226 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. f684
Sterling Noten cirkulieren hatten, wurde bestimmt, daß sie künftig niemals mehr Notenausgeben sollen, daß neben ihnen keine weitere Notenbank entstehen dürfe, daß ihre etwaaufgegebene Notencirkulation zu Dreivierteln der Bank von England zuwachse. IhreZahl war schon 1894 rechtlich zusammen auf 110, 1899 faktisch auf 42 (Scharling)gesunken, ihre Noten 1897 auf etwa 1,4 Mill., 19U0 auf 0,8 Mill. F (3°/o der englischenNoten). Im Jahre 1900 war die Notencirkulation der Bank von England 600 Mill.Mark, die der deutschen Reichsbank dagegen 1138, der Österreich -ungarischen Bank 1154,der russischen Staatsbank 1163, der Bank von Frankreich 3265 Mill. Mk. Das Gesetzvon 1844 hat seinen Zweck, die Privatnotenbanken zu vernichten und die Notencirkulationder Centralbank einzuschränken, erreicht, aber um den Preis einer Hemmung der Ent-wickelung der letzteren überhaupt. Sie hat von 1844—1902 mehr und mehr dieleitende Stellung auf dem Kredit- und Geldmarkt Englands verloren; sie ist höchstensnoch ein xrirnus inwr xsres gegenüber den anderen großen Londoner Banken; ihreDepositen stiegen 1844—1900 (nach Adolf Weber) um 263°/«, die der vier größtenLondoner Depositenbanken um 1258 °/o; sie beherrscht den Diskontmarkt nicht mehr;sie reicht als Barreservekasse für alle anderen Banken und den Staat nicht mehr rechtaus; sie hat infolge ihrer mechanischen Geschäftsregulierung nicht diejenige Freiheit derKreditgewährung, die man von einer Centralbank verlangt. Sie hat nur wenigeZweigniederlassungen, während die großen Aktienbanken sie zu Hunderten haben. Esgiebt in England fast 4000 Bankstellen, wovon 12 aus die Bank von England fallen.Die Reform ihrer Verfassung ist seit Jahren auf der Tagesordnung, wird aber ernstlichWohl erst in Angriff genommen werden, wenn eine große Krisis ihre Schäden offen sürjedermann dargelegt hat.
Aus das besonders geregelte schottische und irische Banknotenwesen gehen wirnicht ein, bemerken aber, daß auch in diesen Teilen des Königreiches seit 1844 keineneue Notenbank und keine Ausdehnung der Notencirkulation gestattet wurde.
Die Bank von Frankreich hat ihr Notenmonopol 1803 von Napoleon erhalten, dem die Konkurrenz einiger anderer Notenbanken schädlich für die richtigeAuswähl der durch Diskontierung zu begünstigenden Geschäftsleute erschien; er sagte,die Bank gehört den Aktionären und dem Staate, sie hat einen öffentlichen Charakter.Da die Bank aus Ängstlichkeit keine zahlreichen Comptoire in der Provinz errichtete,kam es langsam 1817—1848 zu einer Reihe Provinzialnotenbanken; sie gaben inder Hausse leichtsinnigen Kredit, versagten in der Baisse vollständig und wurdendaher Mai 1848 mit der Bank von Frankreich vereinigt. Seitdem existiert imLande selbst nur die eine große centrale Notenbank (die Bank von Algier darf150 Mill. Francs Noten ausgeben); sie ist seitdem mehrmals vergrößert worden, sie hatjetzt 154,3 Mill. Mk. Kapital und den größten Barvorrat der Welt (1900 2626 Mill.Mark, die deutsche Reichsbank 853, die Bank von England 680 Mill. Mk.), sowie diegrößte Notencirkulation; die Höhe der ihr erlaubten Notenausgabe ist successiv erhöhtworden, 1397 auf 5000 Mill. Francs. Sie hat erst spät und auf wiederholten Druck hinsich auf die Provinz ausgedehnt, hatte aber 1897 94 Sutturfalen, 38 Hülfsbureaus uud105 alle fünf Tage geöffnete Zahlstellen in kleinen Orten, welche 1897—1915 nochwesentlich vermehrt werden müssen. Sie hat jetzt 2331 Beamte, 1083 in der Centrale.Die Franzosen rühmen von ihr, daß sie das mächtigste Kreditinstitut der Welt sei,daß sie billiger uud gleichmäßiger als jede andere Centralbank und auch kleine Wechselbis zu 5 Francs herab diskontiere, daß sie stets für alle Kunden den gleichen Diskonto-fatz anwende, daß sie 1890 in der Krisis ohne jede Schwierigkeit der Bank von England75 Mill. Francs Gold leihen konnte. Sie ist gewiß ein großartiges, musterhaftgeleitetes Institut; aber daß sie ohne größere Diskonterhöhungen auskommt, liegteinerseits in der großen Stabilität der Volkswirtschaft und des Handels von Frankreich ,andererseits in der Doppelwährung; sie kann jedem, der ihr Gold abfordert, Silberanbieten und dadurch leicht ihren Goldschatz hüten; wer Gold will, muß eben infolgeder Doppelwährung eine besondere Extraprämie zahlen. Wenn sie auf 2626 Mill. Mk.Barvorrat 3265 Mill. Mk. Noten cirkulieren hat, so zeigt das, daß die hohe Noten-