Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Der Zusammenhang zwischen Preishöhe und Umfang der Nachfrage.

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nicht. Aber auch das wirkt indirekt auf die Nachfrage, vor alle»: auf die nach Arbeits-kräften, zurück.

Hiermit hängt nun eine viel erörterte Erscheinung zusammen, die man häufig soformuliert hat, daß die Größe des Angebots oder ihre Folge, der hohe oder niederePreis, die Nachfrage selbst zu beeinflussen vermöge; daß der steigende Preis die Nach-frage einschränke, der sinkende sie hebe- In der Schulsprache der Grenznuhentheoretikerwürde man sagen: großes Angebot läßt den Grenznutzen bis zum Unnötigen sinken,kleines hebt ihn, d. h. macht ihn vom dringlichsten Bedürfnis abhängig. Dieser Satzist in solcher Allgemeinheit nun nicht wahr; für alle ganz notwendigen Güter bleibtbei einem halbwegs wohlhabenden Volke der Konsum doch in guten und schlechtenJahren ein ähnlicher: z. B. Brot, Salz, die einfachsten Kleidungsstücke schwanken beiuns in ihrem Verbrauch sehr wenig; das billigste Brot macht nicht, daß noch mal soviel, das teure nicht, daß nur die Hälfte verzehrt werde. Freilich ist auch hier dieStabilität von der Wohlhabenheit bedingt. In Paris ist seit lange der Brotkonsumfast unveränderlich, in Berlin hat der Getreidekonsum 13831892 immer noch zwischen130 und 170 Kilogramm pro Kopf jährlich geschwankt, wurde je nach den Jahren durchmehr oder weniger Kartoffel, Gemüse, Fische ergänzt. Der Fleischverbrauch schwankt jenach Preisen und Jahren überall etwas mehr als der Getreideverbrauch, noch vielmehr aber der Zucker-, Kaffee- und Getränkeverbrauch.

Wenn Gregory King schon vor zwei Jahrhunderten sagte, bei einem Ernteausfallvon 10°/o steige der Preis um 30, bei einem solchen von 20°/o um 80, bei einemvon 30 um 160°/», und Engel noch Mitte des 19. Jahrhunderts berechnete, daß nachden Marktpreisen in Preußen ein Sinken der Ernte um 1 °/o ein Steigen der Preiseum 2^/2 °/o, ein Steigen der Ernte um 1°/o ein Fallen der Preise um 1"/o erzeuge,so beruht das auf der relativ stabilen Nachfrage, auf der Thatsache , daß in Überschuß-jahren die Billigkeit nur sehr geringen Mehrkonsum, in Deficitjahren die Teuerung nurgeringe Verminderung der realen Nachfrage erzeugt; in teuren Jahren wächst bei denmeisten Menschen die Notwendigkeit, immer größere Mittel für die Ernährung zu ver-wenden. Die sekundäre Folge ist, daß der für andere Zwecke verfügbare Teil des Ein-kommens in entgegengesetztem Sinne schwankt, also bei billigen Brotpreisen der Ver-brauch von Kolonialwaren, Fleisch, besseren Kleiderstoffen wächst, bei teuren abnimmt.

Notwendige wirtschaftliche Güter haben deshalb, d. h. wegen der Stabilität derNachfrage schwankendere Preise, als überflüssige, deren Verbrauch sich leicht ausdehntund einschränkt. Bei diesen bewirkt leicht der steigende Preis eine Abnahme der Nach-frage, der sinkende eine Vermehrung der nachfragenden Personen und der Mittel, mitdenen sie begehren.

Daher der gewöhnliche vorhin schon erwähnte Satz: Preisverbilligung vermehrtdie Nachfrage, Verteurung schränkt sie ein. Er gilt nur für bestimmte Waren undLeistungen und nur in dem Umfang, wie körperliche Gewöhnung, Sitte, Wohlhabenheitund Lebensverhältnisse noch nicht zu einer Fixierung des Bedarfs geführt haben; er giltda, wo ein stärkeres Schwanken erträglich ist, wo für bestimmte Fälle eine starke Zu-nahme des Verbrauchs gleichsam in der natürlichen Lebensbahn der Betreffenden liegt.Auch für die Wirkung der indirekten Steuern und der Post- und Eisenbahntarife auf diePreise ist das wichtig. Wenn nian Briefe um den halben Preis befördert, so kann ihreZahl sehr zunehmen, falls bisher das teuere Porto ein Hindernis war; aber unterUmständen bleibt ihre Zahl dieselbe, und die Posteinnahmen sinken dann, weil nichtin billigem Porto, sondern in ganz anderen Ursachen für die Mehrzahl der Menschendas Motiv zum Briefschreiben liegt. Als in den Vereinigten Staaten das PfundZucker von 4,25 Cents auf 2,9 fiel, nahm der Konsum von etlichen 40 auf 52,6 Pfundzu; bei uns aber in Deutschland haben die tiefsten jeweiligen Zuckerpreise den Ver-brauch nicht so gesteigert wie anderwärts, Wohl doch, weil wir bisher weder so vielThee trinken noch Zuckerwaren essen mochten. Die Steigerung des englischen Thee-konsums ini großen folgte allerdings dem Sinken des Preises, wie es durch Herab-

Schmoller, Grundriß der Volkswirtschaftslehre, II. 1,-k. Aufl. ly