Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Nachfrage und die Haushaltsbudgets,

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habenden, also aus mehr als das achtzehnsache, während die Nahrungsausgabedieser zwei Budgets sich nur wie 1 : 5 stellt. Denkt man vollends an die mehrfachenWohnungen und Schlösser der Millionäre, so sieht man, wie in diesen Bedürfnissen dieAusgaben lawinenartig ansteigen können.

Immer ist der Unterschied nicht so groß wie bei den Ausgaben sür alle übrigenhöheren Zwecke; sie steigen von 11 auf 69°/o in der Cheyssonschen, von 10 auf 47°/oin der Hampkeschen Tabelle; die absolute Verschiedenheit in letzterer ist 107 und 3105 Markzwischen dein Armen und dem Wohlhabenden, also 1 : 30. In der Mulhallschen Tabellegibt die ärmste Nation pro Kops 120, die reichste 420 Mark sür alles übrige außerder Nahrung aus. Aus diesem Gebiete liegen eben die Hauptausgaben und der großeBegehr der Reichen: ihre Reisen, ihre Geselligkeit, ihre Feste, ihre Kunstgenüsse und-cinkäufe, ihre Pferdeställe und ihr Sport, auch die Erziehungskosten, die Bedienung,die konsultierten Ärzte steigern ihre Ausgaben in die Tausende und Hunderttausende,ohne daß sie viel mehr essen, viel mehr Kleider tragen könnten als die in mittlererLebenslage Befindlichen.

Mag dieser Überblick über den Stand unserer empirischen Kenntnis des wirt-schaftlichen Begehrs und der Nachsrage auch noch recht unvollkommen sein, er zeigt unsdoch die allgemeinen Ursachen derselben, ihre Grenzen und Entwickelungstcndenzen.Er klärt uns doch wohl besser über die Nachfrage auf, als wenn wir mit Böhm-Bawerksagen:Kleider werden immer in größerer Menge begehrt als Sanskritgrammatiken,Brot und Fleisch, die man täglich bedars, in größerer Menge als Federmesser, die einpaar Jahre dauern."

Wir sehen, daß ein erheblicher Teil der Nachfrage bei den Kulturvölkern seit sehrlanger Zeit stabil ist, nur zeitweise durch mangelnden Wohlstand, zu hohen Preis derGüter, der Mieten ic. zurückgeht; wir benierken daneben eine mit dem Wohlstand,der verbesserten technischen Produktion, dem zunehmenden Handel wachsende Nachsrage;sie liegt in der Verfeinerung der Ernährung, in allen übrigen höheren Gebieten derBedürfnisse.

Die langsamen Änderungen, seien es Verbesserungen oder Verschlechterungen, fixierensich in Sitte und Gewohnheit; alle Nervenreize, alles Gefühlsleben, passen sich einemgewissen Stand der technisch-wirtschaftlichen Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung an;es entsteht so die feststehende Lebenshaltung; sie ist um so fester, je höher der Menschsteht, je reicher er ist; fester auf den Gebieten der notwendigen Konsumtion alsauf dem der anderen hohen Bedürfnisse, die leichter und öfter einer Änderung unter-liegen.

Neben der im ganzen vorhandenen Einheit der nationalen Konsumtionsgewohn-heiten steht die klassenmäßige und individuelle Verschiedenheit; letztere wird aber, jehöher Kultur und Wohlstand steht, als eine harte empsunden. Die Nachahmung, diegegenseitige Berührung sucht immer, sie bis aus einen gewissen Grad zu überwinden-Die Einkommensverschiedenhcit setzt aber diesem Dränge unübersteigbare Grenzen.

178. DieAnalyse derNachsrage: ihre Schwankungen im einzelnen.Haben wir in der bisherigen Untersuchung angenommen, die Nachfrage sei eine imgroßen und ganzen konstante, durch die Macht der Gewohnheit fixierte, nur langsamsich mit der Änderung der wirtschaftlichen Lebensbedingungen, der ganzen Kultur undSitte sich ändernde, so schließt die Wahrheit dieser Annahme es doch nicht aus, daßsie fortwährend von Tag zu Tag, von Monat zu Monat kleinen Schwankungen unter-worfen sei. Dieselben zeigen sich ebenso bei stabilen wie bei sich ändernden Zuständen.Der Kaffeekonsum stieg in den Vereinigten Staaten pro Kops 18711895 von 6- 7auf 8Pfund, aber mit jährlichen Schwankungen von ^21 Pfund; der Durch-schnittsverbrauch an Roggen war in den preußischen Städten 18381861 ziemlichkonstant 226230 Pfund, aber er sank doch in einem Jahre auf 181, stieg in anderenaus 260264.

Die Ursachen dieser wechselnden Nachsrage sind nun ziemlich verschieden. Teil-weise handelt es sich mehr um einen Wechsel der begehrten Waren bei ähnlicher Wirt-