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Die historische Entstehung der kirchlichen und Gciiieindcarmeupflcge.
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private Armenunterstützung. Aber sie hat große staatliche Gesetze und Einrichtungendoch zum Kern und Mittelpunkt des Armenwesens gemacht; sie fehlen heute auch inden romanischen Ländern, die keine öffentliche Pflicht der Armenunterstützung im Principeanerkennen, sondern den Armen auf freiwillige Unterstützung verweisen, nicht.
Die heutige Armenpflege kann definiert werden als die große wirtschaftlicheund rechtliche Institution, als die Summe zusammengehöriger, teils frei-gesellschaftlicher, teils staatlicher Einrichtungen, welche den Zweckhaben, die Verarmten ohne Gegengabe durch Unterstützungen vor deräußersten Not zu bewahren und zwar in der Weife, daß die aufgebrachten Mittelpom Armen nicht als sein klagbares Recht gefordert, sondern ihm von den gesellschaft-lichen Organen als eine humane und öffentliche Pflicht dargereicht werden und fo, daßimmer mehr Staat und Gemeinde mit ihrer öffentlichen Armenpflege nach festen Ver-waltungsgrundsätzen eintreten und der freien Privat-, Vereins- und kirchlichen Armen-pflege nur noch bestimmte ergänzende Funktionen überlassen. Die Gemeinde und dieihr zunächst übergeordneten Selbstverwattungsorgane wurden die Hauptträgcr derArmenpflege, der Staat aber ordnet rechtlich die Ansprüche und die Organe und trittfür einzelne Zwecke ganz, für andere unterstützend ein. —
Man hat, um die neuere Institution des Armenwesens zu rechtfertigen, sichbemüht, verschiedene allgemein theoretische, rechts- und wirtschaftsphilosophische Gründeanzuführen; z. B. daß der Staat das Eigentum nur schützen, die Rechtsordnung nuraufrechterhalten könne, wenn er jeden vor äußerster Not bewahre, daß er so das zugeringe Einkommen der unteren Klassen ergänzen müsse, daß gegenüber Zufällen undSchicksalsschlägen die Gesellschast die Pflicht einer Gesamthaftung habe, daß die unterenKlassen das Recht auf Existenz hätten. Solche Theorien sind nicht salsch, aber siesagen nicht mehr, als daß im heutigen Staate und in der heutigen Volkswirtschaft eineden wirtschaftlichen Zusammenhängen entsprechende sociale und staatliche Verpflichtungzur Armenhülfe vorhanden sei. Als historische Ursachen der Armenpflege hat man dasChristentum und die Reformation genannt, als wirtschaftliche die moderne Produktions-weise; auch das ist nicht falsch, aber zu generell, so daß nur eine konkrete Ausführungdie volle Wahrheit enthüllt. Wir haben in den einleitenden Worten schon unsereAnsicht über die Ursachen angedeutet. Wir vervollständigen das Gesagte kurz miteinigen Worten.
Die christliche Weltanschauung ist der sittliche Boden, auf dem das Armenwesender westeuropäischen Kulturvölker sich entwickelte; der Bankerott des mittelalterlichengedankenlosen Almosengebens und die Bcttlerplage bilden den Anstoß zu den Reformen,die seit 1500 Platz griffen. In den seit 1500 sich bildenden einheitlichen Staatenund Marktgebieten mußte, weil eben jetzt das Elend so stieg, weil es aus den immerenger sich knüpfenden socialen Zusammenhängen, aus der komplizierter werdenden Ge-sellschaftsverfassung entsprang, weil auf Gemeinde und Staat damals mancherlei bisherkirchliche Pflichten übergingen, zumal in den protestantischen Staaten, die moderne,durch Gesetze geordnete Armenpflege entstehen. Die wirtschaftliche Nötigung zu ihr aberlag in den damaligen großen Fortschritten der Arbeitsteilung, der Geldwirtschaft, indem Zurücktreten der Natural- und Eigenwirtschaft der Familie. Damals begannensich die gesellschaftlichen Krcife zu bilden, die von einem reinen Geldeinkommen lebensollten, das aber nicht regelmäßig war und nicht regelmäßig fein konnte: die Heim-arbeiter, die Tagelöhner, die Söldner, fpäter die Manufaktur- und Fabrikarbeiter. Sieverloren die alte Eingliederung in die naturalwirtschaftlichen Sippen-, Familien-,Gemeinde- und grundherrlichen Verbände; sie waren noch lange nicht fähig, für dieZeiten des mangelnden Geldverdienstes zurückzulegen. Wirtschaftliche Umwälzungen,wie das Bauernlegen, die Entstehung der neuen gewerblichen Bctriebssormen, dieFolgen des neuen Verkehrs, trafen sie unvorbereitet; noch halb naiv und gedankenlos,halb roh und wirtschaftlich unerzogen, dem Tage lebend, sanken sie in der neuenWirtschaftswelt zunächst eher herab, als daß sie stiegen; Trunk- und Genußsucht,Spielsucht und Faulheit nahmen teilweise zu. Das Leben vom Tag zum Tage blieb
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