Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
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Arbeits- und Kapitalnachfrage. Die Machtunierfchiede,

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so annehmen können, daß der abnehmenden Arbeitsnachsrage in vielen hochstehendenIndustrien doch in den volkswirtschaftlich voranschreitenden Staaten eine wachsendeGesamtnachsrage nach Arbeit gegenübersteht. Ich erinnere daran, daß ich oben schon(I Z 85 S. 223) über diese Gesamtnachfrage beweisende Zahlen anführte. Preußen zählte 1816 1,3, 1867 3,9, Deutschland 1882 10,7, 1895 12,8 Millionen in Unter-nehmungen thätige Lohnarbeiter; Gissens Rechnung für das Vereinigte Königreichgeht dahin: 1836 9 Millionen, 1886 13,2 Millionen Lohnarbeiter mit 171 und550 Millionen Gesamteinkommen und 19 und 41^8 Pfd. Sterling jährlichen Kopf-einkommens.

Auch aus den Berechnungen, welchen Anteil am Gesamteinkommen der Nationdie Löhne in verschiedenen Zeiten und Ländern ausmachen, kann man Rückschlüssedarauf machen, ob die zunehmende Kapitalanwendung dauernd in den letzten 200 Jahrendie Nachfrage nach Lohnarbeit absolut oder relativ eingeschränkt habe. Aber wirkommen darauf besser unten bei der Einkommensverteilung.

Wir fügen diesen Bemerkungen über die Größe des Angebots und der Nachfragenach Arbeit noch ein Wort über die Jntenfivität ihres Auftretens, je nach den Macht-verhältnissen bei.

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Nachfragenden im großen und ganzengegenüber den Anbietenden die Mächtigen, die Besitzenden, die Weitsichtigeren undSelbstbewußteren, die sind, welche den Markt besser kennen, welche zuwarten können, welchenicht ebenso dringlich wie die Arbeiter des Vertragsabschlusses bedürfen. Die Folgeist, daß, Wo dem nicht andere Ursachen entgegenwirken, der Lohn leicht unter demNiveau steht, das man nach den bloßen Zahlenverhältnissen erwarten müßte. Wo derLohn längst steigen müßte, bleibt er niedrig; wo er steigt, thut er es oft langsamund ungenügend. Lange Epochen sinkenden Lohnes sind nicht ohne Heranziehungdieser Ursachenreihe zu erklären.

Aber es wäre doch ganz falsch, diese Relation zwischen Nachfragenden und An-bietenden überall anzunehmen. Sie kann durch eine Reihe von Umständen ein-geschränkt, ja in ihr Gegenteil verkehrt werden. In Kolonialländcrn kann es an Lohn-arbeitern so fehlen, daß bei ihnen die geringere Dringlichkeit vorliegt. In vielen Ortenund Gegenden mit kleinbäuerlichem und Kleinhandwerksbetrieb sind zeitweise die Lohn-arbeiter, zumal die guten, so selten, daß bei ihnen, die ohnedies social den kleinenUnternehmern gleichstehen, die Macht gleich oder größer ist, ja daß sie die Betriebs-leiter mißhandeln und unter Umständen ausbeuten können. Fast in jeder stark auf-steigenden Konjunktur wächst die Macht der Arbeiter, sinkt die der Unternehmer; wodie Arbeiter gut organisiert sind, die Unternehmer nicht, kann das alle oben erwähntenVorzüge der letzteren ausgleichen. Zunehmende technische und wirtschaftliche Bildungder Arbeiter, zunehmender Besitz und zunehmende politische und bcrusliche Organisationderselben sind das Wesentlichsie Mittel, einen erheblichen Teil der Unternehmer-Über-legenheit auszugleichen, während allerdings die neueren Riesentrusts und die Verbändeder Unternehmer auch die organisierten Arbeiter lahm legen können, die Überlegenheitder höheren Klassen wieder herstellen. Wir kommen daraus im nächsten Kapitelzurück. Die staatliche Macht und die Wirtschaftsinstitutionen hoben es wenigstensteilweise in der Hand, der zu starken, als ungerecht empfundenen Muchtbenutzung dereinen oder der anderen Seite entgegenzutreten.

212. Die Ursachen der Lohnhöhe und ihrer Bewegung. Gesamt-resultat. Die Erörterung von Angebot und Nachfrage zeigte uns die mannigfaltigstenhistorischen, geographischen und beruflichen Möglichkeiten hoher und niedriger Löhne,fallender und steigender Lohnbewegung. Es handelt sich nun sür uns darum, diehistorisch und praktisch wichtigsten Ergebnisse daraus zu ziehen, hauptsächlich darum,die wesentlichen Ursache« der großen Lohnbewegungen in den heutigen Kulturstaatenwährend der letzten Jahrhunderte im Zusammenhang vorzuführen.

Dazu wird nötig sein, die Angebots- und Nachfrageverhältnisse der Arbeit imZusammenhang mit der Entwickelung der ganzen Volkswirtschaft und deren Verfassung