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Monopolrenten des beweglichen Besitzes.
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enthält meist schon das ursprünglich aufgewendete Kapital mit einem Ausschlag von100 — 200°/»; ist dann die Dividende vom Nominalkapital 5, so ist sie vom wirklichaufgewendeten Kapital 10 oder 15. In den Vereinigten Staaten ist das System der„VerWässerung des Kapitals" am ausgebildetsten: man giebt zunächst Obligationen undVorzugsaktien aus, den gleichen Betrag an Aktien begeben die Gründer dann erst nachund nach, wenn das Unternehmen blüht. Wenn also z. B. 1887 — 1895 61 — 70°/°aller Eisenbahngesellschaften der Vereinigten Staaten den Stammaktien keine Dividendezahlten, so heißt das nur, bei 61 — 70 °/o sei die VerWässerung so groß gewesen, daßzunächst nur die Vorzugsaktien und Obligationen etwas erhielten, aber nicht, daß daswirklich aufgewendete Kapital keine Rente gab. Die deutschen Aktiengesellschaften, derenStatistik van der Borght für 1896 giebt, erzielten für ihr Nominalkapital 10,7°/°Reinertrag, verteilten 7,5 °/o Dividende; von 2870 gaben 698 keine, 689 0—5, 10295 — 10, 454 über 10 (20 über 40)°/o Dividende; etwa 1500 werden also Kurse von120-600°/° des Nominalwertes (ca. 2 — 3 Milliarden) erzielt haben. Die großenfranzösischen Eisenbahnen erzielen seit Jahren 6—16°/o Dividende; die Bank von Frank-reich 11-35°/°; ihre Aktien von 500 standen oft auf 3500, stets unendlich hoch überPari. So wird auch in Frankreich eine Vermögenszuwendung von Milliarden an dieInhaber folcher guten Aktien vorhanden sein.
Eine neuere gute Arbeit über die österreichischen Aktiengesellschaften weist nach,daß sie 1878—1899 durchschnittlich 6,75°/° des Nominalkapitals als Dividenden ver-teilten, die Gasgesellschaften 16,6°/°, die Versicherungsgesellschaften 13,3°/°, die Banken8.5 °/°, die Jndustriegesellschaften 5,27 °/°, die Maschinenfabriken 7,66 °/°. Das Aktien-kapital betrug 1900 1005 Mill. fl.; wie groß dabei schon der Wertaufschlag bei derGründung war, erfahren wir nicht; die Kursgewinne über den Nominalwert werden beiallen, die über 5°/o geben, erheblich fein. Ihnen stehen allerdings die Verluste derliquidierten Gesellschaften gegenüber.
Und das ist ja nun das Charakteristische dieser ganzen Vermögensbildung; sie istviel unsicherer als die durch Grundrentenbildung des ländlichen und städtischen Bodensentstandene. Die Extragewinne, welche den Mehrwert des Vermögens schufen, sind meistdoch schwankend, hängen von Welthandelskonjunkturen, Personen, komplizierten Betriebs-einrichtungen viel mehr ab als jene. Aber das hebt die Thatsache nicht auf, daß diefeWertbildungen doch eine ähnliche oder gleiche Natur haben, wie die an das Grund-eigentum sich anknüpfenden. Es ist wahrscheinlich, daß sie in der letzten Generationviel mehr individuellen Reichtum schufen als die ländliche Grundrente, vielleicht dengleichen oder größeren als die städtische. Und wenn dieser Reichtum in feinem Ursprungganz wesentlich auf die führenden Präsidenten, Direktoren und Leiter der großenUnternehmen, auf ihr Geschäftstalent, ihre enorme Arbeitsthätigkeit zurückgeht, so habendoch ebenso die unschuldigen Aktionäre an diesem Goldregen teilgenommen, welche einpersönliches Verdienst so wenig daran haben wie die Schöneberger Bauern, die überNacht Millionäre wurden, weil das Berliner Baugeschäft ihre Hufen erreichte.
235. Die Verteilung des Vermögenseinkommens. Nachdem wir inZ 230—234 eine Reihe specieller Fragen erörtert, kommen wir auf die Gesamtergebnisse derEinkommensverteilung zurück und besprechen nun erstens die Entwickelung der Ver-mögensverteilung (Z 235) und zweitens die ganze Einkommensverteilung (Z 236). Wirknüpfen an unsere Ausführungen in Z 229 an.
Nur ein kindlicher, aller historischen Kenntnisse barer Optimismus konnte denSatz aufstellen, daß alle höhere wirtschaftliche Kultur oder wenigstens die wirtschaftlichenund technischen Fortschritte des 19. Jahrhunderts dieTendenz gleicherer Vermögens-verteilung in sich trügen. Das Gegenteil ist seit Jahrtausenden und in der Gegenwartjedem klar, der Augen hat, um zu sehen. Nur darüber kann Streit sein, was dieUrsachen seien, bis wohin die Bewegung gehe, ob sie aus sich Gegenbewegungen erzeugeund Schranken zulasse. Wir führen zuerst für die allgemeine Tendenz der wachsendenUngleichheit einige historische Beweise an, gehen nachher auf die anderen angedeutetenFragen ein.
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