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Pfandleihhäuser und Sparkassen.
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existierten vor 1860, die ländlichen vor 1880 kaum. So fiel die Aufgabe der Er-richtung und Verwaltung solcher Anstalten gemeinnützigen Vereinen, Stadt- und Kreis-Verwaltungen, Fürsten und Regierungen zu, denen erst spät und in wenigen StaatenAktiengesellschaften sich zugesellten. Die oberen Klassen haben sie im Interesse derHebung der unteren geschaffen; wirtschaftliche Erziehungsabsichten waren das Maßgebende,nicht Gewinnabsichten des Kapitals, der Begründer.
Wir werden so die Sparkassen definieren können als gemeinwirtschaft-liche und gemeinnützige Leihinstitute meist lokaler Art, dann aber über ganzeStaaten mit Filialen sich erstreckend, deren erster Zweck ist, Spareinlagentzon kleinen Leuten verzinslich anzunehmen und sie ihnen auf Ver-langen sofort oder gegen kurze Kündigungstermine zurü ckzuzahleu,deren zweiter sein muß, diese Einlagen so anzulegen, daß diesererste Zweck erreicht wird, daß die Verwaltungskosten gedeckt, und ein Reservefondsgesammelt wird. Der Zins, den die Kassen zahlen, muß so viel niedriger sein als der,welchen sie bei der Anlage erhalten, daß damit die Kosten gedeckt werden, und so vielKasse gehalten werden kann, die sofort fälligen Rückzahlungen jederzeit zu machen. DieEinzahlungen werden in Bücher eingeschrieben; in ihnen werden die Zinsen und Ab-hebungen ebenso gebucht; die Bücher werden auf den Namen der Einleger gestellt,Äber legitimieren zur Erhebung. Minima der auf einmal anzunehmenden Summen(1 oder 2 Mark) werden bestimmt, um die Verwaltungskosten nicht zu hoch werden zu-lassen, Maxima der gesamten Einlagen einer Person (z. B. 1000 Mark) sind angeordnet,um die Sparkassen ihren eigentlichen Zwecken zu erhalten. Jede Sparkasse besorgtihre Geschäfte nach ihrem Statut; in den meisten Ländern haben von 1817 an all-gemeine Gesetze oder Verordnungen ihren Wirkungskreis abgegrenzt, ihre Verwaltungnormiert, eine gewisse Staatsaufsicht eingeführt. So lange es sich um wenig umfang-reiche Geschäfte rein lokaler Art handelte, war die Verwaltung nicht schwierig, konntesie von einem Gemeindebeamten oder Beauftragten des Vereins in einigen Stunden derWoche nebenbei erledigt werden. Sobald die Geschäfte größer wurden, entstandenSchwierigkeiten aller Art.
In England bekümmerten die Notabeln (Gutsbesitzer, Geistliche u. s. w.), die-als Treuhänder, Irusteös, an der Spitze der Kassen standen, sich so wenig um dieGeschäfte ihres Llsrk oder ^ctu^, daß die Sparkassen 1840—1860 förmlich in Miß-kredit kamen; häufige Bankerotte waren an der Tagesordnung; die Treuhänder wolltenvielfach nicht hasten; eine Untersuchung stellte 1858 fest, daß die paar Hundert privatenSparkassen 88 Mill. Mk, Deficit hatten; die Hälfte der Kassen war wöchentlich nureinmal geöffnet. Gladstone suchte vergeblich der verlotterten Mißwirtschaft und Schwer-fälligkeit dadurch eine Ende zu machen, daß er den vornehmen Treuhändern staatlicheBeamte als Verantwortliche Kassierer aufdrängen wollte.
Den französischen Gemeindesparkassen (1840 270, 1870 511) machte mandas Geschäft dadurch seit 1835 leicht, daß man ihnen erlaubte, mehr und mehr ihreEinlagen in den Staatsschatz abzuführen, wo sie in französischer Rente angelegt wurden;i>ie Verwaltung wurde um so lässiger. Der Kurs der französischen Rente stieg infolgehievon. Aber die Kassen wurden 1848 dadurch halb bankerott, daß ihnen der größere Teil-aller Einlagen entzogen wurde; ihre Einlage war 1345 392 Mill. Francs, 185074 Mill. Ähnlich mußten sie 1870 ihre Zahlungen einstellen. Auch in Belgien hatten die 6 bestehenden Sparkassen 1830 ihre Zahlungen Mieren müssen. Erst die1865 gegründete staatliche (üaisse cl'öxaignss brachte in Belgien Fortschritt in dasSparkassenwesen.
In Preußen entstanden zuerst fast nur Gemeindesparkassen, seit 1854 auch eineAnzahl Kreissparkassen ; es waren 1835 80, 1865 517. Es kamen keine solchen Kata-strophen vor, wie wir sie eben erwähnt, dank der bureaukratischen Oberaussicht undder geordneten Kommunalverwaltung. Aber die Entwickelung blieb auch kümmerlich:1865 noch keine Million Sparkassenbücher. Es sehlte den Kassen der Geist derInitiative, die werbende Kraft. Die Kassen waren zu selten offen; als Anlagen wurden