138 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlauses u. der Einkommensverteilung. ^596
Ursachen unten eingehender reden. Hier nehmen wir nur einige Bemerkungen undZahlen über seine Höhe und Verteilung vorweg. Neben der Statistik des Einkommenssind die Haushaltungsbudgets für uns wichtig. In dem Budget jeder einzelnen Haus-haltung, wie es sich aus die wichtigsten wirtschaftlichen Zwecke verteilt, haben wir einensichern Anhalt über ihre Dringlichkeit, ihre Rangordnung und so über die Verteilungaller Mittel, mit welchen begehrt werden kann, auf die entsprechenden Zwecke undProduktionszweige. Die genaueren Erhebungen von Haushaltungsbudgets begannen inden 1840 er und 1850 er Jahren durch Le Play , DucMiaux und andere. Es ist seitherdaraus fast ein selbständiger Zweig der Statistik und praktischen wirtschaftlichen Volks-kunde geworden, dessen fortschreitend verbesserte Resultate wie sür vieles andere so auchfür die konkrete Lehre von der Nachfrage von großer Bedeutung sind. Wir haben dieTechnik dieser Erhebungen hier nicht darzustellen, aber von den wichtigsten ResultatenGebrauch zu machen.
Die Erhebungen über die Größe und Verteilung des Nationaleinkommens habenseit über 200 Jahren begonnen. Zu ganz sicheren Resultaten konnte man nie kommen;man mußte stets teilweise auf angreifbare Schätzungen und Schlüsse sich verlassen.Man besitzt teilweise nur das Einkommen der im engern Sinne wirtschaftlich erzeugendenPersonen oder Familien, teilweise das aller erwerbenden physischen und moralischen Per-sonen, vielfach nur das der besteuerten. Daraus hat man Gesamtzahlen für die Nationund ihre Teile abgeleitet. Man hat neben dieser Methode persönlicher Summierungeine sogenannte reale angewandt, welche die Hauptgruppen der verzehrten Güterarten(Lebensmittel, Feuerung, Wohngenuß u, s. w.) zusammenzählt, um so das nationaleEinkommen zu erhalten. Ich kann auf die Einzelheiten dieser Methoden hier nichteingehen; es würde auch zu weit führen, hier zu schildern, wie jede der einzelnenfolgenden Zahlen gewonnen ist. Ich betone nur, daß ich den ersten Autoritäten wieGissen, Dupin, Foville, Soetbeer, Rümelin, Kollmann u. f. w. folge, und daß ich immereher zu niedrige als zu hohe Summen angebe. Soweit der Geldwert oder auch derWarenwert in den verschiedenen Zeiten und Ländern wesentlich verschieden ist, gebendie in heutigem deutschen Gelde ausgedrückten Zahlen keine direkt vergleichbaren Größen.Aber wenn man die Zahlen nach dem verschiedenen Geld- und Warenwert korrigierenwollte, so käme man in ein Meer von Willkürlichkeiten. Man muß also sich bei denfolgenden Zahlen erinnern, daß man in Preußen 1740 mit 100 Mark vielleicht so vielkaufte wie 1846 mit 130, wie 1899 mit 200, daß alle Steigerungen des Einkommenshiernach in viel geringerer Proportion erfolgt sind. Auch wenn heute in Deutschland das Einkommen Pro Kopf 350—500, das in den Vereinigten Staaten auf über 1000 Mk.geschätzt wird, so bedeutet das letztere vielleicht 40—60, nicht über 100 Prozent mehrKaufkraft für Güter und Arbeit. Die neuesten Mulhallschen Zahlen, die ich nochbeifüge, halte ich im ganzen eher sür zu hoch; die preußischen, die ich teils Soetbeerentnehme, teils nach seiner Methode berechne, halte ich sür zu niedrig, möchte sie abernicht korrigieren.
(Siehe Übersicht S. 139.)
Ich süge noch bei, daß Mulhall für ganz Deutschland berechnet: 1840 7858Mill. Mark (241 pro Kopf), 1869 15 069 (372 pro Kopf), 1894 25 937 (505 proKopf); für Großbritannien 1895 29 172 Mill. Mark (738 pro Kopf), für Frankreich 24 580 (640 pro Kopf), für Rußland 20 538 (195 pro Kopf).
Viel schwieriger noch als die Berechnung und Schätzung des Nationaleinkommensist es, einen sichern zahlenmäßigen Ausdruck für seine Verteilung unter die Individuen,Familien und Klassen zu finden. Nur die ganz verschieden angelegten Einkommens -steuern bieten dafür einen einigermaßen brauchbaren Anhalt. Sie erfassen aber meistnur einen Teil der Bevölkerung; auch von den Eingeschätzten ist meist nicht das ganze,sondern nur ein Teil ihres Einkommens wirklich erfaßt; die Steuereinkommen werdenbei ganzen Klassen 10—50 Prozent hinter dem wirklichen zurückbleiben; endlich stehenin den Steuerlisten — auch abgesehen von moralischen Personen — unvergleichbare