenbauten haben, aber nicht, daß wir um 5 : 134 2680 Prozentwohlhabender geworden seien. Wir mußten uns, um bei der unendlich vermehrtenBevölkerung uns ebenso gut und etwas besser zu nähren, zu kleiden, zu behausen, unszu verteidigen und uns und alle Güter rascher zu bewegen, einen so vermehrten und soteuren Wirtschastsapparat aus Eisen und andern Materialien zulegen. Wir sreuen uns,daß wir ihn haben und im ganzen wohl richtig gebrauchen. Aber wir müssen hierÄhnliches sagen, wie oben (I Z 8586 S. 225) bei der Beurteilung unserer modernenTechnik: der große Apparat an sich macht das Leben komplizierter, schwieriger, kämpfe-reicher, das äußere und innere Glück ist damit an sich so wenig gegeben wie diebessere Ernährung und Wohnung, wofür wir den größern Teil alles Einkommens aus-geben Sie kann vorhanden sein und ist wohl in gewissem Maß vorhanden, abernicht in dem Verhältnisse, wie der Produktionsapparat gewachsen ist.

177. Die Analyse der Nachfrage: ihr neueres Gesamtbild, beleuchtetdurch die Einkommensstatistik und die Haushaltungsbudgets. DieNachfrage der einzelnen und der Völker wird in ihrer Höhe bestimmt durch das Ein-kommen; mehr als dieses beträgt, wird für Genußgüter nicht leicht begehrt, sehr vielweniger meist auch nicht; denn was vom Einkommen zurückgelegt wird, übt auch, alsKapital, für feste Anlagen, für kriegerische Zwecke u, s. w., eine Nachfrage aus. Inder Höhe des Einkommens haben wir einen Gradmesser der Gesamtnachfrage; die Ver-teilung des Einkommens in der Nation nach den socialen Klassen beeinflußt die Stärkeder Nachfrage nach den notwendigen und den überflüssigen Gütern.

Wir werden vom Einkommen und seiner Verteilung, seinem Wesen und seinen