Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Die Organisation des Angebotes. Die Nrbeitsnachfrage,

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e) Die Nachfrage nach Lohnarbeit setzt sich aus zwei T e i l e n zusammen.Diejenige nach persönlichen Dienern und Gesinde, nach Unterbeamten und Soldatengeht vou Personen und Korporationen aus, welche der Arbeit direkt für ihre Zweckebedürfen; sie hat eine erhebliche Dringlichkeit und eine relative Gleichmäßigkeit, ist aberkleiner als der andere Teil der Nachfrage; immerhin umfaßt sie z. B. in Deutschland (1895) etwa 2 3 Millionen Personen gegen 12,8 Millionen Lohnarbeiter, die inUnternehmungen thätig sind. Ist die Gesindezahl in Zeiten und Ländern mit einerreichen Aristokratie, mit niedrig stehenden breiten Volksmassen und roher Kultur sehrzahlreich, so geht sie mit höherer Kultur und Arbeitsteilung relativ zurück; aber dafürwächst sie absolut, und noch mehr nimmt die Zahl der Unterbeamten, Soldaten undPersonen in ähnlicher Stellung zu.

Der andere Teil der Nachfrage geht von den Unternehmern aus, welche derLohnarbeit in ihren Geschäften bedürfen, um Waren und Leistungen aus den Markt zubringen. Er ist der weitaus wichtigere Teil der Nachfrage, er ist nicht so konstant,so dringlich, er hängt vom Markt, vom Geschäftsleben, dem Absatz, der ganzen Kon-sumtion ab. Wir scheiden dabei die Ursachen, welche den Absatz im ganzen bestimmen,und die, welche speciell die Arbeitsnachfrage beherrschen.

Es ist klar, daß alle Ursachen, welche die Nachfrage überhaupt beeinflussen, mehroder weniger auch die Arbeitsnachfrage bestimmen, weil unter den Produktions-elementen die Arbeit stets eine größere oder kleinere Rolle spielt. Wir werden sagenkönnen, die Nachfrage nach Waren und Leistungen hänge in jedem Lande a) vonseinem Wohlstande, seiner Konsumtionskraft, seiner Einkommensverteilung, kurz von denFaktoren, welche wir oben bei der Lehre von der Nachfrage erörtert haben, undb) von der Aus- und Einfuhr und allen Ursachen, die sie beherrschen, z. B. derHandels- und Kolonialpolitik, der Seeschiffahrt, dem kaufmännischen Geiste der Nationab. Wir werden lehren können, Blüte oder Stabilität oder Rückgang der Volkswirt-schast im ganzen sei das Entscheidende, wie schon A. Smith bemerkte; man kann bei-sügen, keine andere Klasse der Gesellschaft habe deshalb an dieser Blüte ein solchesInteresse wie die der Arbeiter; jede andere, vor allem die Unternehmerklasse, welche imübrigen die meistbeteiligte ist, habe eher Reserven, könne bei Stockungen und Rückganges eher aushalten als der Arbeiter; und es sei daher natürlich, daß die aufsteigenden,intelligenten Arbeiter Blüte und Stockung der Volkswirtschaft mit dem lebendigstenInteresse verfolgen.

Es ist nur ein anderer Ausoruck für dasselbe, wenn man die Stärke der Nach-frage nach Lohnarbeit auf die jeweilige Produktivität der Volkswirtschaft und ihrereinzelnen Zweige zurückführt. Wenn man fragt, was wir unter dieser Produktivitätzu verstehen haben, so werden wir sagen: o.) reiche und in großer Menge vorhandeneNaturkräste und d) gut geschulte und organisierte, kluge und technisch hochstehendeMenschen seien die Voraussetzung jedes wirtschaftlichen Zustandes, jedes Zweiges derVolkswirtschaft, dem wir besondere Produktivität nachrühmen. Wo diese Bedingungenzutreffen, ist reichliche Versorgung, steigende Produktion und Konsumtion vorhanden,ist deshalb die Nachfrage groß und wachsend. Daher auf gutem Boden (alles übrigegleich gedacht) höhere landwirtschaftliche Löhne als auf schlechtem, daher in Ländernmit seit Jahrhunderten stabiler Technik und Betriebsformen niedriger Lohn; dahermeist mit steigender Leistungsfähigkeit der Arbeiter steigender Lohn als Folge blühendenGeschäftslebens und steigender Gesamtnachfrage. Wo trotz reicher Naturschätze derenDienste einer steigenden Bevölkerung gegenüber immer karger werden, kann von einemgewissen Punkt an die Produktivität abnehmen; man spricht in diesem Fall von demsogenannten Gesetz abnehmender Erträge, das nur da nicht in die Erscheinung tritt,wo die technischen und organisatorischen, die geistigen und moralischen Fortschrittegrößer sind als diese Hindernisse der Produktivität. In die Schnlsprache Thünensund der österreichischen Grenznutzentheoretiker übersetzt, heißt das: wo es sich ausnatürlichen oder technischen Ursachen um eine abnehmende Produktivität handelt, ent-scheidet das Mehrprodukt, das die zuletzt angestellten Arbeiter hervorbringen, den Wert,