43t) Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^888
die mäßige Zahl Personen, die rein von ihrem Vermögen leben. Außerdem wird mandie rein privatwirtschastlichen Einkommensteile der Gemeinden, der Staaten und desReiches unter den 3,14 Milliarden zu suchen haben.
Nehmen wir die oben nachgewiesenen 3,71 Milliarden Vermögensrente und dazuganz die restierenden nicht nachgewiesenen 3,14 Milliarden ebenfalls als Vermögens-einkommen zusammen, so giebt das 6,ZS Vermögens- zu 18,15 Arbeitseinkommen. Dasscheint uns kein unwahrscheinliches Verhältnis. Halten wir an der Annahme sest, daßdas deutsche Nationalvermögen 200 Milliarden betrage, so geben fast 7 Milliardeneine Verzinsung von 3^2°/», was als Durchschnitt weder zu hoch, noch zu niedrig seindürfte; nehmen wir statt 3^/2 °/o aber 4°/o, so wäre die Rente 8 Milliarden; von25 Milliarden Gesamteinkommen kämen dann 17 auf die Arbeit. Bleiben wir bei7 Milliarden, so kämen nach unseren Annahmen von ihnen 1 auf die 16,36 MillionenArbeiter und Beamten, 2,71 auf die etwa 5 Millionen großen und kleinen Unternehmer;wahrscheinlich ist dieser Betrag zu klein; wir nahmen bei unserer Aufstellung nur Be-dacht auf das im Geschäft befindliche eigene Vermögen der Unternehmer; sie werdenauch noch größere Kapitalmassen sonstwie angelegt haben. Rechnen wir 1—1^/2 MilliardenRente als Verzinsung des privaten Korporationsvermögens, so blieben IV2—2 MilliardenVermögensrente als in unserer Aufstellung nicht näher nachgewiesen; sie flössen in dieHände der reinen Rentner und eventuell in die von Unternehmern, Beamten ic.
Wenn wir 10—15°/« des gesamten Vermögens als Staats- und Korporations-vermögen annehmen (vgl. oben II S. 183), so wären das wie gesagt 20—30 MilliardenVermögen, die zu 3V2°/v 7—10 ^2 Mill. Mk. reine Vermögensrente geben; der deutscheStaatseisenbahnbesitz ist nach Zahn 1900 etwa 12—13 Milliarden wert. Die Be-deutung des Staats- und Korporationsvermögens und der Steuern, sowie der Staats-schulden auf die Einkommensverteilung näher zu besprechen, ist hier nicht der geeigneteOrt. Es fehlten dazu heute auch noch vielfach die speciellen Unterlagen und Erhebungen.Einige der wesentlichsten für diese Fragen in Betracht kommenden Gesichtspunkte habenwir I S. 304—5, 321—22, 453 ff. erörtert. Der Kernpunkt bleibt, daß je größerdas Staats- und Korporationsvermögen ist, je größere Steuern gezahlt werden, destomehr die Privatpersonen auf die Formen des Arbeitseinkommens angewiesen sind.
Es versteht sich, daß in der hier berechneten Vermögensrente die Grundrente ein-begriffen ist.
Der ganze Zweck des vorgeführten Beispiels konnte nicht fein, ganz sichere Zahlenhinzustellen, sondern nur der, eine richtige ungefähre Größenvorstellung vom Arbeits-und Vermögenseinkommen und von der privatrechtlich und wirtschaftlich ganz ver-schiedenen Art des Arbeitsverdienstes und der Vermögensrente zu geben. Man wirddie Schätzungen im einzelnen mannigfach anders ansetzen können, wie wir zugeben,das Gesamtbild bleibt ein ähnliches. Es sollte der sogenannten natürlichen Einkommens-lehre mit ihren drei Einkommensarten Gewinn, Grundrente und Lohn ein Bild derWirklichkeit gegenüber gestellt werden. Dieses Bild wird in anderen Ländern undanderen Zeiten sich natürlich vielfach anders gestalten. Daß es aber mit analogenneueren Versuchen im ganzen übereinstimmt, und daß angesehene Forscher des Auslandesein ähnliches Bedürfnis wie wir fühlten, zeigt die auch von Gide übernommene Be-rechnung von Coste für Frankreich aus der Zeit von 1890. Nach ihr zerfiele dassranzösifche Nationaleinkommen von 23—24 Milliarden Francs in folgende Teile undginge an folgende Klassen: 8 Milliarden Francs an die 8 Millionen Arbeiter,4 Milliarden an die 4,8 Millionen kleinen Bauern und Handwerker, 8 Milliarden andie 2,7 Millionen mittlere und größere Unternehmer, 3 Milliarden an verpachtendeGrundbesitzer, Rentiers u. s. w. und liberale Berufe, 0,5 Milliarden an die 1,5 MillionenArmen u. f. w. Kiaer hat neuerdings für die fast 2 Millionen Norweger folgendeSchätzung gemacht: 136 Millionen Kronen bezeichnet er als Haushaltseinkommen allerKlaffen durch eigene Arbeit im Haushalt, 146 Millionen teilt er den Landwirten,88 Millionen den Manusakturisten und Handwerkern, 72 Millionen den Händlern,Verkehrsanstalten, 37 Millionen den Schiffern, 35 Millionen den öffentlichen Beamten,