Äußerliche Schwankungsursachen. Erntewechsel.
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Verlaus (Z 240) und deren geschichtlichen Überblick (Z 241) wir geben, um dann zu derbisherigen Krisentheorie (Z 242) und zu einem zusammenfassenden Urteil (§ 243) zugelangen und mit einigen Bemerkungen über Krisenpolitik abzuschließen (Z 244). — Wirhaben oben (I Z 72—73 ff.) kennen gelernt, wie die Bevölkerung früher schwankte, wieKrankheit, Hunger, Kriege sie zeitweise dezimierten; die Bewegung war eine stoßweise, raschzu- und dann wieder abnehmende; im Mittelalter verdoppelte sich oft in 20—40 Jahrendie Einwohnerzahl einer Stadt und sank dann noch viel rascher; die überliefertenMeister- und Gesellenzahlen schwanken viel mehr und häufiger als analoge Zahlen derGegenwart. Das mußte den Bedarf und Absatz ebenso rasch und gewaltig ändern.Bis in unsere Tage aber greifen die großen Krankheiten, die großen Kriege, der Über-gang von Frieden zu Krieg, von Krieg zu Frieden übermächtig in die Größe und Artder Nachfrage ein; große Störungen müssen die Folge sein. Die preußische Krisis Von1763 an, die englische von 1815 an war mit dadurch hervorgerufen.
Das wichtigste wirtschaftliche Bedürfnis, das der Ernährung, wurde, seit derMensch den Acker zu bauen und das Vieh zu zähmen lernte, Wohl sehr viel besser alseinstmals befriedigt; aber einst wie heute ist es von den Zufällen der Witterung, derErnten, des Gedeihens von Tieren und Pflanzen abhängig. Die niedrigstehenden Rassenhatten dementsprechend, wie wir sahen (§ 176), in erster Linie die Kunst lernen müssen,lange zu hungern und dann für Wochen zu fressen. Von den Buschmännern wird be-richtet, daß sie die Fähigkeiten eines Raubtiermagens in Bezug auf Gefräßigkeit undHungern besitzen, von den Jakuten, daß einer Wohl 40 Pfund Fleisch an einem Tageverzehren könne. Je höher der Körper und der Geist sich ausbilden, desto gleichmäßigereErnährung wurde erstes Bedürfnis. Der Durchschnittskonsum an Brot und anderenmehlhaltigen Speisen ist z. B. in Paris 1850—1860 noch konstanter gewesen als inden Preußischen Städten. Der an Brot ist überall konstanter als der an Fleisch. Wiesteht dem gegenüber aber die Möglichkeit der Beschaffung der Nahrungsmittel? DieGetreideernten haben offenbar früher noch viel mehr geschwankt als heute. Und dem-gemäß haben auch die Menschen unter nichts mehr zu leiden gehabt als unter denzeitweiligen Mißernten; in Indien und China sind noch in den letzten Jahrzehntenwiederholt Millionen von Menschen Hungers gestorben. Heute macht die bessere Land-wirtschaft und der Handel in Westeuropa Derartiges unmöglich. Aber die Ernteverschieden-heiten blieben bis heute verhängnisvoll genug; die französische Weizenernte z. B. betrug1317 48, 1819 64, 1820 44,5, 1853 63, 1857 110. 1390 91, 1891 54 Mill. Iil.Von 1871—1883 haben die Summen einheimischen verkauften Weizens im VereinigtenKönigreich zwischen 6,4 und 12,9 Mill. Quarter geschwankt (Fuchs). Engel hat fürPreußen und die Jahre 1346 —1867 berechnet, daß die Roggenernte, das Mittel zu100 gesetzt, zwischen 122 und 65 schwankte. Und die Wirkung ist um so tiefer ein-schneidend, als, wie geschichtliche und naturwissenschaftliche Untersuchung uns ziemlichsicher bewiesen haben, meist eine Reihe guter und schlechter Ernten sich direkt folgen undzwar oft 4—10 Jahre hintereinander, oft sogar so, daß in 40—50 Jahren nur wenigereiche auf überwiegend geringe Ernten folgen oder umgekehrt. Dafür nur einige Be-weise aus älterer und neuerer Zeit. Nach Lamprecht kostete ein Malter Korn im Rhein-land im 14. Jahrhundert 55 Gramm Silber, 1400 — 1450 37, 1450 — 1475 26,1475—1500 17. In England kostete der Quarter Weizen 1700—1725 44—45 Schill.,1725—1750 29 Schill. (Cunningham). Eine landwirtschaftliche Krisis lag über einemgroßen Teile West- und Mitteleuropas von 1720 bis gegen 1760 wegen der niedrigenPreise; Tooke hat es zuerst klar nachgewiesen. Als nach den schlechten Ernten, Ver-kehrserschwerungen und Kriegsereignissen, welche 1789—1815 sehr hohe Preise erzeugthatten, mit dem Frieden, den landwirtschaftlichen und agrarpolitischen Fortschritten Von1815, hauptsächlich von 1818 an eine lange Reihe guter Erntejahre kam, entstandenallerwärts wieder Klagen und Bankerotte der Grundeigentümer und Pächter. England verlor damals sehr viele seiner kleineren, schwächeren Bauern (Ras). Die Boden- undPachtpreise sanken in Deutschland teilweise um 10—30, teilweise um 50 °/o. In Berlin hatten 100 Icx Roggen 1801—1810 13,30 Mk. gekostet, 1825 6,01 Mk. In West-
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