158 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufcs u> der Einkommensverteilung. s^gKi
7,6 Mark, von Britisch-Jndien nach Hamburg damals 97, jetzt 42 Mark. Noch nie istin so kurzer Zeit eine solche Frachtverbilligung eingetreten. Sie mußte aus alle trans-portablen Waren, die bisher durch Beschränktheit des Bodens odcr der Naturschätzegegenüber der Bevölkerung teurer geworden waren, im Sinne einer starken Verbilligungwirken. Die relative Begrenztheit dieser Produktionsgütcr ist damit außerordentlichhinausgeschoben, ja zeitweise die Beschränktheit in Überfluß verwandelt worden. Undso sehr die Grundbesitzer und Landwirte darunter leiden, es ist daneben nicht zu ver-gessen, daß ohne die Lebensmittelverbilligung die gestiegene westeuropäische Bevölkerungin ihrer Masse heute in äußerst schwieriger, ja schlechter Lage wäre.
Fassen wir das Ergebnis kurz zusammen, so lautet es dahin: In vielen Momenten,wahrscheinlich in der Mehrzahl der Markttage und Fälle weicht der Marktwert vonden Produktionskosten ab, weil die ganze Volkswirlschast in steter Umbildung begriffenist, die Nachfrage sich jedenfalls mit der steigenden Bevölkerung, aber auch sonst mitder Zeit ändert, weil das Angebot stets von den Ernten, von manchen anderen Zufällenabhängt, von der fortschreitenden Technik, dem Welthandel, der Ausdehnung der Märktebeeinflußt wird. Aber stets erzeugt die so durch die verschiedensten Ursachen hervor-gerufene Abweichung des Marktwerts von den Kosten durch den Druck geschmälerteroder vermehrter Gewinne eine Tendenz, das Angebot entsprechend zu ändern, derMarktlage wieder besser anzupassen. Das ist aber nun nur in gewissen Fällen ganzleicht: da wo die Vermehrung oder Verminderung der Produktion gar keinen Schwierig-keiten begegnet. Und selbst da handelt es sich meist um Wochen und Monate, ja umJahre, während deren erst die Umbildung der Produktion sich vollziehen kann. In derZwischenzeit verursacht die Abweichung des Marktwerts von den Kosten gewisse Gewinneoder Verluste. In vielen Fällen ist aber einerseits die durch die Marktlage angezeigteVermehrung des Angebots überhaupt nicht möglich wegen der Beschränktheit der Pro-duktionselemente, und ist andererseits die angezeigte Verminderung nicht angängig ohnegroße Verluste, weil die Produktionselemente nicht ohne weiteres zu anderer Produktiontauglich sind; — da tritt längere Unterführung oder Überführung des Marktes ein,die erstere ist mit Gewinnen, die letztere mit Verlusten für den Produzenten verbunden.Es tritt hier also keine faktische Anpassung der Produktion ein, wohl aber nach undnach eine privatwirtschastliche Änderung der Produktionskosten, insofern die entscheidendenProduktionselemente (Kapitale, Grundstücke) im Werte so steigen oder sallen, daß diedurch Verzinsung der erhöhten oder verminderten Nominalkapitale geänderten Pro-duktionskosten den veränderten Marktpreisen wieder angepaßt sind.
Die Folge also, daß mit der Zeit die Marktwerte wieder den Produktionskostensich anpassen, tritt teils durch wirkliche Änderung des Angebots, teils durch bloßePreisänderung der im Geschäft thätigen Produktionselemente ein. Zwei gänzlich ver-schiedene Vorgänge, die aber darin übereinstimmen, daß die buchmäßigen, privatwirt-schastlich zu rechnenden Produktionskosten nach und nach wieder mit dem Marktwert inEinklang kommen.
Mögen die Gegner der Kostentheorie aus all' dem folgern, daß die Kosten nichtdas einzige Princip des Wertes seien, daß in vielen Fällen vorübergehend, in vielendauernd die realen aufgewendeten Kosten nicht den Wert beherrschen, so ist darauf zuantworten, es sei von den maßvolleren neueren Verteidigern der Kostentheorie mehrnicht behauptet worden als folgendes: der augenblickliche Wert auf dem Markt wirdstets durch die Spannung von Nachfrage und Angebot in der oben geschildertenWeise bestimmt- Der dauernde Wert hängt von der Art ab, wie gegenüber dergegebenen Nachfrage das Angebot sich den Produktionskosten anpaßt; die Oscillationendes Angebots hängen von der Leichtigkeit oder Schwierigkeit ab, es immer wieder, jenach dem Ersatz der Produktionskosten, zu ändern. Unter den Produktionskosten istder Ersatz der Kapitalverzinsung ein wesentliches Element. Und die Kapitalverzinsungsteigt oder sällt mit dem jeweiligen Seltenheitswert des betreffenden Kapitals. Magman dabei mit Recht betonen, daß die Rittergüter je nach dem hohen oder niedrigenGetreidepreis höher oder niedriger im Wert stehen, und daß nicht umgekehrt der Weizen