450 Drittes Buch. Der gesellschaftliche Prozeß des Güterumlaufes u. der Einkommensverteilung. ^908
In den Berliner Vororten wurde 1887 —1897 eine Milliarde Mark am ge-stiegenen Bodenwcrt erzielt, wovon sicher die Halste oder drei Viertel Monopolrenteund Spekulationsergebnis war; am Kurfürstendamm z. B. war der gesamte Bodenwert1865 1 Million, 1885 14 Millionen, 1898 50 Millionen. In der Stadt Berlin bildetensich in den letzten 50 Jahren sicher 2—3 Milliarden Mark Monopolbodenwerte. Auchin London stieg der Mietwert 1871 — 1891 von 24 auf fast 40 Mill. Pfd. Sterling,wovon 7,15 Millionen als Monopolwert (nicht durch Arbeits- und Kapitalaufwendungbedingt) berechnet wurde; das sind in 20 Jahren 110 Mill- Pfd. Sterling ^ 2200 Mill.Mk. Kapitalwert. Wie enorm die Gesamtrente aus Häusern in England stieg, wie derganze Haus- den Bodenwert dort überholt hat, sahen wir (II S. 183) schon. Wennheute Deutschland ein Gesamtvermögen von 200 Milliarden hat, und Berlin und Vor-orte in kurzer Zeit 2,5—3,5 Milliarden an Monopolgrundstückswert schufen, ganz Deutsch-land sicher den zwei- bis mehrfachen Betrag, so sehen wir immerhin, daß dieser Vorgangin der heutigen Vermögens- und Einkommensverteilung eine erhebliche Rolle spielt, sosehr sich der Prozeß auch auf die großen Städte und bestimmte Zeiten beschränkt, undso sehr die Monopolrente nur einen Teil der steigenden Gesamtrente des städtischen Grund-eigentums ausmacht. Die städtische Monopolrentenbildung ist in der Gegenwart jedenfallsviel umfangreicher als die ländliche. Viel mehr Personen sind so in den Städten ohneentsprechende Arbeit reich geworden. Von den hieraus etwa zu ziehenden Wirtschafts,politischen Konsequenzen haben wir hier nicht näher zu sprechen. Wir haben es schonoben (I Z 128) gethan. Wir betonen nur, wie sehr durch solch. Erkenntnis die Forde-rung verstärkt wird 1. daß die Bodenspekulation durch richtige Besteuerung in gewissenGrenzen gehalten wird, 2. daß die wachsenden Großstädte bei Zeiten sich das Eigentumerheblicher Baugelände sichern, um so die Privatfpekulation im Zaum zu halten und 3.daß wo doch schon Hauseigentümer von Dutzenden und Hunderten von Häusern entstehen,dieses Eigentum und diese Großhausverwaltung möglichst in die Hände gemeinnützigerAktiengesellschaften oder Baugenossenschaften gebracht werden möge.
Wir fügen noch ein Wort über das Kapitalvermögen bei, das Monopol-rentensteigerungen erlebt.
Nicht bloß der ländliche Grundbesitz und die Häuser haben als Vermögenwechselnde, auf- und absteigende Renten und dementsprechend einen bald steigen-den, bald fallenden Kapitalwert. Auch das in Gewerben, Handel, Verkehrsmitteln an-gelegte Vermögen zeigt teilweise dieselben Erscheinungen. Und es ist in den voran-geschrittenen Ländern vielfach schon größer als das unbewegliche Vermögen. Gissenschätzt für das Vereinigte Königreich 1885 auf 1691 Mill. Pfd. Sterling Land- und1926 Mill. Pfd. Sterling Haus- 7619 Mill. Pfd. Sterling gewerbliches Vermögen,Foville für Frankreich auf 80 Milliarden Francs Land- und 40 Milliarden FrancsHaus- 80 Milliarden Francs beweglichen Besitz; Sachsen hatte neuerdings auf 13 bis14 Milliarden Mark Vermögen 7,6 Boden- und Gebäude-, 4,4 Mobiliarvermögen.Schon das Eisenbahnkapital allein beträgt in vielen Staaten 5—10°/o alles Vermögens.
Nun giebt ja ein kleiner Teil dieser großen Kapitalmassen keine oder nur eine geringeRente, ein größerer giebt regelmäßig und dauernd 2^2 —5°/o; aber ein nicht unbedeuten-der ist auch großen Schwankungen der Rentabilität unterworfen und zwar unter ähn-lichen Bedingungen wie der ländliche und Hausbesitz; wo die Nachfrage dauernd steigt,uud durch die verschiedensten Ursachen (Seltenheit der Erzlager, günstige Geschäftslage,Größe der Kapitalanlagen, seltene, persönliche Geschäftsleitung) die Konkurrenz nicht eineVermehrung der Geschäfte herbeiführt, entstehen Extragewinne, ja Monopolrenten, undnun steigt das in den betreffenden Anlagen steckende Kapital auf 200, 300 und mehrProzent seines ursprünglichen Wertes; die neuen Erwerber bezahlen dann entsprechendniehr, sie beziehen keinen Extragewinn mehr, sondern die landesübliche Verzinsung.
Das Maß, in welchem solche Extragewinne und Wcrterhöhungen erzielt werden,läßt sich aber leider nicht ebenso wie beim ländlichen und städtischen Grundeigentumfeststellen. Am deutlichsten sichtbar, sollte man meinen, trete es bei den Aktiengesell-schaften und ihren Dividenden hervor. Aber die Aktiengesellfchafts- und Truststatistik