Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Entstehung von Vermögen und Kapital.

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zuerst vom Kapital, nachher von der Arbeit, oder vielmehr von den Fragen, Institutionenund Werterscheinungen, die sich an sie knüpfen.

In Bezug aus das Kapital muß uns zuerst seine Entstehung kurz beschäftigen;dann der Sprachgebrauch in Bezug auf die Begriffe Kapital und Vermögen; drittensdie Versuche einer Größcnmessung des Kapitals; ehe wir weiter gehen, besprechen wirdie einzelnen Formen der Kreditgeschäfte, welche die Kapitalbewegung und -Verwertungbeherrschen; dann erst können wir das Wesen des Kredits erörtern, die rechtsgeschichtlicheEntwickelung des zinsbaren Darlehens (die Geschichte des Wuchers) und die philosophisch-nationalökonomische Begründung der Kapitalrente und zuletzt die thatsächliche Höhederselben, den Zinsfuß, ihre Bewegungen und Ursachen darstellen.

Wir fragen also zuerst, wie entstand das Kapital, der Vermögensbesitz. Müssenwir dabei an manches früher Gesagte anknüpfen, einiges wiederholen, so ist ein ein-leitendes Wort über diesen Punkt hier doch nicht zu vermeiden, da durch die eigen-tümliche Verschlingung individuellen Handelns und gesellschaftlicher Prozesse bei demVorgang der Kapitalbildung so viele Irrtümer und Zweifel entstanden sind.

Die Menschen mußten einerseits denken, sich selbst beherrschen, die Zukunft inRechnung ziehen lernen, um Vorräte aller Art für den folgenden Tag, den Winter,die solgende Generation anzusammeln; sie mußten andererseits technische Fortschrittemachen, um mit derselben Arbeit mehr zu schaffen, um die Vorräte zu konservieren,um mit besseren Werkzeugen und Maschinen, aus melioriertem Boden mehr zu erzeugen,als sie für den Augenblick brauchten. Sobald die ersten großen wirtschaftlichen Fort-schritte gemacht waren, handelte es sich um die doppelte Ausgabe, die Vorräte sürdirekten Verbrauch uud die Produktionsmittel für bessere Arbeit anzusammeln, zu ver-mehren. Und sobald aus der Eigenwirtschaft durch Arbeitsteilung und Markt die Ver-kehrswirtschast mit Geldpreisen entstanden war, handelte es sich nicht bloß um dieGebrauchsvorräte und Produktionsmittel, sondern auch um ihren Geldpreis, zu dem sieverwertet, ge- und verkaust werden konnten, und um die Wertwechfel, die einzelne undganze Klassen bald bereicherten, bald schädigten.

Es handelte sich zunächst bei all' dem um die Ausbildung bestimmter Eigenschaften,um einen langsamen Erziehungsprozeß; einzelne Individuen, Familien und Stämmehatten die Eigenschaften mehr, entwickelten sie rascher. Die sähigsten, klügsten, kräftigstensammelten größere Vorräte, schufen bessere Produktionsmittel. Sie kamen am raschestenvoran, wenn sie zugleich kriegerisch und politisch organisiert, sich gegen Feinde aller Artbesser als andere schützen konnten. Sie erzielten sehr viel mehr, wenn sie srüher alsandere das Zusammenarbeiten mehrerer in Stamm, Geschlecht, Familie, Gemeinde, Unter-nehmung und Staat erlernten und die Formen und Institutionen, in welchen dasgeschah, ausbildeten. Diese Organisation wurde mit steigender Kultur ein Hauptmittel,die Vorräte zu häusen, die Produktionsmittel ergiebiger zu machen.

Die wirtschaftlichen und technischen wie die organisatorischen Vorzüge der Familienund der Stämme blieben meist jahrhunderte- und jahrtausendelang das Erbe der Nach-kommen; sie gingen erst sehr langsam, erst mit höherer Kultur, in gesitteten Ländernmit dem heutigen völkerrechtlichen Verkehr rascher und leichter aus andere niedrigereRassen, aus zurückgebliebene Stämme und Klassen über. Und so ist noch heute injedem Lande, in jeder Völkergesellschaft eine weit auseinander liegende Stufenreihe vonMenschen vorhanden, die in all' den Eigenschaften, welche zur Kapitalbildung führen,unendlich weit von einander abstehen: in der Sparsamkeit und Voraussicht, in derProduktionsfähigkcit, in den technischen und organisatorischen Fähigkeiten. Je höhernun aber die wirtschaftliche Kultur steigt, die Gesellschafts- und Eigentumsverfassungsich kompliziert, desto mehr wird die Kapitalbildung der Individuen und Klassen nichtmehr bloß sich nach den persönlichen Unterschieden differenzieren, sondern die Rechts-und Wirtschaftsinstitutionen, sowie die großen, ganze Epochen beherrschenden Wert-Veränderungen auf dem Markt werden darauf einwirken; die Gerechtigkeit und Un-gerechtigkeit der gesellschaftlichen Einrichtungen, sowie die Gunst der wirtschaftlichenZusammenhänge wird die Kapitalbildung dem einen leichter, dem andern schwerer machen.