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Statistik der Armen und Armenausgaben,
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Neuyork aber schon eine sehr hohe Armenziffer, die Oststaaten neuerdings zeitweiseförmliche Bettler- und Vagantenheere hatten, welche zu einer ebenso schlimmen Gefahrwurden wie die der europäischen Staaten im 16. Jahrhundert.
Die Armeneinkünste des Staates Neuyork wurden 1895 auf 5 Mill. Dollarfür die öffentlichen und 14 Millionen für die privaten Anstalten beziffert, auf 4 Dollarzusammen pro Kopf angegeben; ein Berichterstatter glaubt, es feien mit der privatenWohlthätigkeit 6 oder 25,2 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Die englische Armensteuerzeigt folgende Bewegung: 1750 0,5 Mill. F, 1801 4,0, 1818 7,8, 1860 5,4, 1891bis 1895 9,2; der gesamte öffentliche Armenaufwand war 1871—1375 durchschnittlich12 Millionen, 1892—1895 fast 20 Mill. F, mit der privaten Thätigkeit sicher über30, d. h. 400 bez. 600 Mill. Mark. Für Frankreich werden 1835 184 Mill. Francsals Ausgabe der Armenanstalten angegeben, wovon auf die Spitäler 111, auf denStaat 7,5, die Departements 43,4, die Gemeinden 28,3 Mill. Francs fielen. InItalien gaben 1880 die Opere pie 135, die Provinzen 20 und die Gemeinden 63 Mill.Lire für die Armen aus. In Schweden wurden 1884 auf 4,6 Mill. Einwohner9—10 Mill. Kronen (gleich 10—11 Mill. Mark) Armenaufwand berechnet. Für denüberwiegenden Teil Deutschlands , welcher dem Gesetz von 1870 über den Unterstützungs-wohnsitz untersteht, schätzte Adickes den öffentlichen Armcnaufwand 1881 auf 50—60Mill. Mark; die Statistik ergab 1885 für das Reich 92,4 Mill. Mark; es dürftenheute sicher über 100, mit der Vereins-, kirchlichen und privaten Wohlthätigkeit 140bis 150 Millionen sein. Der Stadt Berlin kostete das Armenwesen 1806 0,22 Mill.,1861 1,8 Millionen, 1898 16,2 Mill. Mark. Die öffentliche Armenlast pro Kopf derBevölkerung ist in den meisten Staaten gegenwärtig 2—4 Mark, in Deutschland etwa 3, in England etwa 6; mit der privaten, kirchlichen und Vereinsthätigkeit steigendie Ausgaben teilweise um die Hälfte, teilweise aufs Doppelte und mehr. Auf denunterstützten Armen gab die öffentliche Pflege in Deutschland 1885 40—57 Mark, inSchweden 87, in Norwegen 42 Mark aus. Mit der privaten, kirchlichen u. s. w.Unterstützung wird man auch wesentlich höher kommen.
Was sagen uns alle diese Zahlen? Wenn wir uns auf einen optimistischenStandpunkt stellen wollten, so könnten wir sagen, 2—5 °/o der Bevölkerung fei einemäßige Zahl, und sie hätte ja vielfach abgenommen. Wir könnten, was die Lastenbetrifft, anführen, daß, wenn nach Giffen das englische Einkommen 1885 435 Mill. K,die öffentliche Armenlast im gleichen Jahre 15 Mill. M betragen habe, das immeretwa nur 3—4°/o ausmache. Aber wir dürfen dabei doch nicht vergessen, welch'furchtbares Elend, welche Verzweiflung, welchen Hunger, welche degenerierende Lebens-haltung und Roheit die 10—12 Millionen öffentlich Unterstützter in Europa (3°/o vonetwa 357 Millionen 1890) umschließen; wir dürfen nicht vergessen, daß neben diesendie doppelte oder dreifache Zahl von Menschen steht, die der öffentlichen Armenunter-stützung nahe sind. Und wir müssen hinzunehmen, daß die Mittel der Unterstützungdoch noch recht kümmerliche für die vorhandene Not sind, daß es Jahrhunderte bedürfte,bis man sie zu regelmäßiger Hebung brachte, bis man halbwegs die richtigen Formenfür die Finanzierung und Verwaltung des Armenwesens fand. Mäßig gegenüber demNationaleinkommen, ist der Armenaufwand doch fehr groß und fehr drückend für die Ge-meinden, die teilweise an der äußersten Grenze der Leistungsfähigkeit angekommen sind.
Es ist also nicht zu viel, wenn wir die der Armenpflege zu Grunde liegendenThatsachen als eine große und furchtbare Wunde unseres socialen Körpers betrachten.Die Ankläger unserer Gesellschaftsordnung sehen darin mit Recht das Zugeständnisihrer UnVollkommenheit, das moralische und wirtschaftliche Deficit unseres socialenMechanismus. Andererseits aber liegt in den Bemühungen, eine Armenpflege zuorganisieren, durch sie die Armut zu lindern und ihr vorzubeugen, die nun seit 2000Jahren im Gange, seit 400 Jahren energisch von Gemeinde und Staat in Angriffgenommen sind, doch der Versuch, über das Problem Herr zu werden, mag es auchbis jetzt entfernt nicht ganz gelungen sein. Die führenden Kulturvölker haben in ihrenReligionssystemen den Punkt gefunden, von dem aus sie korrigierende Handlungen und