Die Handelskrisen des 19. Jahrhunderts.
483
1834—1837 wieder eine starke Depression ohne vorausgegangene eigentliche Krise ein.Allerwärts in Europa verschärfte die landwirtschaftliche Not die Lage. Erst in den Jahren1387—1890 besserten sich die Geschäfte. London und die anderen großen Börsenplätzeübernahmen jetzt zu große Anlehen für die ganze Welt, auch für halbbarbarische, bankerotteStaaten,was so lange den Export dahin steigerte, als sie Zinsen zahlten. Als der argentinischeFinanzagcnt Baring 1890 in London fiel, begann dort keine Krise, aber eine starkeDepression; in den Vereinigten Staaten setzte aber eine große Krise 1893 ein. Manhatte dort, als der Rückgang 1890 einsetzen wollte, durch den erhöhten Schutzzoll undstarke Silberprägungen eine künstliche Hausse in Scene gesetzt. Um so furchtbarer wardie Krisis: die Zahl der Konkurse 1330 65 700, 1890 189 800 stieg 1393 aus 331422.642 Banken stellten ihre Zahlungen ein, ein Siebentel des Eisenbahnnetzes war bankerott.In manchen anderen Ländern trat der Tiefstand erst 1894 ein. Von 1895 begannwieder eine allgemeine Besserung, wenn auch Ende des Jahres eine Art Börsenkrisissich einstellte.
Von den Jahren 1875—1395 könnte man fast sagen, daß sie für alle Kulturstaateneine geringere wirtschaftliche Vorwärtsbewegung bedeuteten als 1355—1375. Aber siehatten auch geringere Schwankungen der Konjunktur. Daß sie aber nicht fehlten, zeigen diefolgenden Zahlen George de Laveleyes über die in den einzelnen Jahren an den Börsender Kalturstaaten durchgeführten Effektenemissionen, die freilich durch die Konversionen,die Aktiengründung im Anschluß an bestehende Geschäfte u. s. w. viele Posten enthalten,die nicht neugebildetes und neuangelegtes Kapital bedeuten. Sie betrugen in Mill. Mk,:
1871
12472
1879
7524
1837
3997
1895
5224
1872
10114
1880
4426
1888
6280
1896
13 376
1873
3727
1831
5743
1839
10 142
1897
7676
1874
3373
1882
3632
1890
6513
1398
8432
1875
1363
1883
3345
1891
6176
1399
9016
1876
2922
1884
3901
1892
2008
1900
9492
1877
6324
1885
2592
1893
6318
1901
7943
1878
3649
1836
5366
1394
14 252
Dieses Zahlenbild zeigt am deutlichsten die Aufschwungs- und Depressionsepochen^zeigt, wie erheblich der Wechsel der Konjunktur — auch ohne große Krisen wie sie 1857und 1373 stattfanden — war. Ein anderer Barometer ist der Eisenpreis: die Tonneschottischen Roheisens stand 1873 117 Mk., sank bis 1379 auf 47, bis 1886 auf 40, stand1390 auf 50, 1894 auf 47 und blieb 1395—1899 auf 44—47. Rheinisch-westfälischesGußroheisen Nr. 1 stand 1336 55 Mk,, 1390 94, 1396—1399 67—69, 1900—190193, Dezember 1901 65.
Die neue Aufschwungsperiode von 1895—1900 war eine in den VereinigtenStaaten, in Deutschland und Belgien sehr erhebliche, in England, Frankreich und denanderen Staaten eine gemäßigte, in Rußland eine durch den Schutzzoll künstlich ge-steigerte. Die Handelsverträge, günstigere Ernten, die wachsende innere Nachfrage, derFortschritt der Elektrizitätsanwendung, die wachsende Goldproduktion hatten allerwärts,zumal in Deutschland , die Bewegung inauguriert, sie blieb bis 1399 immerhin ingewissen Grenzen. Über den sehr großen Aufschwung der deutschen Produktion seiennur einige Zahlen angeführt: Deutsche Aus- und Einfuhr 1892—1894 je 7 MilliardenMark, 1899 — 1901 je 10; preußische Steinkohlenproduktion 1392 65 Mill. Tonnen,1900 102; Roheisenproduktion 1392—1893 5 Mill. Tonnen, 1900 8,5; deutsche Stahl-produktion 1894 6 Mill. Tonnen, 1899 9,6; nach Ealenburg nahmen zu 1896—1900 :die Metall- und Maschinenindustrie um 82, die elektrische Industrie um 110, die Bau-gewerbe um 74, die Industrie der Steine und Erden um 5l°/o; deutsche Aktien-gesellschaften wurden 1393 95 mit 77, 1899 364 mit 544 Mill. Mk. Kapital begründet;die deutschen Kreditaktienbanken (von 1 000 000 Mk. Kapital auswärts) hatten eigenesund fremdes Kapital (ohne Accepte) 1893 2636, 1900 5664 Mill. Mk. Die Steigerung
31*