Teil eines Werkes 
2 (1904) Verkehr, Handel und Geldwesen : Wert und Preis ; Kapital und Arbeit ; Einkommen, Krisen, Klassenkämpfe, Handelspolitik ; Historische Gesamtentwickelung
Entstehung
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484 Viertes Buch. Die Entwickelung des volkswirtschaftlichen Lebens im ganzen.

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des Aktien- und des Bankkapitals ist sreilich teilweise eine bloß rechtliche resp, nominelle^infolge von Umwandlungen und Einverleibungen. Der deutsche Roheisenkonsum warpro Kopf 1880 51,6, 1890 88,6, 1895 104, 1900 162,5 KZ, ein Zeichen, wie sehr dieHaussekonjunktur von der Industrie der Produktionsmittel geführt wurde.

Von 13981901 erfolgten starke Preiserhöhungen, das Kapital begann zumangeln, der Kredit überspannte sich. Im Herbst 1899 begann die Panik in Rußland ,in Ost- und Nordeuropa mangelte das Kapital, der westeuropäische Kredit schränkte sichstark ein. Die Deutsche Reichsbank erhöhte am 19. Dezember 1899 den Diskont auf7°/v, höher als jemals; das war ein Sturmsignal. Die Kurse begannen im Laufevon 1900 zu weichen, im Frühjahr 1900 setzte eine vorübergehende Stockung in denVereinigten Staaten ein. Oktober 1900 bis Mitte 1901 fielen eine Anzahl deutscherHypotheken- und Kreditbanken, sowie Jndustriegefellfchaften. Eine eigentliche Geld- undKreditkrisis brach aber nicht aus. Doch steigerte sich Furcht, Unbehagen, Preisdruck,Kursfall noch einige Zeit und ging dann in chronische Depression über, die bis heutedauert (März 1903). Die Zahl der eröffneten Konkurse, 1896 auf 6190 gesunken, er-reicht 1901 9387; betrügerische und leichtsinnige Handlungen von Bankdirektoren undBankbeamten sind zahlreich ans Tageslicht gekommen, wahrscheinlich auch zahlreich ver-tuscht worden. Der Tanz ums goldene Kalb zerstört stets die Moral und die Nüchtern-heit der schwächeren Charaktere. Die Löhne sanken, die Arbeitslosigkeit nahm nichtstark aber immerhin so zu, daß allerwärts Notstandsarbeiten begannen. Zahlreiche Eisen-und Maschinenwerke, welche 1898 1899 auf 200 300 im Kurs standen, sind auf100, teilweise auch auf 40 60 gefallen; viele, die 1899 noch 10 30°/» Dividendegegeben, mußten 1901 eine solche verweigern. Alle Dividenden sanken sehr bedeutend.

In den Vereinigten Staaten haben die Schutzzölle, die künstliche Vermehrungder Aktiennotenbanken, die riesenhaften Trustbewegungen von 1900 bis Mitte 1902 dieLage gehalten; aber der Kredit ist maßlos überspannt, es mangelt immermehr 1902an Kapital. Ob eine Krise noch kommt, ist nicht sicher; die Depression wird sich ein-stellen, vielleicht wie schon öfter einige Jahre nach der europäischen.

Allerlei äußerliche Ursachen (Ernten, Transvaalkrieg, Chinaexpedition) haben mit-gewirkt. Die Grundursachen liegen wie früher darin, daß ein berechtigter Aufschwungüberschätzt, durch Überfpekulation, Übergründung, Preistreiberei, durch Schwindel undBetrug, durch übermäßige Kreditausdehnung über sein in der Natur des Bedarfs, derProduktivkräfte, des vorhandenen Kapitals liegendes Maß hinauf getrieben wurde undso einer Depression Platz machen mußte. Sie ist immer sehr viel mäßiger gebliebenals 18731879, in erster Linie weil unser Bankwesen fester stand, besser organisiertwar, weiter blickte, weil die Kartelle etwas regulierend eingriffen, die maßlofe Konkurrenzhinderten, weil unsere Staatsleitung die Krise besser begriff als 1873. Wir kommendaraus zurück.

242. Die bisherigen Krisentheorien und die Krisenlitteratur.Ehe wir nun zusammenfassen, was aus unserer bisherigen Darlegung folgt, fchickenwir einige Bemerkungen über die älteren Krisentheorien und die neuere Krisenlitteraturvoraus. Die älteren Theorien beruhten wesentlich auf einer zu geringen Ausdehnungdes Beobachtungsmaterials.

Wir werden sagen können, daß man bis gegen 1700 überhaupt keine wissenschaft-lichen Vorstellungen über die wechselnden Konjunkturen, die Aufschwungs-, Krisen- undNiedergangszeiten hatte. Man fah die fchlimmen Zeiten als Strafe Gottes für mensch-liche Schlechtigkeiten an. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts kam nun Wohl darüberetwas hinaus; man fing an, die Krisen zu beobachten. Aber der Merkantilismus standihnen zuerst ratlos gegenüber, fah wesentlich nur die fallenden Staatseinnahmen, suchtedurch erhöhte Tarife, strengere Kontrolle zu helfen, fo in Preußen 17131720, 17361743, 17651772, auch noch 1799. Freilich fehen wir daneben auch die Anfängeeiner gefunden Krifenpolitik z. B. bei Friedrich Wilhelm I. 17131720, bei Friedrichdem Großen nach dem 7 jährigen Kriege. Und in kluger Weise hat der feine undklare Beobachter James Steuart die Krisen beurteilt; er sagt: das Gleichgewicht