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Die neueren Diskontschwankungen. Die Diskontpolitik.
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schästswelt unwillkommen sind, auszukommen. In Berlin schwankt der Satz 1315 bis1825 ost zwischen 2 und 3°/o als Minimum und 6-12°/« als Maximum; schon inden dreißiger Jahren bewegt er sich nur zwischen 3 und 5, später ist er teilweise nochgleichmäßiger geworden, außer in den Jahren mit Handelskrisen, wo 2 und 10, jamehr Prozent ziemlich dicht nebeneinander liegen. Den großen privilegierten Central-bankcn mit ihren großen Mitteln und sonstigen Gewinnen wnrde es teilweise zur Auf-gabe gemacht, zu möglichst gleichmäßigem Satze zu diskontieren; die französische Bankthat es so im ganzen 1820—1848; auch die preußische strebte bis in die fünfzigerJahre dahin: die französische hat auch neuerdings noch zuweilen jahrelang ihre offizielleZinsrate stabil gelassen. Dabei ist aber nicht zu übersehen, daß diese Banken auch beistabiler Rate oft durch strengere Prüfung der Wechsel, Ausschluß aller länger kursierendenWechsel die Diskontierung einschränkten, wenn ihre Mittel knapp waren. Und daswurde oft ebenso hart wenn nicht härter empfunden als eine Diskontoerhöhung. Außer-dem war diese Stabilisierung der Bankrate sür beste Wechsel ja keine Stabilisierungder Diskontierungen überhaupt. Und sie war 1820—1850 leichter, weil die Geschäftemehr in gleichmäßigem Gange sich bewegten, der Kapitalmarkt noch nicht so inter-national war.
In den beiden letzten Jahren 1900—1901 gingen die Länder mit geringem Kapital-reichtum und stärkerer Kapitalerschöpfung in den Diskonterhöhungen der Centralbankenvoran: Petersburg kam 1900 schon bis 7V-, Wien bis 5^2, Berlin 5'/2—7, währendman am offenen Markte, z. B. in Berlin noch zu 3,75, durchschnittlich zu 4,42 dis-kontierte. Im Laufe des Jahres 1900 sanken allerwärts die Sätze, standen Ende 1900 beider Reichsbank 5, am offenen Markt in Berlin 4,13—4,75. Im Jahre 1901 bliebPetersburg (Centralbank und offener Markt) schwankend zwischen 5,5 und 7,5, Paris war dagegen schon wieder auf 3 (im offenen Markt zeitweise auf 1,50—2) gesunken;Berlin Reichsbank stand zwischen 3,5, 4 und 5, Privatdiskont zwischen 2,26 und 3,79.
Heute gilt es allgemein für die Pflicht der großen Banken und ganz mit Recht,daß sie den Konjunkturen entsprechend mit einer gewissen Voraussicht den Diskont ver-ändern, vor allem ihn vor einer drohenden Überspekulation bei Zeiten erhöhen. Nichtals ob nicht auch heute es für alle Geschäfte besser wäre, auf eine gewisse Stabilität desZinses rechnen zu können, und nicht als ob die großen Banken die Macht und die Pflichthätten, im Gegensatz zu Angebot und Nachfrage, künstlich einen Diskont zu diktieren.Aber allerdings haben sie bei ihren enormen Mitteln und ihrem Einfluß auf densonstigen Diskontverkehr die Möglichkeit, die an sich gegebenen Schwankungen in sehrverschiedenen Kurven verlaufen zu lassen und damit leitend in das ganze Geschäftslebeneinzugreifen. Jede starke Diskonterniedrigung verbilligt alle mit Kredit arbeitendenGeschäfte, jede Erhöhung verteuert sie und deutet bei richtiger Handhabung an, daß es anGeldkapital zu mangeln beginnt, daß man in der Spekulation, in der Gründung neuerGeschäfte vorsichtig sein müsse. Die Erhöhungen und Erniedrigungen der Bankrate derCentralbanken wirken um so stärker, einen je größeren Teil des Wcchselkredites sie befriedigen,und je mehr ihr die Privatbanken zu folgen gewöhnt, teilweise durch Verabredungen oderdurch eingreifende Maßregeln gezwungen sind. Die Bank von England zwingt ab und zu,wenn sie ihre Rate erhöht hat, die Privaten zur Nachfolge dadurch, daß sie dem offenenMarkt durch Geldaufnahme Millionen entzieht. Wenn die großen Banken zur Zeit desKapitalüberflufses nicht so weit herabgehen wie die anderen, so machen sie geringereGeschäfte; wenn sie bei beginnendem Kapitalmangel früher erhöhen, so schränken siewieder ihr Geschäft ein. Aber sie sollen eben, wie wir im nächsten Abschnitt nochnäher sehen werden, auch nicht suchen, bloß möglichst viel Geschäfte zu machen und zuverdienen, fondern sie sollen durch ihre Diskontopolitik in der richtigen Weise aus dieganze Volkswirtschaft und das Tempo ihres Ganges einzuwirken fuchen. Wir habenschon bei der Geldlehre gesehen, daß sie durch dieses Mittel auch den Edelmctallschatz desLandes bewahren sollen. Wenn aus einem Lande insolge ungünstiger Zahlungsbilanzund der hieraus solgenden ungünstigen Wechselkurse viel Geld abfließt, wenn vollendsim Nachbarland der Zinssatz sür Kapital höher steht und dadurch ein Reiz entsteht.