Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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440 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeh des Güterumläufe? u. der Einkommensverteilung. f898

geben. Röscher lehrte, daß deshalb die intensive Landwirtschaft in der Regel nurrentiere, wenn die verkäuflichen Ernteprodukte im Geldpreise stärker steigen als dieProduktionskosten, welche durch sinkenden Zinsfuß, bessere Maschinen und Geräte sichermäßigen können.

So richtig das Angeführte im allgemeinen ist, so sehr es ausschließt, auf einerQuadratmeile die Nahrung für Millionen zu erzeugen, so ist dieses sogenannte Gesetzdoch häufig von abstrakten, mit der Geschichte der Landwirtschaft unbekannten Doktrinärenin seinen Folgen überschätzt worden. Es hat seine Geltung nur in der bestimmtenRichtung der Löslichmachung der Nährstoffe in der Ackerkrume; es schließt nicht aus,daß eine Summe von Arbeiten, Kapitalverwendungen, technischen Fortschritten nichtoder nur beschränkt unter dasselbe falle. So wenn vor 400 Jahren nur 2V,vor 100 60, heute 8690°/o der Flur jährlich bestellt wird; so wenn durch Drainageund andere Wasserabfuhr die reichsten Böden, die bisher nur Sumpfgras gaben, in üppigesAckerland verwandelt werden, wobei das aufgewendete Kapital in 3 5 Jahren sichschon ersetzt; so wenn man neuerdings durch Zusammenlegung der Ackerparzellen dieProduktionskosten auf die Hälfte verminderte. Ein erheblicher Teil der Fortschritte,die heute in Geräten, besserer Saatauswahl, besserer Anspannung der Tiere, Verwendungvon Dampf und Elektrizität, nützlicherer Fruchtfolge, rationellerer Tierzucht gemacht werden,fällt nicht unter das Gesetz der abnehmenden Erträge. Es wird noch vielfach soirrationell und technisch falsch gewirtschaftet, daß große Ernte- und Reinertragssteigerungenbei gleichen Kosten möglich sind. Um zu schweigen von den Wege- und Transport-verbesserungen, die oft jahrzehntelang Preise und Grundrenten senken, und von derhistorischen Thatsache, daß der Anbau oft nicht vom guten zum schlechten Boden,sondern umgekehrt vom schlechten zum guten fortschreitet (z. B. wegen der ursprünglichleichteren Bebauung der geringen Höhenböden). Daher ist praktisch für jede Zeit undjedes Land die Vorfrage für die Monopolrentenbildung, ob die teurer oder billiger kommen-den Fortschritte überwiegen, was Wohl schon Schüz und andere, zumal die praktischenLandwirte betonten, die Grundrentengegner aber bis auf die neueste Zeit oft fastganz ignorierten.

Bei dem großen historischen Material über landwirtschaftlicheGrund rentenbildung können wir nur einige wenige, besonders sorgfältig vor-bereitete Beweisstücke vorlegen. So die durchschnittlichen Kaufpreise und Renten desAckerlandes aus Frankreich , welche Vicomte D'Avenel uns bietet. Sie stellten sichpro Hektar für den Durchschnitt ganz Frankreichs und in heutigen Francs ohne Be-rücksichtigung des wechselnden Geldwertes folgendermaßen:

Kaufpreis Rente

9. Jahrh.

70

12- ..

93

12001225

135

13,50

1226-1250

232

23,50

12511275

206

20,60

1276-1300

261

26,00

13011325

222

22,00

1326-1350

108

10,80

13511375

83

8,50

Kaufpreis

Rente

1376-

-1400

98

9,80

1401-

-1425

89

8,90

1426-

-1450

68

6,80

1451-

-1475

48

4,80

1476-

-1500

97

3,40

8

1501-

-1525

95

1526-

1550

132

11

1551-

1575

261

17,20

1576-

-1600

317

19,80

Kaufpreis

Reute

1601

-1625

277

14

1626

-1650

308

15,40

1651-

-1675

481

19,20

1676

-1700

375

18,75

1701

-1725

265

11,40

1726

-1750

344

13,75

1751

-1775

515

18

1776-

-1790

764

26

1890

1600

26

Wir können nicht versuchen, die Fülle der Ursachen dieser Zahlenreihen zu er-schöpfen; das Wichtigste aber ist klar. Vom 9. Jahrhundert bis Anfang des 13. diegroße Steigerung, welche Folge der innern Kolonisation, der aussteigenden wirtschaftlichenBlüte, der auf gegen 20 Millionen gewachsenen Bevölkerung (I S. 171) ist; dannStillstand und Rückgang bis 1500; von da wieder ein Steigen, das unter Colbertseinen Höhepunkt (16511675) hat, 50 Jahre lang dann wieder abflaut, seit Fleurysfriedlichem Regiment wieder bis 1790 zunimmt; im 19. Jahrhundert Verdoppelung desKaufpreises bei Stabilität der Rente. Lange Epochen des Rückganges und der Stabilitätder Kaufpreise und Rente kommen vor; ihre Ursachen sind teilweise politisch-kriegerische,