Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Begriff und Arten des Papiergeldes

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dem Geschäftsbedürfnis aus und schränkt sich wieder ein; die einlösliche Banknote thutdies schon nicht in gleichem Maße, das Papiergeld noch weniger, und deshalb wirkenBanknote und Papiergeld ganz anders auf den Geldwert und die Preise.

Eine Bank, die unverzinsliche Banknoten ausgiebt, nimmt vom Publikum un-verzinslichen Kredit; sie ist verpflichtet, sie stets auf Verlangen gegen bar Geld ein-zulösen, sie hält dazu ihren Barvorrat und sucht ihre Anlagen in rasch realisierbarenverkäuflichen Werten zu machen, um so die stete Einlösung zu sichern. Das Recht zurAusgabe von Banknoten ist jetzt in den meisten Staaten ein gesetzlich streng geordnetes,überwiegend aus große Centralbanken befchränktes. Nur wo der Staat durch ein Gesetzeine Bank von der Bareinlösung ihrer Noten dispensiert, und wo er gar diese Notensür gesetzliches Zahlungsmittel erklärt, erhalten sie rechtlich und wirtschaftlich ganz dengleichen Charakter wie Papiergeld.

Während aber die einlösliche Banknote vom Kredit der Bank in ihrer Cirkulationabhängt, von der Bank in der Regel in Kreditform ausgegeben, bei der Rückzahlungdieser Kredite wieder eingezogen wird, also dem Geschäftsbedarf immer im ganzen sichdoch anschmiegt, so geschieht Ähnliches beim Papiergeld nicht- Nur der Staat hat dasRecht es auszugeben, behält sich dieses Recht auch meist ausschließlich vor, hat es nurausnahmsweise Korporationen übertragen. Das Papiergeld stellt eine staatliche Schulddar, die sich au die papierne Urkunde anknüpft; jeder Inhaber hat die Rechte, diesich mit dem Schuldschein verknüpfen. Sie sind verschieden, je nachdem der Staat fürEinlösung bei Vorzeigung sorgt oder nicht, je nachdem er das Papier bei Zahlungen,besonders Steuerzahlungen, nimmt oder gar fordert (was man die Steuerfundationnennt), je nachdem er dem Publikum überläßt, ob es das Papier als Zahlung nehme,oder es sofort durch Gesetz dem Münzcourantgeld gleichstellt, also jeden zwingt, es beijeder Zahlung als Vollgeld zu nehmen. Hat der Staat reichlichen Kredit, und giebter nicht viel Papiergeld aus, so wird das Publikum gern sich dieses leichtesten, trans-portabelsten Zahlungsmittels bedienen, ob die Einlöslichkeit sehr bequem gemacht istoder nicht, ob das Papiergeld gesetzliches Zahlungsmittel ist oder nicht. Giebt derStaat aber so viel Papier aus, daß es beginnt, das Edelmetallgeld zu verdrängen,dann wird es entscheidend, ob er für Einlösung sorge, ob er es zum gesetzlichenZahlungsmittel erkläre. Das zu viel ausgegebene einlösliche Papiergeld wird durchdie Einlösung, das nicht zum Zahlungsmittel erklärte durch Nichtaunahme in der Regelvon selbst wieder auf sein rechtes Maß beschränkt. Diese Sclbstkorrektur sällt mit derWeigerung der Einlösung und dem Zwangsknrs weg.

Man hat neuerdings häufig als Papiergeld im eigentlichen Sinne nur das un-einlösliche, mit Zwangskurs versehene bezeichnet. Es ist meist ein solches, das inÜbermaß infolge von Finanznöten ausgegeben wird, gegen Edelmetall an Wert ver-liert. Banknoten, die nicht mehr eingelöst werden, aber staatlichen Zwangskurs haben,stehen diesem Papiergeld gleich. Der Staat giebt einer Bank ein solches Privileg nur,wenn sie ihm entsprechende Kapitalvorschüsse leistet; er bedient sich der Bank, wenn ihrKredit besser als der seine zu sein scheint.

In diesen Fällen entsteht die specifische Papiergeldwirtschast mit all' ihren be-denklichen Folgen für die Preisbildung und den Verkehr. Das Papiergeld wird zumallgemeinen Tauschniittel, zum Wertmesser, wie es gesetzliches Zahlungsmittel ist; dieEdelmetallmünze, wenigstens die vollwertige Courautmünze wird zu einer Ware miteinem gewissen Seltenheitswert, zu einer Reserve, die im Staatsschatz und in den Bankenwohl gehütet, nicht mehr den Verkehr ausfüllt.

Mit Recht aber spricht man nicht bloß da von Papiergeldwirtschast, wo die Un-einlöslichkcit und der Zwangskurs rechtlich statuiert sind; die thatsächlichen Zuständekönnen sich vorher schon so gestaltet haben, daß Papier thatsächlich die Hauptvalutaausmacht. Heute ist die papierne Cirkulation eine überwiegende oder dem Münzvorratgleiche in Portugal, Griechenland, Canada, Italien, Spanien , Österreich-Ungarn,Rumänien, Serbien und den meisten südamerikanischen Staaten; mehrere von ihnenhaben erhebliche Barvorräte im Staatsschatz und den Banken und ^wie Italien recht-