Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
Seite
160
Einzelbild herunterladen
 

169 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Eiiikommcnsverteiluug.

Nachfrage sahen, nur bei einer gewissen Stärke wirken; sie hat ein viel größeres Be-harrungsvermögen zu überwinden als die Änderung des Angebots einzelner Waren, weileben der Geldwert im Gleichgewicht aller bestehenden Preise seinen Ausdruck hat; aberimmer wird jede dauernde und starke Verschiebung in den Spannungsvcrhältnissenvon Angebot und Nachfrage des Geldes die Gesamtheit der Preise und den Geldwertin der Weise modifizieren, wie überhaupt die Werte durch Angebot und Nachfragebeeinflußt werden. Eine Summe von psychischen Faktoren kann und wird häufig auchhier mitwirken. Aber das Nächste ist doch, Angebot und Nachfrage des Geldes, ihrAuftreten auf dem Markte als Ouantitätserscheinungen zu untersuchen.

Als Märkte kommen Gebiete mit einheitlichem Verkehr und einheitlicher Geld-eirkulation in Betracht. Sie waren früher klein, heute erstrecken sie sich auf ganzeStaaten, ja Weltteile. Jedenfalls bilden die heutigen Centralpunkte des Geld- undKreditverkehrs in den Kulturstaaten einen mehr oder weniger einheitlichen Markt fürdas Geld und seinen Wert. Von der lokalen Verschiedenheit des Geldwertes sprechenwir nachher, wir fassen zunächst die Ursachen der zeitlichen Veränderungen ins Auge.

s,) Das Angebot an Geld ist ein Teil des Edelmetallangebots. Auf jedemMarkt ist ein überlieferter Bestand an Münze, Edelmetallbarren. Gold- und Silber-gerät; dazu gesellt sich, was jährlich durch die heimische Neuproduktion oder durch denHandel hinzukommt; es geht ab, was ausgeführt wurde. In den früheren kleinenMarktgebieten mochten große Beuteergebnisse oder neue Erz- und Metalllager dasAngebot rasch ändern; in den neueren Zeiten schwankte nach Soetbeer die jahrlicheAusbeute der Erde gegenüber dem Edelmetallvorrat meist nur zwischen 1 und 1^/2 Prozent,nur ncuestens erhob sie sich bis gegen 2 Prozent beim Gold, etwas über 2 Prozentbeim Silber. Das Angebot von Edelmetall für Geldzwecke ist abhängig von der Münz-gesetzgebung, der Nachfrage für andere Zwecke und den Export. Die Münzgesetzgebungbestimmt, ob Gold oder Silber oder beide zusammen Währung seien; sie ordnet an,ob nur der Staat präge und also allein nachfrage, oder ob auch Private prägen dürfen;die Münzverwaltung Prägt entweder regelmüßig, also eventuell auch mit Verlust, wennder Rohmetallpreis gleich oder über dem durch den Münzfuß angezeigten Werte steht(z. B. wenn Barrengold in Deutschland gegen oder über 1395 Mark gilt), oder sieprägt nur, wenn er unter diesem Niveau (also z. B. in Deutschland 13901392) steht.Von allem dem hängt das Angebot geprägten Geldes ab. Aber die Handlungen derMünzverwattung und der prägenden Banken selbst sind wieder mit bedingt von deranderweiten Edelmetallnachsrage und dem Export. Soetbeer schätzt, daß über die Hälftedes 18811885 neu produzierten Goldes für die Industrie gebraucht worden sei; Lexisnimmt für die neueste Zeit etwa 1/4 bis ^/s an; vom Silber ist es ein noch geringererTeil, etwa ^/s. Doch schwankt dieser ganze Verbrauch sehr. Er ist größer in gutenJahren; er hört aus in schlechten; ja bei allen großen Geschäftsstockungen werden großeMengen von Edelmetall, die bisher in Geräten und Schmucksorm vorhanden waren, inMünze verwandelt. Klüpfel schätzt 1895, daß in Europa 32 Milliarden Mark Goldund ebenso viel Silber vorhanden waren, von welchen nur 16 als Goldmünze und 9 alsSilbermünze, der Rest in anderer Form gebraucht wurden. Jedenfalls hängt dasAngebot beider Teile enge zusammen, und das ganze europäische hängt außerdem davonab, was die hauptsächlichsten Gold und Silber erzeugenden außereuropäischen Länderfür sich behalten, und was Europa nach Asien senden muß.

In letzter Linie aber werden alle diese Größenverhältniffe davon bestimmt,welche Summe die Produktion an Edelmetall jährlich liefert, zu welchen Kostendas geschieht, und wie so der Gesamtvorrat anwächst. Ich führe die wichtigstenZahlen nach Soetbeer, Lexis und dem amerikanischen Münzamt an; einmal dieKilogrammzahlen 14931890 in größeren Durchschnitten; dann die Jahresproduktionvon 18901900, nebst einigen Vorjahren und ihrem Marktwert in deutschemGeld; diese Angaben nach der Statistik des amerikanischen Münzamtes. Die Schätzungdes Gesamtvorrats an Edelmetall ist, was den Silberwert betrifft, nicht korrekt:die älteren Angaben sind im alten Silberwert, die von 189099 im heutigen