Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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Notstandsarbeiten, gleichmäßige Beschäftigung, Arbeitsvermittelung.

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Politik dies als Lchrschule begünstigte, entstanden für jedes Gewerbe die herkömmlichenStraßen und Orte, die man besuchte; in jeder Stadt wußte der Altgeselle oder Herbergs-vater, ob und welche Stellen frei seien; war keine srei, so schickte man den zugewandertenGesellen mit demGeschenk" weiter. Nur in einigen armen, aber dichter bevölkertenGegenden entstanden regelmäßige, periodische Arbeiterabwanderungen für den Sommer,aber auch in der festen Form eines bestimmten Herkommens, mit der sicheren Aussichtauf Beschäftigung.

Das wurde in den heutigen Großstaaten mit ihrer Freizügigkeit, ihrem Bevölke-rungsüberschuß, ihrer Verwischung der alten Berufsgrenzeu des Handwerks, mit ihrenriesenhaften, schnell auszuführenden Bauten, mit ihrem Konjunkturenwechsel ganz anders.Das alte Wanderwesen, die Gesindemärkte und Ahnliches verfielen. Aber Neues tratabgesehen von der Zeitungsannonce und von dem rasch zunehmenden privaten Vermittler-geschäft, das sich übrigens zunächst wesentlich auf das Gesinde beschränkte nicht sofortau die Stelle. Mehr und mehr waren Hunderte und Tausende von Arbeitsstellen zu besetzen,ebenso viele Leute suchten Arbeit, aber man fand sich nicht; nirgends bildete sich ein Überblicküber Angebot und Nachfrage; zumal die Geschäfte an kleinen Orten konnten fähigeArbeiter und Werkmeister außerordentlich schwer bekommen. Alles drängte nach dengroßen Städten. Der Arbeitsmarkt war ein nationaler, teilweise schon ein internatio-naler geworden. Aber er entbehrte und entbehrt in der Hauptsache heute noch fastjeder planmäßigen ausreichenden Organisation. Die Umschau, die Zeitungsannoncegiebt zufällige Nachricht; im ganzen finden sich schon in jeder größeren Stadt die-jenigen, welche Arbeiter bestimmter Art begehren, und die, welche sie suchen, nicht.Vollends der richtige Ausgleich zwischen verschiedenen Orten und Gegenden, zwischenverschiedenen Berufen ist sehr erschwert; persönliches Sichkennenlernen, Prüfen, Ver-ständigen ist meist ausgeschlossen. Unsicher und unbekannt stehen sich in der Regel dieNeueintrctenden und die Arbeitgeber gegenüber. Enttäuschung und Mißmut ist die Folge.Was als Marktorganisation nötig erscheint, ist persönliche Vorstellung bei einer zu-verlässigen Stelle, welche die Leute und ihre Papiere, ihre Vergangenheit und Geschick-lichkeit prüft und die Nachricht hiervon erst am Ort, dann im Kreis, dann inProvinz und Staat den Unternehmern zugänglich macht, welche gerade eine solcheKraft suchen.

Geschäftsmäßige Private, dann Stellenvermittelung der organisierten Arbeiter undArbeitgeber, ferner solche durch gemeinnützige Vereine, charitative Stellen, endlich korpo-rative Arbeitsvermittelung durch Gemeinde und andere öffentliche Organe unter pari-tätischer Mitwirkung der Beteiligten, das sind die Möglichkeiten, die heute vorliegen,unter denen mau zu wählen hat. Sehen wir, wie die Dinge heute liegen.

Die meisten Arbeiter erhalten Wohl heute noch durch Umschau, durch persönlicheErkundigung, durch Freunde und Genossen ihre Stellen; im übrigen wird in den meistenGegenden und Berufen Westeuropas die gewerbsmäßige Vermittelung noch vor-herrschen. In Preußen zählte man 1895 5216 Vermittler; es waren Wohl mehr. Einefranzösische Erhebung von 1897 zählt 1459 private, 609 andere Vermittelungsstellen auf;«rsterc kamen 1897 auf 947 714, letztere auf 610 581 Vermittelungen. In Österreich zählteman 1896 319 000 vermittelte Stellen, wovon 180 692 auf die gewerbsmäßige Ver-mittelung fielen. In München freilich wurden 1901 164 350 Stellen gesucht, 127 871angeboten, 89 342 besetzt und davon nur 18 000 durch die gewerblichen Vermittler.

Die ältere gewerbliche Vermittelung, in anständigen Händen, hatte den Vorzug,daß die Vermittler bei mäßigem Geschäftsumfang die Bedürfnisse der Kunden und dersich anbietenden Arbeiter und Dienstboten genau kannten oder erforschen konnten, daßsie so individualisieren, jedem das Passende zuweisen konnten. Mit der Gewerbefreiheit,mit der wachsenden Konkurrenz, mit dem größer werdenden Arbeitsmarkte hörte dieserVorteil teilweife auf; es drängten sich immer mehr unlautere, bestrafte Elemente in dasGeschäft; 1895 war ein Achtel der preußischen Stellenvermittler bestrafte Leute; mitzunehmender Arbeitslosigkeit konnte man den Stellensuchenden immer mehr abnehmen;sie wurden förmlich bewuchert, ihnen für Vermittelung, Unterkunft und Speisung viel