Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Bedeutung der heutigen Feuerversicherung. Lebensversicherung.

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Der Rivalitätskampf zwischen den öffentlichen Feuerversicherungsanstalten mit undohne Monopol und den Aktien- und Gegenseitigkeitsgesellschaften ist in Deutschland ,Österreich und anderen Ländern von größtem Interesse. Daß die Aktiengesellschaftenauf das gering eingezahlte Kapital dabei 18601890 durchschnittlich 2425°/« ver-teilten, ist dabei nicht so ins Gewicht fallend, denn bei kleinem Kapital und großerArbeitsaufwendung erscheint die Dividendenhöhe, wenn gut gewirtschaftet wird, stetsrelativ sehr hoch; schwerer wiegt es, daß die deutschen Aktiengesellschaften 1831139031,8 °/o, die Societäten 11,3 °/o der jährlichen Beiträge für die Verwaltung verbrauchten.Jedenfalls ist sicher, daß man vielerorts mit den Societäten und am meisten da, wosie ein Monopol haben, sehr zufrieden ist. Ebenso wird heute fast allgemein zugegeben,daß die Konkurrenz auf diesem Gebiete etwas gänzlich anderes ist als auf dem dergewöhnlichen Warenproduktion. Wir kommen auf diese allgemeinen Fragen zurück.Hier sei nur noch angemerkt, daß die Ausdehnung der Feuerversicherung und ihrerWohlthaten in den Ländern außerhalb Westeuropas noch sehr verschieden ist. InRußland z. B. rechnet man heute etwa 300 Mill. Rubel (ca. 632 Mill. Mark) jährlicheBrandschäden, wovon nur 24,7 Mill. durch Versicherung gedeckt sein sollen.

217. Das Lebensversicherungswesen. Die englischen Gesellschaften fürWitwen-und Waisenversorgung sowie für Lebensversicherung begannen16961721 ihre Geschäfte; in Frankreich, Deutschland, den Vereinigten Staaten tratenähnliche Einrichtungen erst 18201840 ins Leben und blieben bis 1350 in ihrerWirksamkeit unbedeutend. Eine wirklich große Entwickelung trat überall erst 18701900ein und blieb bis jetzt, von kleinen Anfängen anderwärts abgesehen, auf die reichenStaaten beschränkt.

Das Geschäft wurde ursprünglich nur von Aktiengesellschaften betrieben, inDeutschland dann zuerst, wie wir sahen, von soliden gemeinnützigen Gegenseitigkeits-gesellschaften. In England, Frankreich, den Vereinigten Staaten blieb es stets ganzüberwiegend in Aktienhänden, wurde rein spekulativ kaufmännisch betrieben; auch inDeutschland traten seit 18501870 die Aktiengesellschaften mehr in den Vordergrund.Zu Staats- und Korporationsanstalten ist man vor 18801900 nur ganz beschränktgekommen, es handelte sich um die Alterskassen in England und Frankreich , die denunteren Klassen dienen sollten, aber kaum benutzt wurden.

Das Lebensversicherungsgeschäft stellte sich bis 18701880 wesentlich nur in denDienst der mittleren und höheren Klassen. Es handelt sich darum, durch einmalige größere,meist aber durch wiederholte kleinere jährliche, vierteljährliche oder gar wöchentlicheEinzahlungen an die Versicherungsgesellschaft sich ein Recht zu erwerben im Todesfall,in einem bestimmten Alter, für bestimmte Fälle des besonderen Bedarfs (Aussteuer,Erziehung, Unfall u. s. w.) eine einmalige größere oder mehrmalige kleinere Summen(Renten, Witwen- und Waisenunterstützungen u. s. w.) zu erhalten. Die praktischeHauptsache blieb immer die Sicherung einer Summe für den Todesfall; alle anderenVerträge der Gesellschaften treten dagegen ganz zurück. Die Männer der Mittelklaffenohne erhebliches Vermögen, aber mit gutem Einkommen suchen so für Frauen undKinder zu sorgen. Das Geschäft ist ein viel schwierigeres als das der Feuerversicherung.Die letztere braucht im ganzen nur jährlich so viel Beiträge zu erheben, daß sie dieJahresschäden decken kann und einige Reserven für große Brandjahre erhält; die Lebens-versicherung muß sür Jahrzehnte große Kapitalien durch ihre Prämien und Beiträgezusammenbringen, um die nach vielen Jahren fälligen Summen zu zahlen. Die Feuer-versicherung erhebt von Hunderttausenden Beiträge und hat jährlich nur 12°/v derBeitragenden den Schaden zu vergüten; die Mehrzahl der Zahlenden erhält nie einematerielle Gegengabe; die Lebensversicherung auf den Todesfall hat allen, die diePrämien fortzahlen, die versicherten Summen zu zahlen; sie ist für jeden Einzahlereine Sparkasse mit Sparzwang; die Berechtigten erhalten nur die gleiche Summe, obder Versicherte früh oder spät stirbt. Die Feuerversicherung kennt nach der Erfahrungder letzten Jahre die Zahl der Brände, die Höhe der zu zahlenden Brandschäden; darnachund nach der Zahl der Versicherten ist die Prämie unschwer abzustufen. Die Lebens-