Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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156 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumläufe?' u. der Einkommensverteilung. sM4

Werden technisch vielleicht noch ganz dieselben sein, ihrem Geldpreis nach werden sie indem Maß sich reduzieren, wie die fixen Kapitalien entwertet, die Arbeitslöhne gedrückt sind.Arbeiter, deren Familie seit Generationen im selben Gewerbe waren, zu anderer Thätigkeitzu bringen, ist häufig ebenso schwierig wie das Herausziehen fixer Kapitalien. Weilsie zähe und mit Liebe an ihrer Thätigkeit, z. B. der Handspinnerei, dem Handwcbstuhlhängen, lassen sie sich die größten Lohnreduktionen gefallen. Dadurch wird die Ein-schränkung des Angebots, das eventuelle Verschwinden des ganzen Gewerbszweigessehr verzögert. Zuletzt aber ist das Resultat doch dasselbe.

1. Der andere Hauptsall ist der, daß die Nachfrage und der Marktwert zunächstals unverändert angenommen werden, die Produktionskosten aber sich ändern. Setzenwir ihr Steigen voraus, so ist klar, daß bei dem alten Preis ein Verlust für dieProduzenten entsteht, den sie höchstens dann zu tragen bereit sein werden, wenn sieihn als etwas Vorübergehendes ansehen, oder wenn bisher der durchschnittliche Gewinnein besonders reichlicher war. Trifft beides nicht zu, so werden sie suchen, die Erhöhungder Produktionskosten mittelst gesteigerten Preises auf das konsumierende Publikumabzuwälzen. Handelt es sich um eine sehr notwendige Ware und um ein sehr kauf-fähiges Publikum, so wird es sich die Preiserhöhung gefallen lassen. Handelt es sichum Zwischenhändler und Produzenten selbst, die mehr zahlen sollen, so wird schon eherein Widerstand gegen den Zuschlag kommen. Und auch das übrige Publikum wird,wenn es sich um überflüssigere Waren handelt, leicht seine Nachfrage einschränken, wennhöhere Preise gefordert werden. Hierdurch entsteht Marktüberfüllung, Sinken des Preises,Verlust bei den Produzenten. Es werden wieder zuerst die Geschäfte ausfallen, dieunter den ungünstigsten Umständen arbeiten, die anderen können eher den Verlust tragen.Zuletzt vollzieht sich eine Einschränkung des Angebots bis zu dem Punkt, daß es demTeil der Nachfrage, der höhere Preise zahlen kann und will, gleichsteht. Nun deckensich die Produktionskosten und der Marktwert wieder. Unter Umständen ist der Ein-schränkungsprozeß mit einer neuen niedrigeren Wertung der fixen Kapitalien verknüpft,die in der Geschäftsbranche arbeiten.

Unterscheiden könnte man die verschiedenen Ursachen der erhöhten Produktions-kosten. Ist der Lohn gestiegen, so ist die Frage, ob er bei gleicher Leistung derArbeiter höher wurde, so daß eine wirkliche reale Verteuerung eintrat, oder ob nichtzugleich die technische Fähigkeit der Arbeiter an besseren Maschinen, mit seineren Lohn-zahlungsmethoden so wuchs, daß trotz des höheren Lohnes aus die Dauer die Geld-ausgaben für die Arbeit nicht oder nicht wesentlich höher wurden. Stieg der Zinsfuß,was in reichen Ländern mit blühender Volkswirtschaft meist nur vorübergehend geschieht,so wird natürlich die Produktion, die fast stets irgendwie mit Kredit arbeitet, teurer.Nicht umsonst haben schon die Merkantilsten als Voraussetzung blühender Volkswirt-schaft niedrigen Zins verlangt. Nicht umsonst jammert die Geschäftswelt, wenn derDiskont erhöht wird. Handelt es sich endlich darum, daß gewisse Produktionsfaktorcn(Boden, Erzlager u. s. w.) nur in beschränktem Maß vorhanden sind, daß eine ver-mehrte Nachfrage für andere Zwecke ihren Wert in die Höhe treibt, dann tritt fürlängere Zeit ein Steigen aller der Waren ein, in welchen diese Beschränktheit desProdnktionsgutes eine ausschlaggebende Rolle spielt. Jahrhundertc lang ist aus dieserUrsache Fleisch, Brot, Holz, Wild und Ähnliches teurer geworden.

L) 2. Die Nachfrage und der Wert sollen zunächst dieselben bleiben, die Pro-duktionskosten aber sich vermindern. Die unmittelbare Folge ist ein größerer Gewinnder Produzenten, der gegenüber anderen Geschäftszweigen eine Tendenz aus Ausdehnungder Geschäfte und des Angebots erzeugt; diese führt, soweit dies nach den vor-handenen Produktionsmitteln möglich ist, zu stärkerer Konkurrenz und zu Versuchen,durch die jetzt möglichen Preisermäßigungen die Kundschaft anzuziehen. Doch ist esangezeigt, hier gleich zu scheiden zwischen den verschiedenen Ursachen der Kosten-verminderung. Sie kann bestehen in einem Herabgehen des Zinsfußes; ein solcheswird meist allen Geschäftszweigen eines Landes gleichmäßig zu gute kommen, die Pro-