218 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gütcrnmlanfes u> der Einkommensverteilung, s^g/g
England , I. f. N. 3, F., 12. 1896. — Dcrs., 8s,viug b-rnlcs .-rt Korns s,nä abroaü, -lourn.
tlis 8ts.t. 8oe. 6V. 1897. — Tie Sparkasse, Organ des deutschen Sparkassenverbandes, frühervon Hepden-Essen, jetzt von Schafer-Hannover herausgegeben.
Über die gewerblichen nnd ländlichen Kreditgenossenschaften vergl. die Bd. 1 S. 412—13 vorZ 138 angegebene Litteratur; außerdem: Heiligenstadt , Die preußische Centralgenossenschaftskasse,1897, und die jährlichen Geschäftsberichte der Kasse. — IZlonclkI, Z^tnclss sur les populationsinralss äs I'^IIemagns st la, eriss ,-vgrairs. 1897. — Krauß, Geschichte, Statistik und Beschreibungder ländlichen Genossenschaften Raiffeisenscher Organisation. 1899. — Marchct, Darlehnskasscn inH.W. 2. Aufl. 1900. — Krüger, Jahrb. des Allg. Verbandes der auf Selbsthülfe beruhendendeutschen Erwerbs- und Wirtschastsgeuossenschaften 1—4. 1897- 1900. — Jahrbuch des allg. Ver-bandes der deutschen landw. Genosscnschasten, jährlich bis 1902.
194. Die älteren Kreditorgane; die Girobanken. Wir haben imletzten Kapitel eine Übersicht über die Kreditgeschäfte gegeben. Wir müssen nun nochdie Organe, die Geschäfte und Anstalten darstellen, welche das Kapital sammeln, Kreditarbeitsteilig nehmen und geben. Wir setzen dabei das als bekannt voraus, was wir imersten Teile (S. 61 ff., 230) über die Organe des wirtschaftlichen Lebens gesagt haben.Die Kreditorganc bieten dadurch besonderes Interesse, daß sie in der neueren Volkswirtschaftzu einer Art centraler herrschender Stellung gekommen sind, und daß deshalb mehr undmehr die Gesamtheit und der Staat sich um die Form dieser Organisation kümmerten, daßaus kleinen Privatgeschästen große Aktiengesellschaften und öffentliche Korporationen mitPflichten für das allgemeine Wohl wurden. Ihre Ausbildung ist eines der wichtigstenSymptome höher entwickelter Volkswirtschaft; und sie ist dabei trotz einheitlicher Tendenzendoch in so verschiedener Weise möglich, hat in den verschiedenen Ländern zu so Ver-schiedenen Gebilden und Folgen geführt, daß eine Kenntnis der neueren Volkswirtschaftohne einen Überblick über diese Organisationen recht unvollkommen wäre. — Wir be-ginnen mit einem Worte über die älteren Kreditorgane.
Von den Alten wissen wir nur weniges, z. B. daß schon bei den Chaldäern2300 v. Chr. Einlagen bei Bankiers, Zahlungsaufträge an sie, Darlehen und eineArt Bankbillete vorkommen, daß die griechischen Tempelverwaltungen Gelder sür Private,Städte und Herrscher aufbewahrten und Kapital ausliehen, daß die griechischen Geld-wechsler mit fremdem Kapital arbeiteten, daß die staatlichen Kassierer der Ptolemäer einebankierartige Vermittlerrolle spielten, und daß endlich das spätere römische BankiergeschäftDarlehens-, Zahlungs-, Anweisungsgeschäfte auf Grund eines komplizierten Buchungs-wefens umfaßte und von Hadrian an unter eine gewisse Staatskontrolle gestellt wurde.
Im älteren Mittelalter treten zuerst die reicheren Klöster und die fremden Kauf-leute, besonders die Juden als Geldverleiher auf. Schon frühe sehen wir daneben dieaus den Münzern sich entwickelnden Geldwechsler auch Kredit geben und nehmen. Siefcheiden sich zuerst in Italien feit dem 14. und 15. Jahrhundert in drei Gruppen:die vornehmeren banoberii treten neben die tiefer stehenden usurarii (Pfandverleiher)und banobaroti (Handwechsler). In Venedig wird 1523 sogar die Verbindung desHandwechfels mit dem Kreditgeschäft verboten. Alle diese Geschäftsleute sind in Venedig,Florenz, Genua, in Italien wie in Deutschland und anderwärts von der Obrigkeitkonzessioniert und kontrolliert, haben einen gildeartigen Zusammenschluß mit festenSitten, Recht, Standeschre, kaufmännischen Gewohnheiten. In einer Reihe deutscherStädte erhebt sich der Teil des Münzpcrsonals, der den Geldwechsel treibt und derMünze Edelmetall liefert, zu der geschlossenen Korporation der Münzerhausgenossen;es ist von 1100 bis nach 1300 eine Art Bankaristokratie. Sie tritt im 13. und 14.Jahrhundert zurück; die Städte übernehmen vielfach selbst den Geldwechsel und dieKreditgeschäfte, teilweise aber konzessionieren sie einzelne Private dazu. In Italien nimmt das Geschäft der daueuerii, oampsorss von 1300 - 1600 einen großen Aufschwung.Sie werden teils durch ihre Zunftvorstände (z. B. in Florenz durch die ^rte äi eamdio),teils durch besondere Staatsbehörden (z. B. in Genua durch das Okneinm msreantie)kontrolliert ; besondere Statuten und Gesetze umschrieben ihre Pflichten und Rechte; siewerden auf ihr „Amt" vereidigt, leisten Bürgschaft oder Kaution. In dem Maße wiedie Kaufleute, die Privaten, die öffentlichen Korporationen und der Staat Geld beiihnen deponierten, wie sie ein großes Umschreibe-(Giro-)geschäft entwickelten und das ihnen