Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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214 Drittes Buch- Der gesellschaftliche Prozeß des Gülcrumlauscs u. der Einkommensverteilung. ^672

Abgesehen nun aber von diesen Verschiedenheiten, wie von anderen, aus die wirnicht eingehen, z. B. der sür Wechsel mit verschiedener Laufdauer u. s. W., werden wirden Wechseldiskont als einheitliche Größe fassen und über seine Bewegung folgendessagen können.

Der Diskont wird in den reichen Ländern niedriger stehen als in den kapitalarmen,ebenso wie der gewöhnliche Zinsfuß. Er wird in seinen Jahresdurchschnitten von letzteremnicht sehr weit abstehen; nur in den Jahren der geschäftlichen Flauheit wird er wesentlichtiefer, in denen der Überspekulation wesentlich höher stehen. Seine Bewegung inJahresdurchschnitten wird der allgemeinen Hausse und Baisse des Geschäftslebensparallel gehen, wie z. B. die folgende Tabelle für Wechsel erster Klasse zeigt (Struck)r

London Paris Berlin Amsterdam Ncuyork

1884 2,43 2,48 2,90 2,84 4,64

1885 2,10 2.45 2,91 2,37 3,32

1886 2,12 2,22 2,18 1,95 4,25

1887 2,36 2,42 2,25 2,17 5,38

1888 2,32 2.71 2,10 2,12 4,50

1889 2,64 2,60 2,64 2,16 4,28

1890 3,74 3,87 2,49 2,41 5,05

1891 2,88 2,57 2,30 2,35 5,43

Das heißt, in den Jahren 18841886 waren die Anforderungen au den Geld-kapitalmarkt gering gegenüber den Vorräten; sie stiegen bis 1889189V und nahmendann wieder ab. Für die letzten Jahre giebt Conrads volkswirtschaftliche Chronik dieSätze der großen Notenbanken fo an:

London Paris Berlin Amsterdam Wien Petersburg

1895 2 2,09 3.14 2,50 4,30

1896 2,48 2 3,66 3,03 4,09

1897 2,63 2 3,81 3.14 4 4,63

1898 3,25 2,20 4.27 2,83 4,16 4.80

1899 3,75 3.06 5,04 3,58 5.04 5,32

1900 3,96 3.25 5,33 3,61 4,58 5,56

1901 3,72 3 4,10 3,23 4,08 5,16

In den Zahlen spiegelt sich die Aufschwungsperiode 1895190V, die Krisis von19VV1901 und der verschiedene Kapitalreichtum der einzelnen Länder. Aber imganzen wollen Jahresdurchschnitte für die Erkenntnis der Diskontbewegung nicht vielbesagen: die Schwankungen von Woche zu Woche, von Monat zu Monat sind dasWichtigere. Fast in jedem Jahre kommen Veränderungen von ^412, ausnahmsweisenoch größere bis zu 48°/» vor. Die Diskontansprüche der Geschäftswelt steigern sichstets gegen 1. Januar, gehen dann zurück, erreichen wieder mit dem Quartalwechsel,im allgemeinen im Sommer und Herbst, einen Höhepunkt. Die Mittel der Bankenschwanken je nach den Einlagen der Privaten und der Regierungen. Die Aufnahmegroßer Anleihen, die Durchführung großer Kredite ans Ausland, großer Effektenankäufeim Ausland absorbieren die Mittel der Banken. In Amerika hat die Bundesregierungin Ermangelung einer Ccntralbank vielfach den Diskont durch das Mittel beeinflußt,daß sie rasch für viele Millionen Bonds der Vereinigten Staaten zurückkaufte oderden Banken Regierungsdepositen gab; das füllte die Kassen der Banken mit Edelmetall.Der Stand der Zahlungsbilanz und der Wechselkurse bestimmt die jeweilige Höhe derEdelmetallschätze der Banken, und das ist der wichtigste Teil des disponibeln Bank-kapitals. Insofern ist es wahr, daß nicht der landesübliche Zinsfuß, sondern derkaufmännische von der vorhandenen, hauptsächlich von der in den Banken sich sammelndenGeldmenge abhängig, beeinflußbar sei.

Im Ansang unseres Jahrhunderts waren die Schwankungen des Börsendiskontesinnerhalb desselben Jahres noch viel größere als heute; das besser ausgebildete Bank-wesen hat die Möglichkeit geschaffen, mit geringeren Änderungen, die ja stets der Ge-