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Die Hypothekenbankgesetzgebung. Dcr Kredit der kleinen Leute.
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Volkswirtschaft und des Staatsinteresses beherrschte dadurch, daß die Gläubiger mehrund mehr Banken und öffentliche Körperschaften werden. Die Entwickelung wird in dieserBeziehung in den nächsten hundert Jahren immer weiter gehen, und die Folgen hiervonsind noch kaum absehbar. Eine rasch steigende Vergesellschaftung unseres wirtschaftlichenLebens liegt auch in diesem Vorgang.
200. Die Kreditanstalten der kleinen Leute und der Arbeiter,g, und d Psandleihanstalten und Sparkassen. Wir haben, indem wir zumGrundkredit übergingen, an die Ausführungen angeknüpft, welche wir im vorigen Kapitelüber den Wucher machten. Indem wir jetzt zum Kredit der kleinen Leute kommen,haben wir noch mehr als dort an die eigentümlichen Voraussetzungen dieses Gcschästs-gebietes zu erinnern. Bei ihm handelt es sich bis auf den heutigen Tag halb um Not-kredit, handelt es sich um Leute, die zwar Kredit brauchen, in der Benutzung des Kreditsaber erst erzogen werden müssen, die zunächst die Einsicht in dir Geschäftsformen desKredits nicht besitzen, in Geldsachen, Preisen, geordneter Geschäftsführung unerfahrensind, die zukünftigen Lasten nicht recht schätzen können, daher so leicht in die Schlingendes Wucherers, des Viehverstellers, des Faktors, des Krämers, des Hausvermieterssallen. Es war eine der schwierigsten Aufgaben der Socialpolitik, diese kleinen Leuteund Arbeiter au Sitten, Geschäfts- und Rechtsformen zu gewöhnen, die ihrem Horizontangepaßt, sie nach und nach in die moderne Geld- und Kreditwirtschaft einführten, sienach und nach fähig machten, den Wucherer zu durchschauen, sich von ihm los zumachen. Wie schwer lernte der Handwerker und Kleinhändler eine geordnete Bnch^sührung, wie viel später noch dcr mittlere und kleine Landwirt. Wie zähe setzen dieganzen unteren und mittleren Klassen, die an das Borgsystem gewöhnt sind, noch heutealler Barzahlung Widerstand entgegen; wie schwer hält die Gewöhnung an präciseEinhaltung von Zahlungsfristen. Und doch ist in all' diesen Dingen ein großerWandel nötig; es ist auch vieles bereits erreicht, noch mehr freilich künftig zu thun.
Ein Hauptpunkt der Reform war es, bessere, auf ihre Sitten berechnete, sie richtigbehandelnde Kreditorgane zu schaffen; wenn man den wuchernden Lotterkredit des Klein-händlers durch einen Konsumverein beseitigte, wenn man das falsche private Ausleihender kleinen Leute untereinander durch eine Sparkasse ersetzte, wenn man den ländlichenWucherer durch eine Kreditgenossenschaft verdrängte, so wurden falsche und schädlichein anständige Kreditgeschäfte verwandelt, so wurden bessere wirtschaftliche Sitten über-haupt geschaffen. Keine dieser Reformen konnte bloß vom Geschäfts- und Gewinn-standpunkt aus gelingen. Religiös-Humane, pädagogische, landesväterliche, social-genossenschaftliche Antriebe und Ideale mußten mitwirken.
a) Pfand leih Häuser. Der erste Versuch dieser Art liegt Jahrhunderte zurückund gehört den Städten zunächst Italiens an. Wir sprechen von der Entstehung deröffentlichen und kirchlichen Leihhäuser.
Aller Not- und ein erheblicher Teil des Geschästskrcdits vollzog sich im Mittel-alter in der Form des Psandleihgeschäfts. Die Könige versetzten ihre Kronen, wie dieBürgersleute ihre Mobilien, ihre Schmucksachen und Kleider. Wir haben oben gesehen,daß die Pfandverleiher in Italien seit dem späteren Mittelalter sich von den Bankiersund Geldverleihcrn schieden; je tiefer sie social standen, desto höhere Zinsen nahmen sie,desto wucherischer verfuhren sie. Das Geschäft lag vom 12.—15. Jahrhundert bei20—80 °/o Zinsen wesentlich in den Händen der Juden, und bei den vielen damit ver-bundenen Mißbräuchcn erschien es zuletzt als der einzige Ausweg, wenn die Städteselbst oder kirchliche Stiftungen das Geschäft unter billigen Bedingungen, ohne wucherischeErwerbsabsicht übernahmen. In derselben Zeit, da der Kanzler der Pariser Universitätden Erlaß eines neuen Wucherdekrets aus dem Konstanzer Konzil hinderte, da dieJudenmorde verschwanden, da ein großer Aufschwung aller Darlehnsgeschäfte begann,gründete Florenz als Staatsanstalt 1473 seinen Nons subventionis ei xietatis, undverstanden es dann die Franziskaner unter Führung des großen Kanzelredners Bernardinoaus Feltere ihre Älontes xistatis trotz aller Gegnerschaft der in ihrem Geschäft bedrohtenJuden und der reaktionären Dominikaner zu errichten. Gegen 1500 bestanden schon