146 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^604
setzuug der Theezöllc herbeigeführt wurde, aber ging keineswegs ihm stets parallel.Noch weniger ist das allcrwärts in Bezug auf den Eisenverbrauch der Fall. Wohlwäre der Eisenverbrauch überall nicht fo bedeutend gestiegen, wenn das Eifen nicht imganzen billiger geworden wäre; aber in den einzelnen Jahren sehen wir gerade, wenndas Eisen am billigsten ist, die geringste, wenn es teuer ist, die stärkste Nachfrage,weil nicht der Stand der Eiscnprcise, sondern der der gesamten Konjunktur zum Bauvon Eisenbahnen und zur vermehrten Maschinenaufstellung sowie zum stärkeren Haus-,Brücken- und sonstigen Bau Anlaß giebt. Auch wenn wir den schwankenden Verbrauchan Wolle, Baumwolle und Seide und der aus ihnen gefertigten Waren vergleichenmit den Preisen, so sehen wir oft, daß ein Sinken der Preise infolge von Markt-überführung gar keine oder lange keine Konsumstcigeruug erzeugt; der englische Verbrauchvon Baumwolle ging 1873-1877 von 1308 auf 1186, der von Wolle 1874—1879von 362 auf 336 Mill. Pfund zurück infolge der schlechteren Konjunktur, aber dieniedrigen Preise genügten nicht, den Konsum zu beleben. Das Pfund Seide ging1877—1885 von 20 auf 12^4 Schilling herab; erst von da ab hob sich der Verbrauchwieder etwas, und es stiegen nun auch die Preise wieder auf 13—14 Schilling.
Das heißt, auch wo die Nachfrage in ihrem Umfang von der Größe des Angebotsund der Höhe der Preife beeinflußt wird, ist die Wirkung oft eine sehr langsame, undjedenfalls ist sie stets von anderen wichtigeren Ursachen mit abhängig.
179. Die Analyse des Angebots. Seine Bestandteile; der Umfangder Produktivkräfte, die es bestimmen; die alte Einteilung in dreiArten des Angebots. Von einer Größe des Angebotes können wir in der isoliertenEigenwirtschaft nicht eigentlich sprechen; die wirtschaftliche Familie hat gewisse Bedürfnisse,und diesen kann genügt werden nach dem Maß und der Fruchtbarkeit d>s Bodens, überden sie versügt, nach der Zahl und Ausbildung der Arbeitskräfte, nach dem ganzen Standeder Technik und der vorhandenen Werkzeuge und Vorräte. In der arbeitsteiligen Volks-wirtschaft tritt nun immer mehr an die Stelle dieser direkten Beziehung der Produktivkräftezu den Bedürfnissen, an die Stelle der familienhaften Ansammlung von Genußvorrätcnfür den Bedarf das Verhältnis des Angebotes zur Nachfrage, der produzierenden Kräftezu den konsumierenden Personen. Dieses Angebot ist nun aber von analogen Ursachenbedingt, wie die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung in der Familie; es ist abhängig1. von den ganzen Naturverhältnissen des Landes; 2. von der Zahl und Ausbildungder Arbeitskräfte, d. h. von der Bevölkerungsdichtigkeit und der körperlichen und geistigenSchulung, sowie der Technik und Organisation der Arbeitskräfte; 3. von dem Stand dervorhandenen Hülfsmittel, Kapitalien, Maschinen und Werkzeuge. Und wie dort dieFamilicnverfafsung die gute oder schlechte Bedürfnisbefriedigung beeinflußt, so wirkenin der Volkswirtschaft auf das Angebot die geschäfts- und handelsmäßige Organisationder Kräfte, die Unternehmungsformen, die Eigentumsverteilung, das Marktwesen und derVerkehr. Dazu kommt der Zusammenhang der einzelnen Volkswirtschaft mit der Welt-wirtschaft; durch ihn wird das Angebot gewisser Waren vermehrt oder erst geschaffen,das anderer für das Inland, in dem Maße wie Ausfuhr stattfindet, eingeschränkt.
Das Angebot ist in der älteren Zeit geringer Arbeitsteilung und geringenVerkehrs überwiegend ein lokales, später wird es in vielen Warenbranchen wenigstensein mehr provinziales, dann ein nationales, endlich ein einheitlich weltwirtschaftliches-Es geht in älterer Zeit mehr von Familieuwirtschaften aus, welche ihren Überschuß anLebensmitteln absetzen, ihre überflüssige Zeit in irgend einer Nebenarbeit nutzen wollen,in späterer Zeit »>ehr von Unternehmungen, die ausschließlich den Markt im Augehaben In einfachsten Verhältnissen stehen sich Produzent und Konsument noch direktgegenüber, später tritt mehr nnd mehr ein Zustand ein, wobei die Produkte eine Reihevon Zwischengliedern der technischen Produktion und des Handels durchlaufen, wobeiZwischenprodukte, Werkzeuge und fertige Waren längere Zeit im voraus hergestellt werden,in großen und kleinen Aorratsanhäufungen an verschiedenen Punkten sich anstauen.Die so entstandenen Vorräte spielen im heutigen Angebot eine große Rolle, obwohl