Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Schulzeschen Aorschußvercine.

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Diese Zahlen deuten schon an, daß viele der größeren Vereine zu erheblichen Bank-geschäften geworden sind; daß man ihnen 1871 gesetzlich erlaubte, mit NichtMitgliedernGeschäfte zu machen, und daß man den Vorständen teilweise erhebliche Tantiemen nebenden Besoldungen gab, verführte manche zu kühnen Börsenspekulationen. Manche ver-wandelten sich in Aktienbanken, besonders als ihnen 1889 das Recht wieder genommenwurde, Nichtgenossen Kredit zu geben. Etwa 100 nahmen 18891890 die Form derAktiengesellschaft an. Viele dehnten ihre Geschäfte weit über die Gemeinde aus, inder sie saßen. In manchen Gegenden traten auch viele Landwirte ein. Im ganzenaber blieben sie die Banken des städtischen Mittelstandes, der Handwerker und kleinenKaufleute. In der weitaus überwiegenden Mehrzahl blieb der alte Geist der Soliditätund geschäftlicher Tüchtigkeit, gepaart mit genossenschaftlichem und Gemeinsinn vor-herrschend; die Anwaltschaft, das Gesetz, die Musterstatuten, die provinziellen undGesamtverbandstage wirkten energisch auf streng solide Grundsätze hin. Möglichstsuchte man das Kreditgeben an die Vorstände, die Hauptquelle der Mißbräuche bei.den Aktienbanken, zu erschweren. Die immer zahlreicher werdenden Vorstände, Auf-flchtsräte und Beamten, ihre Bindung an Instruktionen hatten natürlich eine mehrbureaukratisch-routineartige Verwaltung zur Folge; die Verwaltung wurde auch teurer.Die Generalversammlung behielt nicht überall den großen beherrschenden Einfluß wieirüher. Man betrachtete hohe Dividenden von Anfang an als erwünscht, um Mit-glieder zu locken; sie wurden mannigfach erstes Geschäftsprincip und traten der Tendenz,den Kredit für die kreditsuchcnden Genossen zu verbilligen, entgegen. Alle großenVorschußvereine nähern sich so den Aktienbanken in ihren Tendenzen. Es ist natürlich,daß sie, zu großen kaufmännischen Kreditinstituten erwachsend, gleichsam zwei Seelenoder Tendenzen haben: die idealistisch-genossenschaftliche des Schuldnervereins, die demAeinen Mann aufopfernd helfen, die gewinnsüchtige der Anteilbesitzer, die hohe Dividendehaben und vorwärts kommen will. Allein es sind das doch die zwei Richtungen, diein jeder Mcnschenbrust und in jeder socialen Organisation liegen. Es ist kein Unglück,Wenn die letztere Tendenz in einzelnen Vereinen die Oberhand erhält; sie sind danneben dasselbe, was eine andere gewöhnliche Bank ist. Es würde nur aus der ganzenInstitution etwas anderes machen und ihr die große Bedeutung für die Zukunft rauben.Wenn diese Tendenz allgemein siegte. Doch ist davon nicht die Rede. Nur das wirdman sagen können: die geringere werbende Kraft des Gedankens seit 18751880, derseither vielfach eingetretene Stillstand komme daher, daß die bestehenden Vereine undihre Führer als dsirti xossiäöntks mehr die Geschäfts- als die ideale Seite pflegten.Teilweise mag die Ursache auch darin liegen, daß die vorhandenen 23000 städtisch-gewerblichen Vorschußvereine in der Hauptsache das ihnen günstige Gebiet nun eroberthatten, und ihre Formen zur Ausdehnung auf die kleinen Orte und das Platte Landnicht fo paßten.

Jedenfalls aber sind diese Volksbanken einer der erfreulichsten und schönsten Zweigeam Baum der deutschen Volkswirtschaft. Es ist eine segensreiche, den ganzen Mittel-stand heilsam beeinflussende Thatsache, daß diese soliden Vereine, an denen weit übereine Million kleiner und mittlerer Geschäftsleute beteiligt sein wird, fast in allenStädten das Personalkreditwesen so solide organisierten, daß sie und nicht ebenso vieleHrivate Bankiergeschäfte es in der Hand haben.

Österreich, Italien, die Schweiz haben, wenn keine gleiche, doch eine analogeEntwickelung, während sie England und den Vereinigten Staaten ganz sehlt, in Frank-reich und Belgien nur kümmerliche Anfänge sind. Wo sie mangeln, ist auch in denStädten das Wuchergeschäft viel größer, die Abhängigkeit von kreditvermittelndcnNotaren und Rechtsanwälten viel umfassender, kann der ganze Mittelstand sich vielweniger halten. Die deutschen Vorschußvereine bilden mit ihren zahlreichen provinziellenVerbänden und ihrer centralenDeutschen Genossenschaftsbank von Sörgel, Parisius<d Co.", welche seit 1867 einen Giroverband, seit 1396 eine Checkvereinigung aus-gebildet hat, einen festen Stamm sür eine solide, rein lokale Kreditorganisation.