Zig Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gütcrumlaufes u. der Einkommensverteilung. s^gK
und die hiedurch entstehende Verteuerung kann die Nachfrage einschränken und so denLohn drücken. Daher die Möglichkeit gedrückter Löhne bei stark steigender Grundrente,bei wachsenden Monopolgewinnen der Großunternehmer.
Ob eine Volkswirtschaft nun aber blühe oder nicht, ein höherer oder geringererGrad von Produktivität bestehe oder nicht, niemals kann die Nachfrage nach Warenoder Leistungen zeitlich immer ganz konstant sein; sie muß nach guten und schlechtenJahren, nach Hausse- und Baissezeiten schwanken, und das noch mehr in aufsteigendenLändern als in stabilen, weil der Fortschritt sich nur in tastenden, oft auch sichüberstürzenden Vorwärtsbewegungen vollziehen kann. Die Rückwirkung hievon auf denLohn bildet eine der Haupthärten für den von Tag zu Tag lebenden Arbeiter. Wirkommen nachher darauf zurück.
Haben wir im bisherigen angenommen, steigende und fallende Nachfrage nachGütern bedeute steigende und fallende Nachfrage nach Lohnarbeit, so haben wir jetztzu konstatieren, daß das bis auf einen gewissen Grad, aber nicht überall und jederzeitrichtig sei. Die Lohnarbeit ist ein Element der Produktion neben anderen; die Lohn-arbeit ist teilweise ersetzbar durch Kapital, durch Maschinen. Und wir haben sonach den Ursachen zu fragen, die, innerhalb des Rahmens der bisher geschilderten Vor-gänge, die relative Stärke der Nachfrage nach Lohnarbeit gegenüber der Nachfrage nachanderen Produktionselementen bestimmen. Fassen wir diese zusammen unter dem Be-griff des Kapitals, so wird man sagen können, es frage sich, ob jeweilig mehr Pro-dukte des Kapitals oder mehr Produkte der Arbeit begehrt seien, ob Kapital oderArbeit unter den Produktionselementen stärker wachse; nach der relativen Größe dieserBegehrungen, sowie nach den disponiblen Mengen von Arbeit und Kapital bestimmesich die Nachfrage und der Wert der Lohnarbeit. Aber mit dieser abstrakten Formelist das Problem so wenig ganz aufgeklärt, wie mit der an sich richtigen Be-merkung, daß überall da, wo technisch sowohl Arbeit als Kapital für denselben Zweckangewandt werden kann, die Höhe des Zinsfußes und des Lohnes die Bevorzugungdes einen oder anderen Produktionselementes bestimme; durch letzteren Satz erklärt es-sich, daß in einem Lande der billige Lohn z. B. Garten- und Handelsgewächsbau,im anderen der billige Zinsfuß z. B. Viehzucht und feine Textilgewerbe hervorruft.
Um klar zu fehen, müßte man für lange Zeiträume genau verfolgen können,wie in den einzelnen Zweigen der Volkswirtschaft sich die Nachfrage nach Kapital undArbeit verschoben hat, und wie derselbe Prozeß sich sür die Gesamtheit der nationalenProduktion stellt. Man müßte zugleich nach beiden Richtungen versolgen, wie mitder Veränderung der Betriebsformen die frühere Arbeit des Bauern, Handwerkers, Klein-händlers sich nach und nach zum Teil in Geldlohnarbeit, für die eine Nachfrage aufdem Markt ist, umsetzt; man müßte für jeden Zweig und die ganze nationale Pro-duktion jederzeit das Arbeits- und das Kapitalangebot kennen. Vielleicht ist heuteeine solche Untersuchung vollständig zu machen noch unmöglich. Wohl aber werdenWir folgendes sagen können.
Die technisch und betriebsmäßig vollendetsten Produktionen der großen maschinellausgebildeten Stapelindustrien haben sicher seit 100 Jahren immer mehr an Arbeitgespart, an Kapital angewandt. Die Löhne machen heute z. B. in der nordamerikani-schen Wollindustrie nur noch 16, in der dortigen Baumwollindustrie noch 23°/» vomVerkaufswert der Produkte aus, während das Verhältnis vor 50 und 100 Jahren wahr-scheinlich das drei- und mehrfache war. Anders steht es in anderen Industrien; z. B.machen in den schlesischen Kohlenindustrien die Löhne heute noch 46—50 °/v aus. Essrüge sich, wie diese Relation in allen Produktionszweigen sich geändert hat. Es srügesich dann aber weiter, wie viele Prozente des Einkommens und der nationalen Nachfragez. B. auf Textilwaren fällt, bei denen die Arbeit so sehr durch Kapital ersetzt wurde,wie viele auf andere Waren und Leistungen, wo das nicht der Fall ist; z. B. imBaugewerbe, in der Landwirtschaft, in vielen Nahrungsgewerbcn wird das Kapitalnicht so vorgedrungen sein. Und daneben steht die steigende Arbcitsnachfrage für dasVerkehrs- und Gastwirtschaftsgewerbe, den Lehrer- und Beamtenstand u. s. w. Wir werden