Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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144 Drittes Buch. Der geselljchaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^gt)2

schaftlicher Lage, bei. gleichem Einkommen; wichtiger sind die Änderungen, welche ausverschiedener ökonomischer oder sonstiger Lage entspringen.

Sosern die Launen der Mode wechseln, bald mehr Seiden-, bald mehr Wollstoffebegehrt werden, bald dieses bald jenes Getränke, bald diese oder jene Art der Ver-gnügungen,.vorgezogen wird, bedeutet das nicht einen Wechsel in den Ausgaben, ostnicht eine Änderung in den einzelnen Posten des Ausgabebudgets, sondern nur eineVerschiebnng in der Wahl der Mittel, eine Änderung der Formen, der Stoffe, dieman begehrt. Freilich ist auch das volkswirtschaftlich nicht unwichtig, sofern zahlreicheUnternehmungen ihren Absatz verlieren, sofern häufiger Modenwechsel alle Produktiondurch oftmalige Änderung im Produktionsapparat verteuert. Wichtiger aber sind dieÄnderungen der Nachfrage, die durch Abweichungen der Lage der einzelnen und derNation vom gewöhnlichen Stande der Dinge bedingt werden. Der Übergang vonFrieden zu Krieg verändert wie die Rückkehr zum Frieden die nationale Nachfrage vonGrund aus. Schon drohende Kriege oder befürchtete Revolutionen schränken die gewöhn-liche Nachsrage ein; jeder spart, unterläßt überflüssige Ausgaben und Reisen. BeimFriedensschluß hört die Nachsrage nach Waffen, Pulver, Pserden, hören alle die großenArmeelieserungen auf. Die englischen Staatsausgaben hatten 1792 20, 1813 10618201840 wieder 4455 Mill. F betragen, während Lord Liverpool das ganze Volks-einkommen 1822 auf 250 Mill. M schätzte (etwas höher als unsere oben S. 139 angegebeneSumme). Es ist klar, welche Umwälzung in aller Nachfrage das bedeutete. Vollendseinzelne Vorkommnisse während des Krieges, z. B. Belagerungen, lassen manche Nach-srage ganz aushören, steigern andere ungemein. In dem belagerten Paris stieg 1870/71ein Endivienkopf von Cent, auf 1,25 Fr.; ein Schinken von 18 auf 120 Fr., eineGans von 5 auf 85 Fr.; ein Ei kostete 1 Fr., ein Pfund Butter 3540 Fr. Hierwie überall bei augenblicklicher großer Gefahr und beschränktem Angebot begehrt manwesentlich nur das Allernotwendigste, bezahlt es nicht nach seinen Herstellungskosten;die kommen nicht in Betracht, weil zu neuer Herstellung keine Möglichkeit vor-liegt, sondern nach der momentanen Nützlichkeit; der Grenznutzen, der bisher sehr tiefstand, steigt enörm. Ähnlich werden bestimmte Arzneimittel in den Tagen einer-Epidemie ganz anders als sonst begehrt. Röscher erzählt von einem Fall, da in Paris die Blutegel 600 °/a teurer wurden; Shakespeare läßt seinen Richard II. , da er fliehenwill, sür ein Pserd sein ganzes Königreich bieten. Der Hauptfall schwankender wirt-schaftlicher Lage, der in der Volkswirtschaft die Nachfrage zeitweise beeinflußt, ist derWechsel guter und schlechter Jahre. Wir werden bei der Lehre von den wirtschaftlichenKrisen die Ursachen derselben zu besprechen haben. Früher waren es hauptsächlich guteund schlechte Ernten, heute sind es mehr die guten und die schlechten Konjunkturen,welche von Jahr zu Jahr das Einkommen der meisten Familien und der öffentlichenOrgane etwas größer und wieder etwas kleiner machen, oft noch mehr es als größerund kleiner erscheinen lassen, jedenfalls zeitweise Einschränkung und Sparsamkeit, zeit-weise flottes Ausgeben und Genießen erzeugen.

Dabei Pflegen freilich die einzelnen und die öffentlichen Korporationen, je reichersie sind, desto mehr auch in den schlechten Jahren an einem gewissen Normalverbrauchdes Notwendigen festzuhalten; aber um so erheblicher schwanken die Ausgaben sürdie Zwecke, welche leichter einer Einschränkung und Ausdehnung fähig sind, und siewerden dies deshalb um so mehr thun, weil die Kosten sür die nötigsten Dinge, z. B.Ernährung, meist in den Jahren der Einschränkung, z. B. nach einer Mißernte, nocherheblich gestiegen sein können. Wenn z. B. das sächsische Steuereinkommen 1880 982,1884 1140, 1888 1337. 1892 1584 Mill. Mark war, und die notwendigen Ernährungs-kosten entsprechend der Bevölkerungszunahme von erst 600 auf 720 Mill. stiegen, soblieben 1880 für andere Zwecke 382, 1892 864 Mill. übrig, und diese Posten könnennoch stärker geschwankt haben, wenn die Kosten für dieselbe Ernährung wegen Preis-veränderungen zwischen 500 und 800 Mark schwankten, was wohl denkbar wäre.Natürlich wird in den guten Jahren mehr gespart, in den schlechten weniger oder gar