Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Die Grade und die Folgen der Papicrgeldwirtschaft.

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und Frieden und Derartigem, sondern auch von dem Kredit des Staates, von der Er-wartung weiterer Papierausgabe, dem langsamen oder raschen Eindringen des Papiersin den Verkehr abhängig. Die Preise steigen um so langsamer, je geringer Verkehrund wirtschaftliche Entwickelung ist, sie steigen an der Grenze, in Exporthäfen rascherals im Inneren großer Staaten; nach Jahren und Jahrzehnten können in großenReichen, wie Rußland , abgelegene Gegenden noch die alten Preise haben. Die be-stehenden Preise leisten da der Veränderung den bekannten Widerstand des Herkömm-lichen, zumal die, welche wie Löhne, Gefälle, Taxen, durch ihre Natur leicht die Kon-junktur gegen sich haben. Umgekehrt verhalten sich die aus dem Ausland bezogenendringlich begehrten Waren, die sofort im entwerteten Papiergeld um so viel teurerbezahlt werden müssen; die exportierten Inlandswaren, die im Ausland unentbehrlichsind, steigen ebenfalls sofort um den Betrag der Valutacntwertung; andere, wenigerdort begehrte, machen die Bewegung nicht so rasch mit, werden aber unter Umständenim Auslande, eben weil sie gegen dortige Preise nun sich billiger stellen, begehrter.Am sichersten drückt sich die Valutaentwertung im Durchschnittspreis der Wechsel aufHartgcldländer, im Wechselkurs aus. Ein mit einem Rubel in Petersburg gekaufterWechsel auf London, dort in Gold zahlbar, ergab eine Zahlkraft in London 1853von 38,7 Pence (das War das sogenannte pari), 1865 von 31,6, 1879 von 24,1, 1887von 21,81 Pence; d. h. die russische Valuta wurde in London als aus fast die Hälfte1353- 87 gefallen betrachtet.

Die allgemeinen volkswirtschaftlichen Erscheinungen, die eine Entwertung derValuta begleiten, sind im ganzen ähnliche wie bei einer Entwertung des Edelmetalls:mit dem Steigen der Preise tritt eine künstliche Belebung des Verkehrs, des Absatzesund Konsums, ebenso oft eine künstliche Erniedrigung des Diskontos ein. Die Geschäfts-welt, welche ihre Preise rasch erhöhen kann, macht große Gewinne; wer feste Einnahmenhat und das entwertete Papier voll nehmen muß, verliert. Aber während die Gcld-wertsänderungen meist langsam sich vollziehen und die durch Verkehr verbundenenKulturstaaten ziemlich gleichmäßig erfassen, tritt die Papierentwertung meist rascherund auf den einzelnen Staat beschränkt auf; sie ist ein akuter, durch Regierungsaktehervorgerusener Prozeß. Die Preisänderungen erfolgen stoßweise, sind viel schwankender,viel mehr künstlicher spekulativer Einwirkung zugänglich. Es entsteht so durch sie eineviel größere Unsicherheit über Handel und Produktion in der Zukunft; alles Geschäfts-leben wird von der Spekulation auf den Preiswechsel, den Wechselkurs und das Agioerfaßt; die ganze Volkswirtschaft wird zum leichtsinnigen Lotteriespiel; alle Pläne undGeschäfte, die über Wochen und Monate hinausgehen, werden so gefährlich, daß diesoliden Kaufleute sich fern halten, ja zuletzt verschwinden. In Papierlündern, sagtHertzka, giebt es nur Börscnspieler und Krämer. Neben die stimulierende Wirkung derPreissteigerung treten die politischen und finanziellen Gefahren, die großen Änderungenvon Angebot und Nachfrage, die der Krieg, der Aufruhr oder was sonst die starkePapierausgabe veranlaßte, mit sich bringen. Der Markt, schreibt man 1863 ausNew-Hork, gleicht einem Kranken, der in einem Moment paralytisch gelähmt ist, imanderen wieder wie im stärksten Fieber die unbändigsten Bewegungen macht. Dasheftige Schwanken der Preist, des Agios , der Wechselkurse raubt dem Papiergelde alle dieEigenschaften, die das Geld haben soll, die ein gutes Hartgeld mehr oder weniger hat.

Die Belebung des Verkehrs durch das Preissteigen, welche in den Kreisen derSpekulation natürlich mit Freude begrüßt wird, bringt erhebliche Gewinne mehr nureinzelner, besonders der großen Spekulanten: den Hauptvortcil von dem Schwankendes Agios und Wechselkurses haben die großen Banken; die Masse der kleinen Leutehat selbst in der Zeit des Aufschwungs keinen oder geringen Vorteil; die Arbeiter leidenfast stets unter zurückgebliebenen Löhnen.

Die künstliche Verschiebung der Aus- und Einsuhr durch den verschiedenen Standder Preise im In- und Ausland ist auch ein zweifelhaftes, von Schutzzöllnern oft über-fchätztes Glück. Wenn die Preise im Inland noch nicht entsprechend der Papierentwertunggestiegen, im Ausland aber durchschnittlich die alten sind, so ist klar, daß dadurch,