428 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Gilterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^886
das nicht der Fall ist; wenn wir beobachten, daß ein ähnlicher Unterschied zwischenden Privat- und den Staatseisenbahnen, den englischen und den deutschen Beamten-gehältern obwaltet: wo in England einige hunderttausend Mark bezahlt werden, erhaltendie höchsten deutschen Beamten 20 000—60 000 Mk. Historische Änderungen in diesenAbstufungen haben wir schon oben (S. 299) angeführt, die ausschließlich auf dendemokratischen Zug unserer Zeit zurückgehen. Im ganzen gliedert sich das Gchalts-einkommen nach Talent, Vorbildung, freilich auch nach Konnexion. Seine richtigeOrdnung wird für die ganze Volkswirtschaft um so wichtiger, je mehr das Privat-beamtentum zunimmt, die höheren Arbeiter beamtenartige Stellungen erhalten.
Das Einkommen der liberalen Berufsarten, der Advokaten, Ärzte, Künstler,Literaten, die nicht Gehalt beziehen, beruht auf einzelnen Verträgen, auf herkömmlichenHonoraren und Taxen; es ist für viele ein unsicheres und schwankendes, oft ein sehrkümmerliches, für die tüchtigsten Elemente dafür ein um so höheres. Der Erwerbstriebkann sich hier nicht so frei bethätigen wie in der wirtschaftlichen Produktion, weil Sitteund Standesgefühl ihm Schranken auferlegen; doch wirken die Größe, von Angebotund Nachfrage immer ein, und es ist nicht ausgeschlossen, daß geschickte Ärzte, Advokatenund Künstler ihr Einkommen nicht bloß durch ihr Talent, sondern auch durch Reklameund Praktiken aller Art außerordentlich hochtreiben-
Bei der großen Zahl mäßig bezahlter Beamten und wenig verdienender Künstler,Advokaten möchten wir für die 1,16 Millionen solcher Personen nicht über 2000 Mk.jährlichen Arbeitsverdienst annehmen; das gäbe 2,32 Milliarden Mk. und zusammenmit dem Lohneinkommen 10 — 11 Milliarden. Dazu kommt für erstere gewiß dreiviertelMilliarde Renteneinkommen; dieser Betrag ist sicherlich nicht zu hoch; giebt es dochmanche Carrieren, die nur Wohlhabenden zugänglich sind.
o) Wir kommen zu den Kleinbauern, H a nd w erk ern, Kleinh än d l ern, derenEinkommen auch überwiegend aus Arbeit stammt. Um ihre Zahl zu bestimmen, gehen wirdavon aus, daß die Berufszählung 5,47 Millionen selbständige Erwerbsthätige, d. h.große und kleine Unternehmer zählt. Wenn daneben die landwirtschaftliche Be-triebszählung allein 5,55 Millionen landwirtschaftliche Betriebe, die Gewerbezählung3,14 Millionen Hauptbetriebe, also zusammen 8,69 oder 3,22 Millionen mehr alsSelbständige zählt, so liegt es daran, daß 1. die Gewerbezählung auch Gärtnereien,Tierzucht u. s. w. aus der Landwirtschaft aufgenommen hat, daß 2. die landwirtschaft-liche Zählung unter den 5,55 nicht weniger als 3,23 Millionen Betriebe unter 2 naaufführt, die überwiegend eine Nebenbeschäftigung von Arbeitern, Beamten, Gewerbe-treibenden darstellen; die Berufszählung crgicbt nur 2,56 Millionen selbständige Land-wirte, also nicht viel mehr als die 2,32 Millionen landwirtschaftlicher Betriebe, dieüber 2 na bewirtschaften. Wir werden also als Gesamtzahl aller großen und kleinenUnternehmer etwas über 5 Millionen annehmen können. Und wenn wir als größere dieGewerbebetriebe mit sechs oder mehr beschäftigten Personen und die landwirtschaftlichenmit über 20 im ansprechen (210 253 und 307 195), so gehen von der Gesamtzahletwas über eine halbe Million (0,517 Million) ab. Es bleiben 4'/s Millionensolch' kleinere und mittlere Betriebe, d. h. solche, die mehr Arbeitsverdienst als Kapital-rente geben. Und zwar machen die kleinen, d. h. die gewerblichen mit 1—2 Personenund die landwirtschaftlichen mit 2—5 ba 3,26 Millionen aus, die mittleren, d. h.die gewerblichen mit 3 — 5 Personen und die landwirtschaftlichen mit 5 — 20 na1,55 Millionen.
Die ersteren (die kleineren Bauern :c.) stehen in der Hauptsache wirtschaftlich undsocial den Arbeitern, Unterbeamten, Schulmeistern gleich, ja teilweise an Einkommen, anSicherheit des Verdienstes noch hinter ihnen. Viele haben freilich noch ein sie stützendeseigenes Vermögen, ein Häuschen, ein Stück Ackerland; aber viele sind auch verschuldet, arbeitenunter dem Drucke hoher Pacht. Viele der allein arbeitenden Handwerker sind prolc-tarisiert, sind verarmte Heimarbeiter. Ihr eigenes Kapital ist sehr klein, auch das derKleinbauern, Kleinhändler reicht nicht über 500-3000 Mk.; im Durchschnitt wird esreichlich gegriffen sein, wenn man die 3,26 Millionen auf je durchschnittlich 100 Mk.