Mittel gegen Arbeitslosigkeit: Armenpflege, Arbeitsverschiebung.
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möglichst gegen Arbeit Naturalverpflegung für kurze Zeit zu geben; sie sind mehr eine In-stitution der Armenpflege als der Arbeitsbeschaffung. Auch die Arbeiterkolonien, die einst-in Holland entstanden, um durch Landarbeit Arbeitsscheue wieder zu ordentlichen Menschenzu machen und zugleich unwirtliche Gebiete zu kolonisieren, haben, durch Pfarrer vonBodelschwingh 1882 nach Deutschland verpflanzt, hier zwar manches Gute gewirkt, aber5ie 29 (1893) bestehenden derartigen Kolonien mit ihren 3253 Plätzen wollen wesent-lich nur gebrochene Existenzen retten; 6/4 ihrer Leute sind früher Bestrafte; die größereZahl kehrt, als gebessert entlassen, nach einigen Monaten in die Kolonie zurück. Siekönnen einzelne Arbeitslose wohl gelegentlich aufnehmen; gegenüber größeren Notständensind sie machtlos. Ähnlich verhält es sich mit der ^ssiswnes par 1e rravail, wie sie diePrivatwohlthätigkeit in Frankreich neuerdings mit einem gewissen Erfolg organisierte,und mit den Asylen, Kolonien und Werkstätten der Lalvittiou arm)- in England undden Vereinigten Staaten .
Bleibt alles Derartige ein kleines Palliativmittel sür die äußerste Not, so ist dieGrundfrage natürlich die: kann nicht die Volkswirtschaft besser organisiert, kannnicht durch große organische Maßregeln eine gleichmäßigere Nachfrage nach Arbeit gefchaffenwerden? Der Socialismus verspricht es; seine planmäßige Regelung der Produktionsoll die Arbeitslosigkeit verbannen. Es ist die Frage, ob das überhaupt möglich ist;wir kommen auf das allgemeine Problem bei der Krisenlehre zurück. Die großen Wechselder Technik, des Welthandels, der Bevölkerungsbewegung werden Wohl stets bleiben.Und jedenfalls ist in absehbarer Zeit auf eine solche Regelung der Volks- und Welt-wirtschaft nicht zu hoffen; sie schlösse Wohl auch eine solche Vernichtung oder Ein-schränkung der persönlichen Freiheit ein, daß sie den heutigen Menschen unerträglichwürde. Aber deswegen brauchen wir nicht so, wie es 1850—1890 in den meisten Kultur-staaten üblich war, die großen wirtschaftlichen Bewegungen sich ganz selbst zu über-lassen, auf alle Eingriffe der Wirtschaftspolitik zu verzichten. In jenen Tagen habendie Regierungen die Haussebewegungen mitgemacht und gesteigert (z. B. in Deutschland 1870—1873) und nachher in der Zeit der Stockung ebenso, wie die Privatindrrstrien,ihre Bauten, ihre Bestellungen eingeschränkt (auch in Deutschland 1873—1879). Wiehat man allein in den meisten Staaten 1368—1873 den Eisenbahnbau maßlos über-trieben und dann wieder 1874—1879 eingeschränkt! Heute beginnt allgemein die EinsichtM tagen, daß die Wirtschaftspolitik zwar die Krisen nicht beschwören, aber immerhinwesentlich einschränken könne. Man verlangt jetzt mit Recht, daß die Handels-, dieBevölkerungs-, die Ein- und Auswanderungspolitik, die Verkehrs- und Bankpolitik, dieVerteilung der großen öffentlichen Bauten und Unternehmungen auf verschiedene Zeiten,hauptsächlich auch mit Rücksicht aus den Stand des Arbeitsmarktes eingerichtet werde.Wenn zugleich die Provinzen, Kreise, Kommunen alle ihre Aufträge so einrichten, daß siein Zeiten des Überangebotes von Arbeit vermehrt, in Zeiten des Arbeitsmangels vermindertwerden, und wenn zugleich die ganze Staatsverwaltung, wie jetzt schon die Marine- undEisenbahnverwaltung, trotz aller Etatsschwierigkeiten nach ähnlichem Ziele strebt, so kanndadurch sehr viel gebessert werden. In einer Anzahl deutscher Städte hat man mit der„Verschiebung" der an sich geplanten Bauten, Massenanlagen u. s. w. vom Sommer aufden Winter begonnen und damit das günstige Resultat erzielt, daß in diesen Städtenkeine sogenannten Notstandsarbeiten im letzten Winter (1901/02) nötig wurden. Vorallen eigentlichen und direkten Notstandsarbeiten hat eine solche voraussehende Ordnung,Verschiebung, Einteilung aller öffentlichen Nachfrage in Bezug auf den Arbeitsmarktden großen Vorzug, daß es sich einerseits um notwendige heilsame Zwecke, andererseitsum Arbeitsverschaffung in der gewöhnlichen Form der Unternehmung, des Arbeits-vertrages u. s. w. handelt. Es scheint wohl möglich, daß eine solche „Arbeits-verschiebung" (wie sie Flesch nennt), nach und nach die Krisen erheblich mildern,einen großen Teil der periodischen Arbeitslosigkeit beseitigen kann.
Soweit das zunächst nicht möglich ist, werden allerdings die Kommunen, eventuelldie Kreise und Provinzen, ja der Staat in den Epochen größerer Arbeitslosigkeit so-fortige Notstandsarbeiten einrichten müssen, wobei nicht der ausgeführte Zweck der
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