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Von der Natural- zur Geldlöhnung. Truckverbot.
Immerhin werden sich auch in Zukunft gewisse Formen der Naturallöhnung er-halten; sie sind auf dem Lande, in abgelegener Gegend mit geringer Ein- und Ver-kaufsgelegenheit für beide Teile das Richtigere, Einfachere, Zeitsparende, Natürliche; sieerzeugen gute Beziehungen beider Teile, wenn sie richtig angeordnet sind und aus-geführt werden. Für einen großen Teil der ländlichen Arbeiter Europas bedeutete dieBeseitigung der Naturallohnverfassung eine erhebliche Verschlechterung der Lebens-haltung und Ernährung; aus Brot, Fleisch, Milch, Käse und Eier essenden Land-arbeitern wurden kartoffelesscnde Proletarier, aus Arbeitern, die dasselbe Interesse wieihre Herren hatten, wurde eine Klasse mit entgegengesetzten Interessen, die den Arbeit-geber bekämpft, oft sogar haßt. Die Auflösung der mit der Naturallöhnung verbundenenEigenwirtschaft beseitigte gesunde häusliche Sitten, familiären Zusammenhalt, Fleißund technische Kenntnisse, wie ja auch das Aufhören des Spinnens und Webens imArbeiterhaushalt ungünstig aus diesen wirkte. Jedenfalls gingen die Sitten und Vor-züge der alten Zeit Vorloren; und die neuen, der Geldwirtschaft entsprechenden, konntensich erst langsam bilden. Toynbee erwähnt im Anschluß an das Gesetz der Elisabeth,das für jede Arbeiterkate die Zulegung von vier Acres Landes forderte, daß dieserZustand erst 1766—1840 mit den Einhegungen verschwunden sei. Er sügt bei, wennman nur bis 2 Acres jedem Arbeiter gelassen oder gegeben hätte, wäre die ganzesociale Entwickelung Englands anders, d. h. gesünder verlaufen.
Toynbee hat damit nicht unrecht; nur fragt sich, wie es möglich gewesen wäre^auch den städtischen und gewerblichen Arbeitern eine solche ländliche Eigenwirtschaftzu belassen oder zu verschaffen. Das Ungünstige lag nicht darin, daß der Geldlohnden Naturallohn nach und nach verdrängte, sondern darin, daß der Geldlohn so vielfachkam, ehe die Arbeiter für die Geldwirtfchaft, für die richtige Ausgabenverteilung, fürdie Zurücklegung von Reserven reif waren. Wie man in allen Armenverwaltungenden Unterstützten um so mehr Naturalien, um so weniger Geld giebt, je tiefer sie stehen,weil die Naturalunterstützung nicht so mißbraucht, nicht so falsch verwendet werdenkann, wie nur für die moralisch hochstehenden Armen Geld besser ist, ja sie sogar zubesserer Wirtschaftsführung anleitet, so ist es auch mit dem Natural- und Geldlohn.Der Geldlohn mußte, zumal in der Industrie und in den Städten, zur überwiegendenHerrschaft kommen. Aber er wird zum Segen erst da, wo die Arbeiter sparen, ein-kaufen, an Konsumvereinen sich beteiligen gelernt haben. Dazu haben sie teilweiseGenerationen gebraucht. Und in dieser Zwischenzeit sind sie am tiefsten gcfunken, habensie die geringste Lebenshaltung gehabt. Erst' der moderne, höhere Arbeitertypus erträgtden Geldlohn und gebraucht ihn richtig. Für ihn muß er teilweise gesetzlich erzwungenwerden, nämlich da, wo nicht die alte gute patriarchalische Form der Naturallöhnung,sondern ihre Entartung sich eingestellt hat, wo in wucherischer Absicht dem Arbeiterstatt des angezeigten Geldlohnes Waren, die er nicht brauchen kann, die schlecht und-teuer sind, als Lohn aufgenötigt werden.
Eine solche mißbräuchliche Zahlung in Naturalien und Waren entstand schon imspäteren Mittelalter in den Bergwerksdistrikten, in einzelnen Gewerben, dann in denHausindustrien, hat aber erst im 19. Jahrhundert in den Manufaktur- und Fabrik-distrikten ihren Höhepunkt erreicht. Einzelne Handwerker, die ihre Waren nicht absetzenkonnten, versuchten schon 1400—1600, ihre Gesellen statt mit Geld in allerlei Waren^häufig in den von ihnen hergestellten, zu bezahlen; das Zunftrecht verbot es. In denBergwerken, wo der Arbeiter häufig schwer seine Nahrung und andere Bedürfnissekaufen konnte, fingen Schichtmeister und Steiger an, Verkaufsläden, Wirtshäuser undSchenken zu errichten und nötigten die Arbeiter zu teurem Einkaus bei ihnen, wennsie gut behandelt werden wollten. Die Bcrgordnungen schritten vom 16. Jahrhundertan streng dagegen ein. In der seit dem 16. Jahrhundert aufblühenden Hausindustriezwang der Verleger dem Weber oder Tuchmacher , dem Schmied oder Holzarbeiter einmalden Rohstoff, oft auch Werkzeuge und Hülfsstoffe zu teuer auf, dann kaufte er ihmdas Produkt nur ab, wenn er dafür Waren aller Art teuer aus seinem Laden nahm,suchte ihn in Kreditabhängigkeit von sich zu bringen. Auch diese Mißstände suchten